Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (227).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (227).

Ein abgewehrter Angriff auf die Kirchenzucht.

Wenig hätte gefehlt, so wäre mein Stiefsohn ohne einen Brief an dich von hier abgereist. Ich hatte mir zum Schreiben die Zeit zwischen Predigt und Mittagessen bestimmt. Nun hatten wir aber im Rate einen Kampf durchzufechten, der zwar ziemlich leicht und an sich unbedeutend war, zu dem wir aber doch die ganze Zeit, die ich für meinen Brief bestimmt hatte, brauchten. Die Partei, die du kennst, hatte unter Führung von Antoine du Pinet eine Intrigue angezettelt, die unsere Predigtfreiheit stark beschränken sollte. Damit du weißt, welche Absicht und Gesinnung man in Genf hat: es war beschlossen, die vier Syndics sollten uns [Pfarrer] alle ermahnen, nicht mit heftigen Predigten fortzufahren. Die übelgesinnte Partei hätte den Sieg davon getragen, hätten wir nicht in den Kampf eingegriffen. So haben wir denn unter dem Kommando unseres Herrn Christi die Sache so geführt, dass wir uns zuletzt unserer Feinde geradezu schämten. Das Geschäft hat mich über zehn Uhr hinaus in Anspruch genommen. Aber auch wenn ich den ganzen Tag frei gehabt hätte, so weiß ich doch nicht, was ich hätte schreiben sollen. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr sei mit dir und segne stets dein frommes Wirken. Grüße deine Kollegen und Angehörigen angelegentlich von uns allen.

19. März.

Übrigens hat unser Geplänkel guten Erfolg gehabt. Du Pinet wird aus der Stadt verbannt. Der Rat ist ausgezeichnet gestimmt, die Freiheit der Unzucht zu bekämpfen. Die Gegner sind gebrochen, nicht ohne große Schande.

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