Brenz an Valentin Hardtung.

Brenz an Valentin Hardtung.

2. October 1547.

Dem Erwürdigen hochgelerten herrn Valentino Hardtungen, beider Recht doctorn und Dechant zu Feuchtwangen, meinem günstigen lieben herrn. Erwürdiger, Hochgelerter, Gottis gnad durch Jesum Christum mit erbietung meins alzeit willigen diensts zuvor. Günstiger lieber herr. Ewer Erwürde schrifftlichen günstigen bericht, welcher gstallt des durchleuchtigen hochgebornen fürsten meins gnedigen herrn Marggraff Georg Fridrichs zu Brandenburg etc. verordnete Rhaette meine gnedig und günstig herm mir herr Johan Dietherichs selig verledigt Canonicat im Stifft zu Feuchtwangen zu verleyhen gnedig und günstig bewilliget, hab Ich dienstlich vernommen. Bedancke derohalben E. E. Irer gehabten muhe gantz fleissig, Soll auch an mir was E. E. Ich zur danckbarkeit beweisen kan, mit gottes hilff nichts erwinden. So viell nun das vermeldt Canonicat blanget, ist nicht one, Ich habe mich vernemen lassen, so Ich auss bedencken der verordneten Rhaette meiner gnedig und günstig herrn der kyrchen in meins gnedigen fursten und herrns Marggraff Georg fridrichs etc. land etwas nutzlich mit meinem dienst sein mög, wölle Ich das Canonicat vermög der Statuten des Stiffts zu feuchtwangen gehorsamlich und danckbarlich annemen. Wiewoll aber Ich verhoffe, es sollte sich schicken, das Ich, so gott mir das zeitlich leben verleyhet, selbs personaliter nach den Carentz Jaren residieren könt, yedoch so weiss Ich dasselb zu diser zeit nicht gwisslich zu versprechen, Gedencke auch die Statuten des Stiffts sollten uff solche gwisse zusagung so strenglich nicht dringen, und Ich hierin nur die Statuta des Stiffts, was mit gunst nicht erlangt möcht werden, .villi und wehe, so es zum fall keme, thun lassen wollt. Dann nach dem die Handlung des eegnanten Canonicats an mich gelangt, hab Ich gar nicht dahin gedacht, das Ich mich in ein müssigang hie uff erden oder uff ein zeitlich unerbarsam vergebens einkommen richte, Sonder dweill Ich mein Gnedigen Fursten und herrn hochlöblicher und seliger gedechtnuss Marggraff Georgen als ein frummen Christlichen fursten von hertzen geliebt. Ob die kyrehen in seiner f. g. Son, meins gnedigen f. und herrns Marggraff Georg fridrichs etc. land zu zeiten einer Visitacion bedörfften, wie dann warlich ein gut fleissig uffsehen uff die recht Christlich leer hoch von nöten, oder, nach dem uff dem Stifft zu Feuchtwangen junge person zu den kyrehen sempter ufferzogen, ob den selben auss der heiligen schrifft zu lesen und sie zu den pfar und predigsempter anzuweisen weren, wie denn die Stifft furnemlich hierzu zugebrauchen seyen, und man hierin mein geringen dienst zugebrauchen gedsecht, dass alssdann Ich mich dessen gehorsamlich und dienstlich durch gottis hilff underfahen wollte. Dann, so es sich ye nicht schicken wollt, das Ich nach den Carentz Jaren zu Hall füglich abkommen möcht, So könte dennocht Ich vermittelst göttlicher hilff on nachteill meins ampts alhie im Jar ye vierzehen tag, ye drey wochen, wie denn deshalben woll fuglich weg und vereinigung zutreffen weren, zu feuchtwangen den jungen Studiosis uff dem Stifft etwas auss der heiligen schrifft fürlesen, oder sonst im land, was die leer des Evangelions belanget, aussrichten, das villcicht dennocht das brott nicht unnutzlich an mir angelegt wurde. So nun des hochgedachten meines gnedigen f. und h. Marggraff Georg friderichs verordnete Rhsette dahin gesinnet, will Ich nochmals mich in annemung des Canonicats vermelter weiss gehorsamlich erzeigen. Dann, ob villcicht besorgt werden möcht, Ich wurde das Canonicat einem andern zu meinem nutz und vorteill resignieren, ist mir on zweiffell, das Stifft zu feuchtwangen habe von der Resignation Ir eerliche billiche Statuten, Jenen Ich kein ungewonlichen einbruch zu machen begere. Ich wollte auch dem heiligen Evangelio die schand nicht anlegen, das Ich mit disem Canonicat, Ja auch mit einem grössern und aber grössern sollt etwas unerbars fürnemen.

So aber meine gnedige und Günstig herrn die verordnete Rhsette etc. etwas anders bedechten und mich der Zusagung der gwissen personlichen Residentz nach den Carentz Jaren nicht erlassen könden, weiss Ich mich des Canonicats halben uff diss mal nicht ferner einzulassen, will es im namen Gottis also beruwen lassen, und dancke Iren gnaden und Gunsten, auch E. E. Ires gnedigen und gunstigen willens gegen mir gantz gehorsamlich und dienstlich, mit erbietung, wo Ich sunst zu yeder zeit Iren gnaden und gunsten, auch E. E. und den kyrchen im land dienen kan, will Ich ungesparts fleiss meins vermiigens durch gottis hilff erfunden werden. hiemit E. E. die der allmechbg barmhertzig Gott in gnedigem schutz bewaren woll, mich dienstlich bevelhend, datum zu schwebischen hall Montags nach Michaelis Anno 47.

E. E. gantz williger
Johan brentz.

Anecdota Brentiana Ungedruckte Briefe und Bedenken von Johannes Brenz. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Th. Pressel, Archidiaconus in Tübingen. Tübingen, 1868. Verlag von J.J. Heckenhauer.

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