Calvin, Jean – An Herrn des Falais in Basel.

Calvin, Jean – An Herrn des Falais in Basel.

Am 24. April hatte Karl V. bei Mühlberg die Evangelischen geschlagen und Johann Friedrich von Sachsen gefangen genommen.

Nach der Schlacht bei Mühlberg.

Monseigneur, da Ihr Befinden es nicht erlaubt hat [nach Genf] zu kommen, wie wir hofften, so muss es genug sein, dass Gott Ihnen die Gnade verleiht, dass Sie in Basel sich wohl befinden. Denn, wenn ich schon wünschte, bei Ihnen zu sein, so ziehe ich doch vor, was Ihnen besser ist. Was den Mann angeht, von dem Ihnen Maldonade gesprochen hat, so habe ich mich, außer dem, was ich von der Zeit seines Hierseins wusste, noch bei seinem frühern Herrn, des Gallars, erkundigt, und er hat mir gesagt, er habe ihn als durchaus ehrlich und brauchbar erfunden. Freilich meinte er, er sei nicht fähig, wichtigere Geschäfte ohne vorherige Instruktion und Anleitung duchzuführen; aber was man ihm befehle, das bringe er tadellos fertig, ja sogar mit großer Aufmerksamkeit. Wegen des ersten Fehlers schätze ich ihn nicht weniger. Denn ein bescheidener, ruhiger Mensch ist mehr wert, als einer mit allzu großer und kühner Unternehmungslust. Entschließen Sie sich nun, nach den Erfordernissen Ihrer Geschäfte, damit ihn Herr d´ Albiac kommen lassen kann und Sie so nicht mehr zu lange unversehen bleiben. Im Übrigen hoffe ich, dass Gott Sie von der ärgerlichen Geschichte befreit hat, in der Sie der Narr [Poulain] so lange aufgehalten hat. So haben Sie wohl nun Ruhe in Bezug auf Ihr Haus.

Wir sind noch gespannt auf Nachrichten über die allgemeine Lage der Kirche. Will Gott uns so hart heimsuchen, dass er dem Tyrannen, der nur darnach trachtet, alles zu zerstören, freien Lauf lässt, so müssen wir uns auf das Leiden ganz gefasst machen. Da ja der, in dessen Dienst wir stehen, herrscht inmitten der Feinde [Psalm 110, 2], so müssen wir uns gedulden und uns trösten mit der Hoffnung auf das, was nachher kommt: Er zerschmeißt seine Feinde. Aber ich hoffe doch noch, dass er Vorsorge trifft gegen diese großen Unruhen und Nachsicht hat mit unserer Schwachheit und die Frechheit derer zügelt, die vorzeitig triumphieren, nämlich über ihn.

Monsieur, ich empfehle mich ergebenst Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Gunst, richte Ihnen beiden auch die Empfehlungen meiner Frau aus und bitte den lieben Gott, er möge Sie allzeit führen, über Sie wachen und Sie reich werden lassen in allen seinen Heilsgütern. Auf das, was mir Herr Maldonade gesagt hat, über die Einrichtung einer [Refugianten-]Gemeinde in Basel, trete ich nicht ein. Denn ich wüsste dazu nichts zu sagen, als dass ich wünschte, es möchte bald geschehen.

Genf, 18. Mai.
Ihr Diener und ergebener Bruder
Johann Calvin

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