A Lasco, Johannes – Brief an Hermann Lenthius

A Lasco, Johannes – Brief an Hermann Lenthius

(6.September 1545)

Ich fürchte, daß Widerwille gegen mich die Ursache ist, weshalb ich hier auf kirchlichem Gebiet nichts weiter kommen kann. Was in aller Welt habe ich denn nun in der ganzen Zeit meiner Amtsführung hier zu Lande ausgerichtet, außer daß etwas mehr Einheit in die Lehre gekommen ist, und nun höre ich, daß doch schon wieder einige darauf aus sind, Verwirrung anzurichten. Wenn die Gräfin, der Magistrat oder sonst wer meint, ich sei nicht recht tauglich oder nicht recht treu in meinem Amte, warum sagt man mir kein Wort davon? Liegt der Gräfin nichts daran, oder meint sie, es sei nicht ihres Amts, den wahren Gottesdienst zu fördern, wozu bedarf sie meiner Dienst? der Magistrat hier ist aller Gottesfurcht baar, dem will ich nicht dienen; ich hatte meine Hoffnung auf die Gräfin gesetzt, die mich auch bisher festgehalten hat, aber die scheint nun auch laß zu werden; giebt sie keine besseren Beweise ihres Eifers um den Glauben, so muß ich denken, was ich nicht gern möchte. Mein werther Herr, Diener am Wort zum Spott sein will ich nicht. Wollen andre in ihrem Amte sichs gefallen lassen, daß die Würde des Wortes Gottes verachtet wird, so muß ich das tragen, aber daß aus Haß gegen mich das Wort Gottes in meinem Amt verachtet werden soll, das dulde ich durchaus nicht. Ist es nicht eine Schande, daß ichs nicht dahin bringen kann, daß ordentlich für die Armen gesorgt werde? daß die Bilder weggethan werden, deren Anbetung wir mit eignen Augen sehen müssen wie zum Spott auf all unser Predigen? Da sagen die Herren, wir hätten zu predigen, ich sage aber nein, ich predige nicht für Säue und Hunde, welche mit der unverdauten Speise Gott weiß was anfangen. Es ist hier nun so viel Jahre gepredigt: was für Früchte unsres Predigens kann man nun aufzeigen? Da sehn wir die abgöttischen Gräuel der Mönche offen vor Augen und sollen ja mit keinem Finger dranrühren; da sehn wir alle kirchliche Zucht abgeschafft und unterdrückt; da sehn wir fast alles, was zur Erhaltung der Diener am Wort und zur Pflege der Studien dienen sollte, geplündert und verschleudert; da sehn wir, daß die Stadt ein Sectennest wird, die Mücken haben wir verfolgen müssen, daß sich Gott erbarm, Wespen und Hornissen sollen wir füttern und die Raben nach Herzenslust drauf loshacken lassen; dabei sehn wir solche Zügellosigkeit, daß, wer ein mäßiges Leben führen will, alsbald Gefahr läuft, für einen Sectierer angesehn zu werden. Das sind die Erfolge unsres langjährigen Predigens, und nun heißt es, wir sollen nur immer predigen! da sagt man uns, wir sollen lehren, die Bilder seien keine Götzen; so? das soll man wohl denen beibringen, die da sagen, das Heil des Vaterlandes hänge daran, ob man die Bilder behalte oder nicht? Kann man sich größre Bilderverehrung denken? Kann man unter solchen Umständen die Bilder stehen lassen? Ist das nicht offenbares Lästerwesen? Und da heißt es noch, hier gebe es keinen Bilderdienst! Was soll denn Bilderdienstsein, wenn das keiner ist? Doch ich will aufhören, vor Kummer kann ich nicht mehr, und ich bin leidend. Ich bitte euch, Herr Bürgermeister, Ihr wollt die Gräfin unter vier Augen in meinem Namen recht ernstlich erinnern; wenn ich bei der Gräfin keine andern Beweise der Gottesfurcht sehe, so ist’s aus; dann hat man mich die längste Zeit hier gehabt.

Quelle:
Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche. Herausgegeben von Dr. J.W. Baum, Professor in Straßburg, R. Christoffel, Pfarrer in Wintersingen, Dr. K.R. Hagenbach, Professor in Basel, Dr. H. Heppe, Professor in Marburg, K. Pestalozzi, Pfarrer in Zürich, Dr. C. Schmidt, Professor in Straßburg, Lic. E. Stähelin, Pfarrer in Basel, Lic. K. Sudhoff, Pfarrer in Frankfurt a.M., u. A. Eingeleitet vpm Dr. K. R. Hagenbach. IX. (Supplement=)Theil: J. a Lasco, L. Judä, F. Lambert, W. Farel und P. Viret, J. Vadian, B. Haller, A. Blaurer Elberfeld Verlag von R. L. Friderichs 1861

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