Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (129).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (129).

Der genannte Rene ist einer der Pestverschwörer. Die weggelassenen Teile sind unwichtige Personalnachrichten. Im Abschnitt über die Gesandten der provencalischen Brüder (Waldenser) sind Claude und Guillaume, die Boten, die Calvin nach Deutschland gesandt hatte, Pierre ein uns unbekannter Waldenser. Michel Cop ist der vierte Sohn des kgl. Leibarztes Wilhelm Cop von Basel, und Bruder des Nicolas Cop, der als Rektor der Pariser Universität 1533 Calvins evangelische Rede ablas, um deretwillen Calvin fliehen musste. Der böse Kapaun ist Chaponneau.

Hinrichtung der Giftmischer. Von den Evangelischen in der Provence.

– – Was soll ich von den Giftmischern schreiben? Rene hat uns großes Staunen erregt, da er von Anfang an die größte Einfalt geheuchelt hatte. Wunderbar wars aber, dass er, der auf der Folter standhielt, durch ein leichtes Versprechen sich überwinden ließ, dadurch nämlich, dass man ihm sagte, ich hätte es durchgesetzt, dass der Rat ihm verzeihe. Sein Weib gestand, sie habe achtzehn Menschen mit Gift umgebracht, er selbst vier oder fünf. Bei seiner Hinrichtung zeigte sich die Kraft des Herrn wunderbar. Die Änderung seines Sinnes war wirklich groß. Morgens gab er noch nicht das mindeste Zeichen von Reue, ja er schien sogar von seinen fanatischen Vorstellungen ganz hingerissen. Denn er haderte mit der Obrigkeit, die doch noch seine Hinrichtung forderte, da er doch Gottes Verzeihung erlangt habe. Aber wie gesagt, der Herr wirkte an ihnen über mein Erwarten wunderbar. Beide gingen in größter Glaubensfestigkeit und mit deutlichen Zeichen der Reue reuig in den Tod. – – –

Kürzlich waren zwei Gesandte der provencalischen Brüder hier; auf meine Bitte blieben sie etwa zwölf Tage. Als ich aber die Hoffnung auf Claudes und Guillaumes rechtzeitige Heimkehr fallen lassen musste, ließ ich sie abreisen. Ich versprach ihnen aber, auch wenn sie weg seien, werde ihre Sache uns am Herzen liegen, und verbürgte mich besonders für deinen Beistand. Leid tat es mir, dass sie eine ganz andere Bekenntnisformel vorbrachten, als die, die ich seinerzeit dem Pierre mitgab. Ich weiß nicht, wie es ihm in den Sinn kam, was alle gut geheißen hatten, ja was er selbst gut zu heißen vorgab, nun zu missbilligen. Es wundert mich nicht, wenn der König von Frankreich über ihr Bekenntnis vom Abendmahl erbittert ist. Den Deutschen genügt ganz sicher nicht, was sie darüber sagen. Ich hatte freilich dafür gebürgt, bei Butzer sei alles gut aufgehoben. Vor dem Präsidenten des provencalischen Parlaments bin ich auch gewarnt worden, und werde mit dem nächsten Boten Butzer angelegentlich mahnen, sich in acht zu nehmen.

Lebwohl, bester Bruder und trefflichster Freund. Der Herr behüte dich und alle unsere Brüder, die du von mir herzlich grüßen sollst, wie auch deine Familie. Alle Unsern wünschen von Herzen Dein Wohlergehen; außer den Bekannten auch Michel Cop, Domherr von Clery, der alle seine Pfründen freiwillig aufgegeben hat, hierher gezogen ist und nun bei uns lebt, ein tüchtiger Mann und wirklich ein Sohn des alten Cop.

Euer böser Kapaun hat neulich an Brüder der Pfarrklasse von Ternier geschrieben, er habe im Sinn, ein Buch gegen mich herauszugeben. Er bat sie, keinen Anstoß zu nehmen, wenn es erscheine. Marcourt, der zu Hause kaum stehen konnte, hat sich von seinem Wahnwitz hinreißen lassen, selbst hinzueilen, um die herrliche Botschaft zu überbringen. Was müssen doch die Gottlosen sich schrecklich quälen!

[Genf, April 1545.]

Dein

Johannes Calvin.

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