Calvin, Jean – An Pellikan in Zürich.

Calvin, Jean – An Pellikan in Zürich.

Wie er im vorigen Brief angedeutet, verteidigt Calvin den Farel gegen den Vorwurf der Zürcher. Da er sich dabei nicht erwähnt, mag der Abschnitt wegbleiben. Occhino, den er gegen die Beschuldigung der Heterodoxie in Schutz nimmt, wurde später tatsächlich ein Bekämpfer der Dreieinigkeitslehre.

Über Occhinos Orthodoxie.

– – Noch über etwas anderes muss ich dir schreiben auf die Bitte unseres Bernardino. Es wurde uns nämlich gemeldet, es sei durch die Dummheit eines Kollegen, der zu Bernardinos Freundeskreis gehört hat, geschehen, dass er bei Euch für etwas verdächtig gelte, als ob er über die Dreieinigkeit und Christum nicht ganz korrekt denke. Ich will zu seiner Verteidigung nichts sagen, als einfach berichten, was wahr ist. Da ich zu der italienischen Geistesart meistens kein rechtes Vertrauen habe, sprach ich, als mir Occhino seinen Plan eröffnete, länger bei uns zu bleiben, eingehend mit ihm über die einzelnen Glaubensartikel, und zwar so, dass er irgendeine Abweichung von unserm Glauben kaum hätte verhehlen können. Ich glaubte, erfahren zu haben und, wenn ich irgendwie ein Urteil über solche Dinge habe, es sicher bezeugen zu können, dass Occhino wie in allen andern, so auch in diesem Punkte ganz mit uns übereinstimmt. Nur das habe ich bemerkt, dass er die allzu neugierige Behandlung dieser Fragen, wie sie bei den Scholastikern sich findet, verschmäht; und sicher, wenn wir erwägen, wie weit die lustigen Spekulationen dieser Sophisten sich von der nüchternen, gemäßigten Lehre der Alten entfernen, werden wir nicht anders denken. Dies Zeugnis müssen wir dem frommen, heiligen Manne geben, damit ihn auch bei Euch nicht der Tadel auch nur der geringsten Verdächtigkeit treffe. Denn er ist ausgezeichnet durch seine Geistesart, seine Lehre und sein frommes Leben. – – Lebwohl, im Herrn verehrter Mann. Grüße alle Brüder ehrerbietig, besonders Bullinger, Bibliander und Megander. Der Herr leite Euch alle stets zur Erbauung seiner Kirche.

Genf, 18. April 1543.

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