Landgraf Philipp an Luther und Melanchthon.

Landgraf Philipp an Luther und Melanchthon.

Vnsern gnedigen grus zuuor, erwirdiger vnd hochgelerte, liebe getreuen. Wir stehen in ganz heftiger arbeit, die vnfruntliche irrungen, so sich zwuschen beiden vnsern liben vettern, bruder, sohn vnd geuattern, dem churfursten vnd herczogen Mauritzen zu Sachsen erhalten, vf zimliche vnd gepurliche mittel vnd weg dermassen hinzulegen, damit nit weiter zun waffen geschritten, land vnd leute verderbet vnd also dem euangelio der ort ein vnwiderpringlicher nachtheil zugefuget werde. Aber wir befinden beideteil ganz harthaltig, also dass wir nit ermessen mögen, ob vnd was volge wir bey inen erlangen werden oder nicht. Nun haben wir lauts beiliegender copey vf etzliche mittel, di vns gleichmessig vnd zu hinwegnemung diser irrung dinlichen zu sein beduncken gedacht, dann es vast im grund beiden herrn allein vmb den zug vnd pass durch Wurtzen, wlechen herczog Moritz vnersucht des churfursten frei vnd vnuerspert zu haben vermeinet vnd der churfurst im den nur jure familiaritatis zugelassen gedencket, zu thun ist. Diweil dann dise sach der rede nit wehrd, dass darumb beide chur- vnd fursten so beschwerlich an einander gerathen solten, auch so ganz vil geferlicihen, nit allein beiden iren liebten vnd derselben landen vnd leuten, sondern auch der gantzen vnser christlichen religion vnd derselben verwanten hiruf stehen, wie Ir selbst vernunftiglich zuermessen habt vnd wirs dafur halten, dass vnser lieber vetter vnd bruder, der churfurst Euch beiden als fromen, crhistlichen mennern beuor andern hirin vernehmen möcht, so ist himit an Euch vnser gnedigs begeren, Ir wollet allem fridlichen wesen, auch der ganzen religion vnd landen vnd leuten zum besten, vfs allereilendest an sein liebte schreiben vnd sie zum hochsten bitten vnd ermanen, dass sie dise geuerlichen vntergang vnd augenscheinlich verderben zu gemut fuhren vnd derwegen in diser hochwichtigen sach, dwil die doch nur das zeitlich vnd nit das ewig betrifft, nit zu hart halten, sondern auch ein ezwas nachgeben vnd es zu vngeuerlich disen miteln, so wir Euch hirbei schicken, kommen lassen, das wolten wir Euch also aus getreuer guter wolmeinung in eile nit verhalten, vnd seint Euch mit gnaden wol geneigt vnd gewogen. Datum Oschatz am h. Osterabent Anno 1542.

Philips L. z. Hessen

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefwechsel
Herausgegeben von Dr. C. A. H. Burkhardt
Leipzig
Verlag von F. C. W. Vogel
1866

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