Wolfgang Musculus an die Bürgermeister von Augsburg

Wolfgang Musculus an die Bürgermeister von Augsburg

Musculus an die Bürgermeister Herwart und Seitz, dd. 12. April 1541.

Ernveste f., w., günstige und gepietende herren!

Wie es mich, eh und ich hieher gen Regenspurg von eim ersamen, weisen radt geschickt worden, je und je geahnet hat, also findt es sich jetzund im werck, nemlich daß man das offenlich gesprech in der h. christlichen religiion nit werde lassen auf disem reichstag seinen furgang haben. es haben schon unsere religion-stend kaiserlicher mt. verwilliget, daß man wenig personen solle, die seine mt. dargeben wurde, zusamen setzen, doch daß kais. mt. dieselbigen benenne und sie unserm theil auch onbeschwerlich seien. dieweil man nun, es gang, welchen weg es wolle, das wormbsisch gesprech hett lassen fallen und understanden dise wichtige sach in ain enge zu ziehen, kann ich nit erachten, daß mein gegenwertigkeit allhie weiter möge nutzlich sein. bitte deßhalben, e. f. w. welle daran sein, daß ein erb. radt mich widerumb zu der kirchen haim beruffe, damit ich nit hie vergeblich zeit und weil verzere, sonder, so vil mir Gott verliehen, der kirchen im wort des herren diene, dann ich je nit kann mit gutem gewissen auf dise weis von der kirchen sein, deren ich zur besserung furgestelt bin. wa es aber uber ein zeit darzu keme, daß meiner gegenwertgheit begert wurde, kann ich doch mit der hilf Gottes allwegen zu guter zeit widerumb herab kumen.

Der allmechtig welle e. f. w. in seinen gnaden bestendig zu zu seinem lob und gemeiner statt wolfart erhalten. Geben zu Regenspurg 1541, 12. aprilis.

E. f. w.
untertheniger W. Meißlin

Archiv für Reformationsgeschichte
III. Jahrgang 1905/1906
herausgegeben von Walter Friedensburg
Leipzig
Verlag von M. Heinsius Nachfolger
1906

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