Calvin, Jean – An Viret in Genf

Calvin, Jean – An Viret in Genf

Viret hatte gewünscht, Calvin solle sich vor dem Regensburger Reichstag zur Reise nach Genf beurlauben lassen. Der Brief berichtet sonst von denselben Trauerfällen wie der Vorige.

Vom Leben in Regensburg.

– – Wenn alle meine Briefe, wie ich hoffe, zu Euch gelangt sind, so wirst du nun leicht einsehen, dass ich durchaus weder deinem Rat folgen, noch deinem Eifer um mich zu Willen sein konnte. Denn wenn du sagst, wir würden wohl für ein paar Tage freie Zeit haben, so gebe ich das zu; denn es hat noch nichts hier angefangen. Aber da Zeit, Art und Ordnung der Verhandlung ganz in den Händen unserer Feinde liegen, so müssen wir für jeden Augenblick hier bereit stehen. Dann mussten wir auch Bücher, Kleider und alles Gepäck mit uns nehmen, was von dort aus [von Genf] nicht möglich gewesen wäre. Schließlich glaubst du gar nicht, wie teuer man hier lebt. Wir kommen unserer Stadt für jeden Tag nicht billiger zu stehen als neun Batzen auf den Kopf. Rechne noch einen Diener zu einem von uns, so machts achtzehn Batzen, darin sind die Pferde noch nicht inbegriffen. Da wars doch besser, für eine nicht unermesslich reiche Stadt zu sparen, damit sie nicht vorzeitig und unnütz so ungeheure Kosten habe. Aber am meisten brachte mich davon ab, dass es mir schien, ich dürfe nichts ohne meine Kollegen [Butzer] unternehmen. – Ich schließe, weil ich schon in einem andern Brief an Farel übers Maß hinausgegangen bin, und noch an einen dritten und vierten gehen muss. Lebwohl, bester trefflichster Bruder, mein Herzliebster. Der Herr leite dich immer mit seinem Geist. Grüße mir alle Freunde angelegentlich.

Regensburg, 2. April.
Dein J. C.

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