Balthasar Fontana an Huldrych Zwingli

Balthasar Fontana an Huldrych Zwingli

Es war dieses der Carmelitermönch Balthasar Fontana, der im März 1531 folgendes Schreiben an Zwingli und an die Evangelischen deutscher Zunge richtete: „Heil Euch, ihr theuerste Christgläubige, zu deren frommen Händen diese Zeilen gelangen mögen. Nehmet an, ich sei der arme Lazarus im Evangelio oder jene demüthige kananäische Mutter, die sich nur von den Brosamen, welche von den Tischen der Herren fielen, zu sättigen verlangte. Wie David im Knechtsgewande und unbewaffnet zum Priester kam, so flüchte ich mich zu Euch um des Schaubrodes und um der im Allerheiligsten verwahrten Rüstung willen. Schmachtend vor Durst suche ich die lebendige Wasserquelle und sitze als ein Blinder am Wege und rufe ihn an, der die Blinden sehend macht. Schwach und krank harre ich mit der ganzen Sehnsucht meiner Seele auf baldige Erlösung für mich und für mein Vaterland. Wir bitten Euch daher von ganzem Herzen, die reichen Schätze, mit welchen Euch Christus so freigebig gesegnet, nicht karg uns vorenthalten zu wollen. Kein Rechtdenkender wird die angezündete Leuchte unter einen Scheffel stellen. Nur ein Unsinniger wird das zum Handel anvertraute Talent vergraben. Wir sitzen hier in der Finsterniß und bitten unter Thränen und Seufzern Euch, die ihr die Titel und Verfasser der erleuchteten Schriftwerke kennet (denn Euch ist verliehen, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu vernehmen) uns die herausgegebenen Bücher der von Gott erwählten Lehrer zu senden, die ihr besitzet. Vorzüglich die sämtlichen Werke des göttlichen Zwingli’s, des weitberühmten Luther’s, des scharfsinnigen Melanchthon’s und des sorgfältigen Oecolampad’s. Den Betrag dafür werde ich dem Herrn Landvogt Werdmüller einhändigen. Wohlan denn, ihr Diener des theuersten Königs und der heiligsten Mutter, der Kirche, schaffet nach Kräften, daß eine von Babel in Knechtschaft gehaltene Stadt der Lombardei zur christlichen Freiheit gelange. Wir sind hier zwar nur drei, die sich zu diesem Feldzuge im Dienste der Wahrheit verbunden und verschworen haben. Allein Midian wurde nicht durch die Menge der Tapferen Gideons besiegt, sondern nur durch Wenige, die aber Gott selbst sich dazu erwählte. Wer weiß, ob Gott nicht aus diesem Kleinen, nur unter der Asche glimmenden Funken ein großes Feuer noch anfachen will? Wir wollen säen und pflanzen, der Herr aber wird das Gedeihen schenken. Lebet wohl und glücklich und gedenket unser.“ Locarno, im März 1531. Balthasar Fontana.

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