Luther an den Landgrafen Philipp von Hessen

Luther an den Landgrafen Philipp von Hessen

28.10.1530

Gnad und Friede von Christo. Durchlauchtigster, hochgeborner Furst, gnädiger herr! Ich hab E. f. G. Schrift und etlicher Unterricht in furliegenden Sachen empfangen. Und erstlich, daß E. f. G. begehrt, ein Buchlein zu Trost der Schwachen auszulassen, will ich E. f. G. nicht bergen, daß ich ohn daß gefaßt bin, ein Buchlein in Kurz auszulassen, darin ich den Abschied und ungeschicktes Furnehmen der Fursten rühren will, mit Vermahnung eins jders Gewissen, daß kein Unterthan schuldig sei, wo kais. Maj. wurde drauf beharren, Gehorsam zu leisten, sondern will (so viel meine Feder vermag) vor solchem Gehorsam abschrecken, daß sich niemand soll begeben in solche lästerliche mordische und teuflischen Anschläge, Gott gebe, daß ich viel Frucht damit schaffe, Amen. Dennoch soll es verwahret sein, daß mans nicht mag ufruhrisch schelten.

Zum andern, bin ich hoffend, daß Gott ein Mittel werde treffen, daß umb dieser Sachen willen kein Blutvergießen soll geschehen. So hab ich auch (wo es je dazu kommen wollt, da Gott fur sei!) meinem gnädigsten Herrn, dem Kurfursten, meine Meinung angezeigt, was man thun möge mit der Gegenwehre, welche ahn Zweifel E. f. G. unverborgen sein wird, weil ich doch sehe und merke, daß man einen gemeinen Rathschlag davon haben wird, und mir fährlich, als einer geistlichen Person, solchs schriftlich darthun, aus vielen Ursachen.

Und bitte, E. f. G. wolle sich nicht befrembden, daß wir in etlichen Stucken uns mehrmals erboten, als mit Fasten, Feiren, Speisen und Gesange anzunehmen, denn wir wissen doch, daß sie es mit solcher Maaße nicht annehmen können, und dient uns dazu, daß wir unsern Glimpf desto hoher heben, und ich in meinem Buchlin ihren Unglimpf desto gewaltiger treiben moge. So ists uns auch ein Fehler, wo es schon wurde dermaßen angenommen. Hiermit Gott befohlen, Amen.

Aus Torgau, am Tage Simonis et Judae 1530.

E. f. G. williger Martinus Luther

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Achter Band.
Briefe vom Juni 1530 – April 1531
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1898

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