Philipp Melanchthon – An Martin Bucer

Philipp Melanchthon – An Martin Bucer

23.7.1530

Brentius hat mir den Innhalt euerer mit ihm gehabten Unterredung angezeiget; ich hätte auch keine Beschwerung mit euch gegenwärtig zu reden, wenn ich jetzund nicht durch andere Geschäfte gehindert würde. Denn ihr sollts gewißlich dafür halten, so ich etwa eure Lehr nicht allerding für recht halte, daß ich gleichwol ohn alle Verbitterung und ohne Haß anderer Meynung bin. Mich dünket, es sei weder dem gemeinen Besten zuträglich, noch meinem Gewissen zu rathen,  daß ich unsere Fürsten mit euerer verhaßten Lehre beladen sollte, die ich weder mir selbst noch andern für recht und wahrhaftig darthun kann, als die wider der ganzen Kirchen Zeugniß ist. So fern ihr aber schriftlich mit mir conferiren wollet, so sollt ihr gewißlich wissen, daß ich euere Briefe also verwahren will, daß euch keine Gefahr daraus entstehen soll.

Zwinglius hat ein Bekenntniß hergesandt, darinn er wahrlich nicht will angesehen seyn, daß er allein mit Worten anders lehre, denn wir. So rumoret er ohne Noth auch in andern Artikeln. Es scheinet, daß mehr ein Schweitzerischer, dann ein Christlicher Geist sey, der ihn eine solche trostzige Bekenntniß zu schreiben angetrieben hat. Ich wollte ganz gerne, daß der Streit von des Herrn Abendmahl könne beygeleget und gestillet werden. Und will, so ihr hievon mir etwas schreiben wollet, gern antworten. Datum den 23. Julii.

Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften.
Siebzehenter Theil.
Johann Georg Walch
Halle im Magdeburgischen
Druckts und verlegts Joh. Justinus Gebauer

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