Brenz, Johannes – An den Rat zu Hall (23 Juli 1530.)

Brenz, Johannes – An den Rat zu Hall (23 Juli 1530.)

Erbar und weys hern. Gottes Gnad durch seinen Sun Jesum Christum sampt meinem underthenigen willigen dienst zuvor. Gunstig lieb Hern. Es haben auss bevelh e. w. mein zwen gunstig Hern, die Statmaister, so von e. w. hieher gen Augspurg auff den Reichstag gesandt seyen, mein gutbeduncken begert, wes sich e. w. gegen dem kunfftigen abschied dises gegenwurtigen Reichtags in dem artickel unsern hailigen Cristenlichen glauben belangendt gepurlich und cristenlich halten sol. Hieruff gib ich e. w. auss schuldigem gehorsam nach vermog meins geringen verstands zuerkennen, das auss der gnad und Barmhertzikait Gottis, angesen sovil ernstlicher und hertzlicher furbit und flehen, das teglich in den cristenlichen kirchen allenthalben fleyssig geschieht, auch gotlicher bestendikait deren fursten und Stet, so sich der bekantnus des glaubens der kay. M. ubergeben, auch e. w. vor diser zeit von meinen gunstigen hern den Stetmaistern zugestelt, wol zuverhoffen ist, es werde ein gnediger abschied gefallen, Den jm unser Hergot, der des konigs hertz, wie geschriben stet, in seiner handt hat und zeucht es wohin er wil, guter zuversicht aberbieten und ergreinen lassen wurt, Ob wol der lewt sund und undanckbarkait ain anderst verdient hat. Idoch ist auch auss menge und gewalt der widersecher des Evangeliums und auss gegenwurtiger beswerlicher handlung, so kay. M. unangesehen des gnedigen aussschreybens gegen den Cristenlichen Fursten und Stenden furnimpt, zuvermuten, der abschied wird dahin gelangen, das man furohin biss auf ein Concilium. so vileicht nimermer wurt, alle Evangelische predig abstellen und die Bapstlichen kirchen gebreuch widerumb auffrichten sol. Nun ist wol zuerachten, das hierin ein unglaubiger weltmensch jm selbs bald geraten hat. Dan dieweyl Er sein Datum in disse welt setzt und acht des glaubens und des zukunfftigen gottes Reich nit hoch oder vil, so gilt es jme gleich, er vergonne warhait oder lugen zupredigen, recht oder unrecht gebreuch in seinen kirchen auffzurichten, wurt sich auch dero sach halben mit keiner ungnad seins weltlichen hern und nachtail seins zeitlichen guts beladen. Aber gesetzt, wie es auch die recht grundtlich warhait ist, das die Evangelisch predigt, wie sie genant wurt und biss hieher an vil orten teutscher Nation gepredigt ist worden, im grund also sey, und der abschied des itzigen Reichstag solt die selb warbait verbieten: So kan ain igklicher verstendiger selbs wol ermessen, was nachtails nit allein vor got und an der sel selikait, sonder auch vor der welt seins guten ruffs und Namens halb einem solchen entsten wurde, der erstlich die gotlich warhait zugelassen und angenomen het, und darnach dieselb auss verbot eins weltlichen hern verleuckeln und verdamen helffen wolt. Ich gedenck, ein weyser haid, der schon kein rechter grundtlicher crist were, so jm ain solcher fal begegnet, und wolt doch seiner sel nicht achten, der wurd doch seins namens und guten Rufs vor der welt verschonnen, Auch alle gepurliche rechtmessige mitel suchen, wie er sich des unbillichen verpot gegen seinem weltlichen Hern entschultet. Darumb kan und wais Ich E. W. als ein ungeschickter prediger in diser sach nichts anders zuraten, dan das e. w. so ein abschied gefiel, der die warhait gotlichs worts verpieten wurde, den selben abschied nicht anneme noch darin bewillig, Sonder dawider protestire und auff ein kunfftig Concilium appellire mit dem fursatz, der Ro. kay. M. als naturlicher Oberkait mit gwalt nimermer zuwidersten. Dan hiemit wurd e. w. vor unserm Herr Got als cristen besten und wurde doch gemeine Stat auch die unrechten cristen, so in der Stat wonnen, in kein gevar oder nachtail jrs leips und guts gesetzt. Es ist ye protestiren und appelliren ein gotlich rechtmessig mitel von allen Rechten vergondt and erlaupt, das sich darmit ein beschwerter vor unbillichem urtail und Mandaten seins Oberherrn gotlich behelffen mag. So ist auch kay. M. kein Richter in den sachen des glaubens, sonder wan man ye menschlich darvon reden wil, so gehorn dieselben sachen fur ein gemein frev cristenlich Concilion. Daruff dan sich kay. M. durch jr gesandten und Oratores uff allen Reichstaegen bisshieher zu Nurnberg and Speyer gehalten selbs gezogen hat, auch nie nichts in den Sachen des glaubens erortern wollen, sonder alwegen auff ein Concilium geschoben. Das demnach in der handlung den glauben belangend protestirn und appellirn von dem kaiserlichen abschied auff ein Concilium ein erlaupt gotlich mitel ist, des sich ein ider Stand des Reichs billich gebrauchen mag. Nemlich auch der ursach halb, da sich kay. M. erster erwelung gegen den Stenden des Reichs verschriben hat, sein M. wolle jden Stand by Recht lassen pleyben und dartzu das Recht (wie dan appellirn auch ein stuck des Rechts ist) handthaben und beschirmen. So aber kay. M. der appellation kein stat noch raum wolt geben und fure fort mit der acht und aberacht und thatlichem krig (das doch kay. M. von Rechts wegen ist geboten wurde, und must auss einem tirannischen gemut volgen, welchs by itzger kay. M. in kein weg gespurt mag werden: Alsdan wurde es e. w. gepuren, kay. M. underthenigklich zuverstendigen and anzuzaigen, das e. w. gemut und meynung gar nit dahin gericht sey, seiner M. mit gewalt zuwiderstreben, Sonder dieweil e. w. die erkante warhait nit verleugnen ken, wolle sie leiden, das kay. M. jr itzige prediger und pfarer vertreybe, andere verordne und in der kirchen auffricht, was Ir M. gefellig sey. Hiemit wurd freylich gemein Stat in kein gevar gesetzt, sonder allein die prediger und die Ihenigen, so der predig gelaupten und wollten auff dem selben glauben verharren. Es soll auch also zugen, das das bad von des Evangeliums wegen nicht uber ein gemein landt oder Stat, Sonder uber die prediger und bestendigen glaubigen, dero alweg der geringst tail in einem flecken erfunden werden, aussgen sol. Dan X aol ein igklicher Crist glauben seinem nachpawer on schaden. Es sagt auch Cristus, da die Juden jn fingen: Wan jr mich suchent, so lasst disse (vermeint aber seine Junger) ledig gen. Es sol aber nit gedencken, das sie in disem fall von wegen gemeiner Stat protestire und appellire, dan wer wolt von des glaubens wegen fur boss leichtfertig buben oder schon erber doch unglaubig lewt, dere man alwegen vil in einer gemein Stat findt, protestirn. Sonder e. w. protestirt fur jr selbs person, wie sie jr underthon regirn wolle; gefellt dasselb kay. M. nicht, so mag jr M. disse person, so dem Evangclion glaupt, des ampts entsetzen und ein andern dabin verordnen, das doch hirin gemeiner Stat kein uberlasst beschicht. Das hab ich e. w. undertheniger meynung nit verhalten wollen, Unsern Herrn got bittend, das er E. W. sein gnad verleyhe hirin zuhandeln, was gotlich und Cristenlich ist. Dan E. W. und jrer underthon hail sol mir liber sein und hoher erfrewen, dan alles zeitlich gluck und gut, so mir in disser zergengklichen welt zusten mocht. Hiemit bevilh Ich mich E. W. die got in langwirigem Regiment friste. Amen. Datum zu Augspurg am tag Marie Magdalena Anno XXX.

Quelle:
Anecdota Brentiana Ungedruckte Briefe und Bedenken von Johannes Brenz. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Th. Pressel, Archidiaconus in Tübingen. Tübingen, 1868. Verlag von J.J. Heckenhauer.

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