Melanchthon an Luther.

Melanchthon an Luther.

Wiewohl wir gestern einen eigenen Boten an Euch geschickt, daß wir uns bei Euch unsers Stillschweigens halben entschuldigten; jedoch weil Hornung heutiges Tages verreisen wollte, haben wir wiederum geschrieben, daß wir keine Gelegenheit, Briefe an Euch zu senden, versäumten. Ich kann nicht sagen, wie hoch wir durch M. Veit s Brief betrübt sind worden, der uns angezeiger, wie Ihr so heftig zürnet, daß wir bisher nicht oft genug sollen getrieben haben. Nun ist uns auf keine Zeit Eures Raths und Trostes höher von Nöthen gewesen, als jetzund, da wir in den allergefährlichsten Sachen Euch, als unserm Haupt, bisher gefolgt. Derohalben bitte ich Euch um die Ehre des Evangelii willen, Ihr wollet Euch unser annehmen. Christus hat sich in, Schifflein, das in Nöthen war, lassen aufwecken. Nun sind wir hier wahrlich in viel größerer Gefahr, in welcher uns allesammt nichts Weheres widerfahren könnte, denn wenn Ihr uns verließet. Ich darf hiervon gegen D. Brück nicht klagen, daß ich ihn nicht höher betrübe. Bisher; ist’s uns noch so gegangen, daß wir viele Zeit mit Weinen haben zugebracht. Derohalben dürft Ihr nicht gedenken, daß wir Eurer als des Ulysses Gesellen, aus Wollust hätten vergessen; haben auch oft geschrieben, welches wir wahrhaft beweisen können.

Unsere Confession ist dem Kaiser übergeben, haben auch ein Exemplar Euch gesendet, welches Ihr bei Euch behalten werdet, daß es nicht auskomme. Denn der Kaiser hat’s verboten, auszusprengen. Ich habe Euch zuvor geschrieben, Ihr wollet mir, so es von Nöthen wird sein, anzeigen, wie viel wir den Widersachern nachgeben können. Die Sachen sind zuvor, wie Ihr wisset, berathschlaget, aber wenn es zum Treffen kommt, so findet sich es allerwegen anders, als vorhin bedacht ist. Von der Privatmesse halte ich, wird der größte Streit sein. Ich weiß aber noch -nichts Gewisses. Faber, Eck, ja auch etliche Fürsten, trachten nur nach einem Kriege. Gott zerstreue die Gedanken der Völker, die da gerne kriegen! Hiemit Gott befohlen und betet für uns. Gegeben den 27. Junii.

Quelle:
Philipp Melanchthon's Werke, in einer auf den allgemeinen Gebrauch berechneten Auswahl. Herausgegeben von Dr. Friedrich August Koethe Erster Theil Leipzig: F.A. Brockhaus 1829

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