Luther an seine Ehefrau

Luther an seine Ehefrau

Meiner herzlieben Hausfrauen Katherin Lutherin zu Wittenberg zu Handen.

Gnad und Friede in Christo. Liebe Käthe! Ich hab, acht ich, deine Briefe alle empfangen. So ist dieß der vierte Brief, den ich dir schreibe, seit daß Er Johann von hinnen zu dir gangen ist. Lenchen Conterfeyt hab ich mit der Schachtel auch. Ich kannte das Hürlin zuerst nicht, so schwarz deucht michs sein. Ich halte, wo du es wilt absetzen von wehnen, daß gut sei, weylinger Weise, also daß du ihr zuerst eines Tages einmal abbrechest, darnach des Tages zweimal, bis also säuberlich abläßt. Also hat mir Georgen von Grumpachs Mutter, Frau Argula gerathen; die ist hier bei uns gewest und hat mit mir gessen, Hans Reinicke von Mansfeld auch, und George Römer, daß wir müssen an einen andern Ort, es will zu gemeiner Wallfahrt hieher werden.

Sage Meister Christannus, daß ich mein Tage schändlicher Brillen nicht gesehen habe, denn die mit seinem Briefe kommen; ich kunnt nicht ein Stich dadurch sehen. So ist mir auch der Brief an Cuntzen Vater nicht worden, auch bin ich nicht zu Coburg; kann ich aber sonst dazu thun, will ichs nicht lassen. Du sollt aber gleichwohl deine Briefe dem Kastner lassen zustellen, der wird mir sie wohl schaffen.

Man beginnt beide zu Nürenberg und Augsburck zu zweifeln, ob etwas aus dem Reichstag werde. Der KAiser verzeucht noch immer zu Insprug. Die Pfaffen haben etwas fur, und gehet mit Kräutern zu, Gott gebe, daß sie der Teufel bescheiße, Amen. Laß den Herrn Pomer den Brief an D. Wencels lesen. Eilend, der Bote wollt nicht harren. Gruße, kusse, herze und sei freundlich allen und jber nach seinem Stande. Am Pfingstag fruhe. 1530.

Martin Luther

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Siebenter Band.
Briefe vom Oktober 1528 – Juni 1530
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1897

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