Luther, Martin – An den Kurfürsten Johannes. 1530

Luther, Martin – An den Kurfürsten Johannes. 1530

Martin Luther, 1530 aus Coburg

Dem Durchleuchtigsten, Hochgebornen Fursten und Herrn, Herrn Johanns, Herzogen zu Sachsen und Kurfursten, Landgrafen in Thuringen und Markgrafen zu Meissen, meinem gnädigsten Herrn.

Gnade und Friede in Christo unserm Herrn. Durchleuchtigister, Hochgeborner Furst, gnädigster Herr! Ich hab M. Philippsen Apologia uberlesen: die gefället mir fast wohl, und ich weiß nichts dran zu bessern, noch ändern, wurde sich auch nicht schicken; denn ich so sanft und leise nicht treten kann. Christus, unser Herr, helfe, dass sie viel und große Frucht schaffe, wie wir hoffen und bitten, Amen.

Auf die Frage:

Wo K. M. begehren wurde, dass E. K. F. G. sollten mit Predigen stille halten lassen, ist nach, wie vormals, meine Meinung, dass der Kaiser ist unser Herr, die Stadt und alles ist sein; gleichwie man E. K. F. G. zu Torgau nicht sollt widderstreben, wo sie begehrten odder schafften, als in ihrer Stadt, dass man dieß odder das lassen sollte. Wohl mocht ich, wo es seyn wollt, gern sehen, dass man mit guten fuglichen Worten und Weise K. M. Begier und Furnehmen kunnte wenden mit Demuth, dass S. K. M. nicht so unverhoret das Predigen verbotte, sondern ließe doch zuvor jemand zuhoren, wie man predigte. Es sollt ja K: M. nicht die lauter klare Schrift zu predigen verbieten, weil man doch sonst nicht aufruhrisch noch schwärmerisch predige. Will das nicht helfen, so muß man lassen Gewalt fur Recht geben. Wir haben das unser gethan, und sind entschuldiget.

Solchs habe ich E. K. F. G. auf diese Frage wissen unterthäniglich zu antworten. Der barmherzige Gott sey mit E. K. F. G. durch seinen heiligen trostlichen Geist, Amen. Am Sonntag Cantate, Anno 1530.

E. K. F. G.

Unterthäniger

Martinus Luther.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefe, Sendschreiben und Bedenken, vollständig aus den verschiedenen Ausgaben seiner Werke und Briefe, aus andern Büchern und noch unbenutzten Handschriften gesammelt, kritisch und historisch bearbeitet von Dr. Wilhelm Martin Leberecht de Wette, Professor der Theologie zu Basel Vierter Theil. Berlin, bey G. Reimer. 1827.

Kommentare sind geschlossen.