Luther, Martin – An Margaretha N., vom 15. Dezember 1528.

Luther, Martin – An Margaretha N., vom 15. Dezember 1528.

Gnade und Friede in Christo. Ehrbar, Tugendsame Frau, es hat mich euer Sohn N. berichtet des Jammers und Unfalls, so euch zugestanden durch euers lieben Herrn Abgang; davon ich bewegt bin aus christlicher Lieb, diesen Trostbrief zu schreiben.

Erstlich soll euch das trösten, daß in solchem schweren Kampf, darin euer Herr gestanden ist, dennoch zuletzt und endlich Christus obgelegen und gewonnen hat. Zudem, daß euer Herr ist zuletzt mit Vernunft und christlichem Erkenntniß auf unsern Herrn verschieden, welches ich selbst aus der Maßen gern und fröhlich gehört habe. Denn also hat Christus selbst im Garten auch gekämpft, und ist dennoch zuletzt obgelegen, und von den Todten auferstanden.

Daß aber euer Herr sich selbst verletzt, kann sein, daß der Teufel der Glieder mächtig ist, habe seine Hand also mit Gewalt geführet wider seinen Willen. Denn wo ers mit Willen gethan hätte, wäre er freilich nicht wider zu ihm selbst kommen, und zu solchem Bekenntniß auf Christum bekehrt. Wie oft bricht der Teufel Etlichen Arm, Hals, Rücken und alle Glieder? Er kann des Leibes und der Glieder wohl mächtig sein, ohne unsern Willen.

Darum wollet und sollet ihr euch in Gott zufrieden geben, und euch zählen unter den Haufen, davon Christus . saget (Matth. 5, 4.): Selig sind die da Leide tragen, denn sie sollen getröstet werden. Es müssen alle Heiligen den Psalm singen (Ps. 44, 23.): Wir werden um deinen Willen täglich getödtet, und geacht wie die Schlachtschafe. Es muß Leid und Unglück sein, sollen wir des Trostes theilhaftig sein.

Danket auch Gott für solche große Gnade, daß euer Herr nicht ist im Kampf und Verzweiflung blieben, wie Etlichen geschieht, sondern durch Gottes Gnade mächtiglich herausgerissen, und in christlichem Glauben und Wort endlich erfunden, von welchen gesagt ist: Selig sind, die im Herrn sterben. Und Christus selbst, Joh. 11, (6.): Wer an mich gläubet, ob er gleich stürbe, soll er doch leben. Hiemit tröste und stärke euch Gott der Vater in Christo Jesu, Amen. Zu Wittenberg, Dienstag Luciä, Anno 1528.

Martinus Luther.

Quelle:
Luthers Volksbibliothek Zu Nutz und Frommen des Lutherschen Christenvolks ausgewählte vollständige Schriften Dr. Martin Luthers, unverändert mit den nöthigen erläuternden Bemerkungen abgedruckt. Herausgegeben von dem Amerikanischen Lutherverein zur Herausgabe Luther’scher Schriften für das Volk Siebenter Band St. Louis, Mo. Druck von Aug. Wiebusch u. Sohn. 1862

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