Oekolampad, Johannes – An Zwingli (1526)

Oekolampad, Johannes – An Zwingli (1526)

Basel, d. 12. Juni 1526

Gnade und Friede von Christo, mein Bruder. Wir kamen gesund nach Hause, unter großer Erwartung und Begrüßung aller Frommen. Ich fürchte aber, es möchte etwa eine Freude von Stunden sein, und Satan sie in Traurigkeit verkehren. Unsere Versammlungen wurden noch nicht verboten, was bei dem Abgang der Schweizer die Häupter den Legaten aufgetragen haben sollen. Christus ist zu bitten, daß er die Seinen nicht verlasse, und in Bälde den Satan unter die Füße trete. Ich danke Dir für die häufigen Zuschriften und Grüße in Baden, durch welche mich der Herr nicht wenig erfreuete und befestigte. Die Gesandten der Basler konnten keine Abschrift der Disputation erlangen, was den Meisten hier äußerst unangenehm ist. Dieses Schreiben fand ich daheim. Urbanus gibt die Freundschaft noch nicht auf.

Lebe wohl.

Dein Oecolampadius

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’S Verlag.) 1862

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