Brenz, Johannes – An Antonius Hofmeister

Brenz, Johannes – An Antonius Hofmeister

d. 16. März 1525

Dem Ersamen vnnd Achtbarn Anthonio Hoffmayster, meynem günstigen Herren, und Bruder in Christo Jhesu.
Johann Brentz, Ecclesiastes zu schwebischen Hall.

Gnad vnnd Fried von unserm herren Jesu Christo Amen. Ich bin nit sonderlich lustig vil meyner Predig, durch den Truck an tag zu stellen, nicht das ich mich der vnwahrheit besorg, oder dz liecht schewhe, dann ich gewyß bin, das iich Christum Jhesum, vnd den selbigen gecreutzigten, leere, Auch leyden mag, das ain yetweder von Gott geleert meyne Predig vrtayl, Sondern das geleerter vnd höher begabte, dann ich bin, beruffen seyen, das Evangelion offenlich durch den Truck zu handeln. Würde ich doch auß nott gezwungen, dise Predig von gehorsam der vnderthon gegen jrer Oberkait, lautendt, an das liecht zu geben. Dann demnach ich ain zeytlang von Christo vnnd Christenlicher freyheit (wölche besteet in erlößung von sünden, anfechten, todt, hell, vnd der gleychen) gepredigt, Vnd aber in nechst verschyner zeyt, kurtzlich anzaigt, wie Christenliche freyhait ain rechte gehrosam in ainem Christen, gegen Gott seynem HERREN, vnd seynem nächsten, Oberkait oder vnderthon, würcke. Hab ich wol erfahre, das, das creutz der leybliche gehorsam, dem flaysch nit fast wol schmeckt, vnd yn zu schwer sein will. Ja vil vnuolkommenner von dem wort abschreckt. Man möcht gleychwol Christum hören vnd folgen all weyl der die Phariseern schildt, vnnd in der wüste speyßt, man were auch dazumal lustig jn zu ainem Künig erwölen. Johan. 6. Aber wann er seyn flaysch will zu essen geben, vnd im schwayß vnder dem Creutz daher tritt, da ist die freundtschafft auß da kendt man jn nymmer meer, Es will ya das flaysch, an Christo, an dem Evangelio, an der Christenlichen freyhait nichts anders suchen, dann wie seyn art vnd natur ist, Ich kan auch fast wol mercken, das dem flaysch nyemand Euangelisch predigt, er sprech dann, schlag todt, gib nyemandt nichts, sey frey, biß nit gehorsam. Wolan gott erleucht vns alle, es thut zu diser gefärlichen zeytt vnns seyner hilff fast schier nott, dann ob er wol auß lautter gnad vnd schecnk das liecht seyns worts eröffnet hatt, vnd Christum an tag gestellt, Ist er wol noch so vermüglich, das er es von vndankbarkait wegen, widerumb auß vnsern augen reyß vnd (wie vormals) verheele. Damit aber ich mein gemüt gegen euch meinem freuelichen herren, vnd brüder in Christo erzaygt, hab ich dise predig euch zugeschickt, fleyssig biettendt, wöllend sy guter Christlicher maynung nach von mir annemen. Der Fryd Christi sey mit euch alweg. Amen. Datum zu Hall. 16. Martij. Anno Domini 1525.

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