Aus einem Brief des Franz Kolb an Martin Luther

Aus einem Brief des Franz Kolb an Martin Luther

Brief vom 28.8.1524 aus Wertheim

Ich will Dir mein Verfahren schildern, verbessere Du die Unwissenheit, die ich gerne bekenne; an großem Eifer wenigstens fehlt es mir sicherlich nicht. So lange man nicht des Erlösers Worte einfach und ganz allein gelten läßt, gibt es für die Evangelischen keine Einigkeit. Darum unterlasse ich, nach gehaltener Preidgt, die bisher gebräuchlichen Zurüstungen zum heiligen Abendmahl, trage das Sündenbekenntniß, das Vater Unser und das christliche Symbol: Ich glaube an Gott u.s.w. – in deutscher Sprache vor, während ich vor dem Altar knie. Dann stehe ich auf, weihe blos mit Jesu eigenen Worten Brod und Kelch, und theile sie meinem Kaplan und den übrigen Brüdern und Schwestern mit. Nach der Kommunion halte ich noch eine kurze anrede an das Volk, damit es mit Danksagung gegen Gott von dannen gehe. Was ferner die Taufe betrifft, so fordere ich dabei zuerst die Anwesenden auf, mit mir die Knie zu beugen, und das Gebet des Herrn zu beten; dann spreche ich das Glaubensbekenntniß, ermahne sie, das Kind seiner Zeit christlich zu erziehen, und nachdem ich die Pathen gefragt, wie es heißen solle, spreche ich: N. N. ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen.

Zwingli, Leo Judä und ich haben uns für die bildliche Erklärung dieser Worte entschieden, so gut als sie da stattfinden muß, wo Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock. Auch versichert ja das Evangelium, das Fleisch sei nicht nütze, nur der Geist mache lebendig.

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