Jonas, Justus – An den Churfürsten Friedrich von Sachsen.

Jonas, Justus – An den Churfürsten Friedrich von Sachsen.

Wittenberg, 24. Aug. 1523.

Durchlauchtigster rc. Es darf keines Menschen oder keiner Creatur im Himmel oder auf Erden Urtheils, sondern wir sind’s je gewiß, Gott Lob, daß wir das lautere Wort Gottes und Evangelium haben, wie es der Herr Christus selbst geprediget, wie es Petrus und Paulus selbst geprediget und geschrieben haben, und sind je durch die Gezunge 1) hebräisch und griechisch, die Gott dazu eröffnet, wiederum zu klaren, einfaltigen, gewissen Verstand der Schrift kommen. Wem nun Gott gibt, das Wort rein zu hören, vielmehr wenn er es im Herzen erweckt, dem hat er wahrlich ein Großes gegeben. Denn es ist ein hoher theurer Schatz, dadurch Gott seine Erkenntniß, Geist und alle geistlichen Gaben und Verstand in die Herzen gibt. Darum so preiset Paulus dasselbe so groß und hoch im Eingang aller seiner Episteln, als 1. Cor. 1: „ich danke meinem Gott allezeit eurethalben, daß ihr seid durch ihn an allen Stücken reich gemacht an allerlei Wort und in allerlei Erkenntniß;“ und in Philippern auch am ersten: ich danke meinem Gott in alle eurem Gebet für euch, und thue das Gebet mit Freuden, daß ihr kommen seid in Gemeinschaft des Evangelii. Handelt nun würdiglich dem Evangelio, und lasset euch in keinem Weg erschrecken von den Widersachern. Ja schwer ists zugegangen allezeit in der Welt, die reine Lehre und das Evangelium aufzubringen, und wie wir öffentlich sehen am Apostel Paulo, daß er heftig wider falsche Lehre hat fechten müssen, ehe er das Evangelium in einem Volk hat aufbracht, also hat er nicht weniger kämpfen müssen, wenn es etwas aufbracht war, daß es falsche Lehrer nicht wieder unterdrückten. Denn unser Herr Gott und das Evangelium ist ein Gast in der Welt; der Teufel ist Wirth, Herr und Fürst der Welt, als ihn die Schrift nennet Joh. 12, 14. u. 16. und Ephes. rc. Das erscheinet auch daran wohl, daß sogar Gottes Sachen die Welt verachtet, und daß sein Regiment so stark in der Welt bei den Gottlosen gehet. Darum auch bald, wenn das Wort Gottes hervorgucket, brauchet der Satan seine Kraft, und alles, was hoch, klug, reich, gewaltig, fromm und nach Vernunft heilig ist, reizet er darwider, und fleißigt sich sonderlich, daß sein Anschlag einen Schein und Heiligkeit oder je eine schöne, hohe, seine Vernunft haben, also daß er aller Welt nicht ungleich ist, seine Anschläge und Tücke ohne den Geist Gottes zu merken oder verstehen; denn er verstellet sich oft zum Engel des Lichts 2. Cor. 11. Derhalben Röm. ult., da der Apostel von seiner, des Satans, höchsten Kunst, den Menschenlehren und Heiligkeiten gewarnet hat, und abermal angezogen, daß er sich freuet ihres Gehorsams und Zunehmens am Evangelium, wünschet er ihnen und saget: der Gott des Friedens zertrete den Satan unter eure Füße in Kurzem.

So denn das Evangelium einen solchen starken Widersacher hat in seinem Aufkommen, Mittel und Ende und eines großen göttlichen Verstandes bedarf, daß es eine kleine Zeit hervorblicket, so danken wir billig Gott über seiner unaussprechlichen Gabe alle, denen da widerfähret, das Evangelium lauter und rein zu hören. Denn Christus hat selbst gesagt, es wird die Zeit kommen, daß ihr werdet begehren zu sehen einen Tag des Menschensohnes, das ist das Evangelii, und werdet ihn nicht sehen. Wie nun der Apostel seine Lehre und das Evangelium als einen großen theuern Schatz allenthalben lobt, also warnt er auch aufs fleißigste, daß man sich je vor Aergerniß, sonderlich vor Aergerniß, das der Lehre stracks entgegen sei, hüten wolle: damit man die reiche Gottesgnade nicht umsonst empfahe, 2. Cor. 6 und Phil. 1 allein handelt nur würdiglich dem Evangelio.

Die Apostel vermahnen nichts so heftig, als das, daß man das Wort Gottes treibe, und dasselbige treulich lauter und rein stets predige, lehre, vermahne. Sie haben wohl gesehen als geistliche Leute, daß hier in des Teufels Reich dasselbe unser Schwert ist, Eph. 6. Also haben auch alle Propheten, als Jerem. 7 ein Exempel ist, von Vertrauen des äußerlichen Gottesdiensts aufs Wort Gottes und das Gesetz, das durch den Glauben erfüllet wird geweiset.

Ob auch gesagt würde, wir wären der kleinste Hauf der Christenheit, so hat doch dem Evangelio allezeit der kleinste Haufe angehangen, und wird auch wohl so zugehen bis zum Ende der Welt, und soll darum die göttliche Wahrheit nicht verachtet werden. Denn wenn man lange umgehet, so muß doch ein jeder in seinem Herzen inwendig durch den heil. Geist dessen gewiß werden, daß er sprechen könne, das ist Gottes Wort und Wahrheit und anders, wenn gleich Kaiser, Könige und alle Engel dawider wären. Sonst würd er in der Todesstunde, wenn er’s von dem Teufel erhalten soll, nicht bestehen. Also war Noah Genes. 6, 7, obwohl die ganze Welt wider ihn und seine Predigt war, und sein spottete, in seinem Herzen durch den Glauben gewiß, daß seine Predigt Gottes Wort wäre. Es muß vor der Vernunft klein und gering Ansehen haben, wodurch unser Herr Gott will was ausrichten. Welche mächtige große Werke hat Gott gethan durch den einigen Menschen Paulum! Welch groß unbegreiflich Werk bei der Vernunft hat er durch Mosen hinausgeführt!

Es ist nicht zu denken, daß man forthin zusehen wolle, bis daß die Höchsten und Größten in der Welt und der meiste Haufe diese Lehre annehme. Gottes Werke sind wunderlich, vielleicht steht es jetzt am höchsten. Alle Werke Gottes gehen gern also, wenn sie im Schwange gehen, so achtet ihrer niemand; wenn sie vorüber sind, so wird man ihrer erst gewahr. Ist das Wort das reine lautere Evangelium, wie es denn ist, so wird’s nicht also zunehmen, daß ihm der größte Haufe zufalle, sondern die ihm jetzo noch ernstlich anhangen, werden ihm noch ein Theil abfallen, wie Paulo widerfahren ist, 2. Tim. 1: Du weißest, daß sich von mir gewandt haben alle, die in Asia sind. Gott danke dem Hause Anesiphori, denn er hat mich oft erquicket, und hat sich meiner Ketten nicht geschämet. Und wird also (das Wort Gottes) zunehmen, wie es pfleget; nicht, daß es nach Vernunft in dieser Sache friedlicher werde, sondern daß die, so ihm anhangen, darum also mehr und mehr Verfolgung haben werden, eben wie Paulus Phil. 1 sagt: ich lasse euch wissen, das, wie es um mich stehet, das ist mir mehr zur Förderung des Evangelii gerathen, also daß meine Bande und Gefängniß ruchtbar worden sind in dem ganzen Rathhause und bei jedermann, und viel desto durstiger worden sind, das Wort zu reden ohne Scheu. Ja, also muß (das Wort) zunehmen, und daß (es) anders gehe, da sei Gott vor. Denn die Welt pflegt unsern Herr Gott mit seinem Evangelio nicht anders zu empfahen. Denn es wird doch endlich allen, die bei Gottes Wort halten wollen und das bekennen, nicht anders gehen, denn wie es den frommen Königen, Propheten und sonderlich David gegangen ist; Jetzund erschreckt ihn Gott aufs Aeußerste, jetzund warf er ihn darnieder, jetzund weckt er ihn wieder auf; daß Gott uns also lehre, wie gar überall nicht nach Vernunft, sondern im Glauben seine Sache und Wort will erhalten sein. Und also hat David im 117. Psalm seine Verlassenheit fein ausgedrückt.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’S Verlag.) 1862

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