Amsdorf, Nikolaus – An Georg Spalatin

Amsdorf, Nikolaus – An Georg Spalatin

Über die aus dem Kloster Niemptschen entflohenen Nonnen, für die Spalatin Fürbitte beim Kurfürsten einlegen soll. (Bruchstück)

1. April 1523

Es seind nich allein Neun sonder zwolff Nunnen außgetreten. Neun seind zu vns kummen Seind schon, feyn und alle vom Adel, under welchen ich keyn funfftzig jerige find. Die eldiste unter In, meins Gnedigen Hern und Ohemen Doctor Staupitz schwester hab ich dir mein lieber bruder zugerechenth zu eynem eelichen gemaheln, damit Du dich mügst eyns solchen schwagers berümen als ich mich eins solchen Ohemen berüm. Wiltu aber ein jüngere haben so soltu die wal vnder den schonsten haben.

Vnd wenn du armen wilt etwas geben, so geb es Inen. Dann sie seind ja arm elende und verlassen von irer freuntschafft.

Mich erbarmt der metzen. Sie haben wider schuch noch cleyder.

Mein liebster bruder ich bitt dich ob du kuntest von dem hofadel etwas fur sie erlangen, sie mit kost und claydung zu versehen. Du woltest vleis haben, dann sie seind in großer armut und angst gantz geduldig. Warlich mich nymbt wunder das sie so geduldig und frolich seind in so großer widerwertickeit und armut.

Und wenn du für sie von unserm gnedigsten Hern auch kuntest etwas zuwegen bringen, da thustu ein wunder Cristlichs werck an.

Es seind etliche under Inen, die wollen zu ir freuntschafft nicht wider wenn sie gleich von ir erfordert wurd, darumb das sie in Hertzog Jorgen Land musten des gotlichen worts mangel haben. Darumb wollest diser erbarn meydlen vorbitter am hof sein.

Von unserm Vatter Doctor Martinus hab ich nicht mügen erlangen das er doheym bliben wer. Er hat auch wider philippum noch mich horen wullen Sondern uns dise Antwort geben. Ich kan nicht beleydigt werden. Ich will mich mit gebet bewapen und wenn es von noten sein würd, so will ich sicherlich einst ein wundertzeichen thun. Und lacheth dortzu. Domit schlug er uns unser anschlag und bedencken zuruck. Es werden wenig Lection versaumt. Dann wir wollen bald wider kummen.

Dat am Sambstag in der Osterwochen Anno Dn. XV.XXIII.

Quelle:
Analecta Lutherana
Briefe und Actenstücke zur Geschichte Luthers
Herausgegeben von D. Theodor Kolde
Gotha.
Friedrich Andreas Perthes.
1883.

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