Luther, Martin – Ursache und Antwort, dass Jungfrauen Klöster göttlich verlassen dürfen. 1523

Luther, Martin – Ursache und Antwort, dass Jungfrauen Klöster göttlich verlassen dürfen. 1523

Dem klugen und weisen Leonhard Koppe, Bürger zu Torgau, meinem besonderen Freunde, Gnade und Frieden.
Martinus Luther

Gnade und Frieden in Christus. Es ist offensichtlich so, wie die Schrift sagt, dass niemand kann Nutzen oder Schaden tun, er sei denn dazu verordnet von Gott, wie der Prophet sagt 2. Könige 5, 1 von dem Naeman zu Syrien, dass Gott durch diesen Glück und Heil gab dem Lande Syrien. Wiederum vom König Pharao schreibt Mose, dass er nicht aus seinem Vermögen die Kinder Israel bedrängt, sondern Gott verstockt sein Herz, indem er zu ihm spricht: »Darum habe ich dich erweckt, dass ich meine Macht an dir erweise, auf dass mein Name verkündigt werde in allen Landen.« (2. Mose 9, 16) Daher trotzt auch Jesaja 41, 23 allen Gottlosen und spricht: »Wohlan, tut Gutes oder Schaden, lasst sehen, was könnt ihr?« Und 1. Makkabäer 5, 62 steht geschrieben: »Sie waren nicht aus dem Samen der Männer, durch die Heil und Glück Israel widerfuhr.«

Werdet Ihr sagen: Wo will das hinaus? Dahinaus, dass Ihr ein neues Werk getan habt, davon Land und Leute singen und sagen werden, das viele werden für großen Schaden ausschreien. Aber die es mit Gott halten, werden’s für großen Gewinn preisen, auf dass Ihr gewiss seid, dass es Gott so verordnet hat und es nicht Euer eigenes Werk oder Rat ist, und gehen lasst derjenigen Geschrei, die es als das allerärgste Werk tadeln werden und als von Gott weder verordnet noch befohlen erachten. Pfui, pfui, werden sie sagen, der Narr Leonhard Koppe hat sich durch den verdammten ketzerischen Mönch lassen fangen und fährt zu und fuhrt neun Nonnen auf einmal aus dem Kloster und hilft ihnen, ihr Gelübde und klösterliches Leben zu verleugnen und zu verlassen!

Hier werdet Ihr abermals sagen: Das heißt wahrlich geheim gehalten und wohl verborgen, ja verraten und verkauft, dass auf mich gehetzt werde das ganze Kloster zu Nimbschen, weil sie nun hören, dass ich der Räuber gewesen bin! Da antworte ich: Ja, freilich ein seliger Räuber, gleichwie Christus ein Räuber war in der Welt, als er durch seinen Tod dem Fürsten der Welt seinen Harnisch und Hausgerät nahm und führte ihn gefangen. So habt Ihr auch diese armen Seelen aus dem Gefängnis menschlicher Tyrannei geführt, eben um die rechte Zeit, zu Ostern, als Christus auch der Seinen Gefängnis gefangen nahm (Psalm 68, 19).

Dass ich aber solches ausrufe und nicht geheim halte, tue ich aus redlichen Ursachen. Zum ersten, weil es nicht darum durch mich angeregt worden ist, dass es geheim bleiben soll. Denn was wir tun, das tun wir in Gott und scheuen uns dessen nicht am Licht. Wollte Gott, ich könnte auf solche oder andere Weise alle gefangenen Gewissen erretten und alle Klöster leer machen; ich wollte mich danach keineswegs scheuen, es zu bekennen samt allen, die dazu geholfen hätten, in der tröstlichen Zuversicht, Christus, der nun wieder sein Evangelium an den Tag gebracht und des Antichrist Reich zerstört hat, werde hier Schutzherr sein, ob’s auch das Leben kosten müsste.

Zum zweiten tue ich’s, um der armen Kinder und ihrer Verwandtschaft Ehre zu erhalten. Denn wie hoch die blinden Splitterrichter das auf Erden als Ketzerei und Abtrünnigkeit schelten (was seinen Richter wohl finden wird), so haben wir uns doch dagegen verwahrt, dass niemand sich zu sagen untersteht, sie seien durch lose Buben unredlich herausgeführt und hätten sich in Gefahr ihrer Ehre begeben. Denn Euch und die Euren kann man angeben. Darüber hinaus muss das jedermann als ehrbar gehandelt gelten lassen, dass sie nicht einzeln, eine hier hinaus, die ändern da hinaus gelaufen, sondern alle miteinander mit aller Zucht und Ehre an redliche Stätten und Orte gekommen sind, damit den Lästermäulern die Ursache genommen werde, ihre lügenhaften Zungen mit frommen Kindern zu waschen. Denn dass sie solches als wider Gott und ihr Gelübde getan schelten, wollen wir leiden und wagen.

Zum dritten, um zu warnen die Herren vom Adel und alle frommen, rechtschaffenen Leute, die Kinder in Klöstern haben, dass sie selbst dazutun und sie herausnehmen, auf dass nichts Ärgeres danach folge. Denn wiewohl viele vom Adel und rechtschaffene Leute, in der Sache durch Gottes Gnade verständig, ihre Kinder oder Verwandte wohl gern heraus hätten, scheuen sie doch das Exempel, als die ersten die Bahn zu brechen. Nun sie aber sehen, dass so viele ehrbare Kinder mit bewahrter Zucht und Ehre die Bahn gebrochen haben und das bekannt werden lassen, werden sie mutiger und kühner werden. Werden aber etliche zorniger, so muss man das geschehen lassen und sich nicht verwundern. Denn sie denken, es sei Unrecht, so wie sie bisher verführt und nichts anderes gelehrt sind. Es wird mit der Zeit besser werden.

Das sei meine Entschuldigung an Euch, der Sünde halber, dass ich dies Euer Werk verraten und offenbart habe. Damit ich aber auch unser aller Wort rede – meins, der ich’s geraten und gebeten, und Eures mit den Euern, die Ihr’s ausgerichtet, und der Jungfrauen, die der Erlösung bedurft haben —, will ich hiermit kurz vor Gott und aller Welt Rechenschaft und Antwort geben, wiewohl ich’s sonst in anderen Büchlein reichlich getan habe, damit alle christlichen Herzen merken sollen, wie wir nicht das Unsere, sondern vor allem Gottes Ehre und des Nächsten Bestes gesucht haben. Aber den unchristlichen Herzen wollen wir ihren Sinn lassen, bis sie es besser verstehen.

Zum ersten: dass die Kinder zuvor selbst ihre Eltern und Verwandtschaft aufs allerdemütigste ersucht und gebeten haben um Hilfe, herauszukommen; dass sie mit vernünftigen, ausreichenden Begründungen dargelegt haben, dass ihnen solches Leben der Seelen Seligkeit halber nicht länger zu ertragen sei; dass sie sich daneben erboten, zu tun und zu leiden, was fromme Kinder tun und leiden sollen. Das ist ihnen alles abgeschlagen und versagt worden, und so waren sie von jedermann verlassen. Damit haben sie Recht und redliche Ursache gehabt, ja waren genötigt und gedrungen, um ihr Gewissen und ihre Seele zu erretten, anderswo, wie sie es haben konnten, Hilfe und Rat zu suchen. Und diejenigen, die hier haben helfen und raten können, sind es schuldig gewesen, aus christlicher Liebe Pflicht, die Seelen und Gewissen zu erretten.

Zum zweiten ist das eine hohe, wichtige Ursache und Not, dass man leider die Kinder, vor allem das schwache Weibervolk und junge Mädchen, in die Klöster stößt, sie anreizt und dahin gehen lässt, wo doch keine tägliche Übung des göttlichen Wortes ist, ja, wo selten oder nimmermehr das Evangelium einmal recht gehört wird. Und sie werden doch in den höchsten Kampf gestellt: nämlich um die Jungfrauschaft zu streiten, wobei schwerlich und gar selten sogar diejenigen bestehen, die mit Gottes Wort allenthalben gerüstet und mit hoher, seltener, wunderbarer Gnade herausgehoben sind. Es bedarf der Mühe, die eheliche Keuschheit zu halten, auch mit Beistand des göttlichen Wortes; und dies junge, törichte, unerfahrene Weibervolk wird dahin gestoßen, wo der Streit am härtesten und mächtigsten ist. O der unbarmherzigen Eltern und Verwandten, die mit den Ihren so gräulich und schrecklich verfahren! O der blinden und tollen Bischöfe und Äbte, die hier nicht sehen und fühlen, was die armen Seelen leiden und wie sie verderben!

Diese Ursache, dass man des Wortes Gottes ermangeln muss, ist allein genug, wenn es sonst keine andere gäbe, uns alle zu entschuldigen, ja zu loben und zu preisen vor Gott und der Welt, dass man aus Klöstern zu laufen helfen und raten soll, damit die Seelen herausgerissen, -geführt, gestohlen und geraubt werden, wie man kann, ohne Rücksicht darauf, ob tausend Eide und Gelübde abgelegt worden wären. Denn bekannt ist’s, dass in Klöstern, vor allem in Nonnenklöstern, Gottes Wort nicht täglich in Übung ist und an den meisten Orten niemals, sondern dass sie sich nur plagen und antreiben mit Menschengesetzen und -werken. So ist’s wiederum gewiß, dass man ohne das tägliche Wort Gottes vor Gott nicht leben kann. Und kein Gelübde kann vor Gott gelten oder halten, mit dem man sich mit dem Ort verbindet, wo kein Gotteswort in Übung ist, und den Ort verlässt, wo Gottes Wort geübt wird. Denn ein solches Gelübde ist ebensoviel wie Gott verleugnen, weil wir alle auf Gottes Wort verpflichtet sind.

Zum dritten ist das bekannt und offenbar, dass ein Mensch wohl gezwungen werden kann, vor der Welt zu tun, was er nicht gerne tut. Aber vor Gott und in Gottes Dienst soll und kann kein Werk noch Dienst erzwungen und ungerne geschehen. Denn Gott gefallen nicht und er will auch nicht haben erzwungene, unwillige Dienste, wie St. Paulus 2. Korinther 9, 7 sagt: »Gott hat lieb einen fröhlichen Geber«; ohne Zweifel ist er wiederum feind einem unfröhlichen, unwilligen Geber. Daher will auch St. Paulus die edle Jungfrauschaft nicht haben, wenn sie erzwungen und unwillig geschieht, 1. Korinther 7. Solch fröhliche Lust aber zu Gottes Dienst gibt weder Kloster noch Mönchskappe, weder Gelübde noch Werk, sondern allein der heilige Geist.

Was meinst du aber, wie viele Nonnen in den Klöstern sind, wo das tägliche Gotteswort nicht geht, die fröhlich und mit Lust ungezwungen ihren Gottesdienst tun und ihren Orden auf sich nehmen? Sicher unter tausend kaum eine. Was ist’s denn, dass du solch ein Kind lässt so sein Leben und alle seine Werke verlieren und außerdem die Hölle damit verdienen? Wäre es nicht besser, wenn sie schon etwas ungern und mit Unlust tun soll, sie wäre ehelich und täte solche Mühe und Unlust im ehelichen Stand äußerlich gegenüber den Menschen, wie ihrem Mann, Kind, Gesinde, Nachbarn usw.? Weil denn Gott kein Dienst gefällt, es gehe denn willig von Herzen und mit Lust, so folgt, dass auch kein Gelübde weiter gelten oder abgelegt werden oder gehalten werden soll, als sofern die Liebe und Lust da ist, das ist, sofern der heilige Geist da ist. Darum, wenn nun solch Gelübde ohne Lust und Geist geschieht, achtet’s Gott nicht und nimmt’s nicht an. So dass dies auch eine ausreichende Ursache ist, Gelübde und Kloster zu lassen und jedermann herauszuhelfen in einen anderen Stand.

Zum vierten, wiewohl man sich dieser Ursache schier schämen muss, so ist’s doch vollends der größten eine, Kloster und Mönchskappe zu verlassen: nämlich dass es unmöglich ist, dass die Gabe der Keuschheit so allgemein sei, wie die Klöster sind. Denn ein Weibsbild ist nicht geschaffen, Jungfrau zu sein, sondern Kinder zu tragen, wie Gott 1. Mose 1, 28 sprach nicht allein zu Adam, sondern auch zu Eva: »Seid fruchtbar und mehret euch«, wie das auch die weiblichen Gliedmaßen, von Gott dazu eingesetzt, beweisen. Und solches ist nicht zu einer Frau oder zu zweien, sondern zu allen gesagt, und keine ist ausgeschlossen, Gott ziehe sie denn selber heraus, nicht durch unser Gelübde oder unseren freien Willen, sondern mit Macht durch seinen eigenen Rat und Willen. Wo er das nicht tut, soll ein Weibsbild eine Frau bleiben, Frucht tragen, wozu Gott sie geschaffen hat, und es nicht besser machen, denn er’s gemacht hat.

Weiter: Als er Eva verfluchte, nahm er ihr nicht den weiblichen Leib oder die weiblichen Gliedmaßen, widerrief auch nicht seinen gesprochenen Segen über sie, dass sie sollte fruchtbar sein, sondern bestätigt ihn und spricht: »Ich will dir viel Mühe schaffen, wenn du schwanger gehst.« (1. Mose 3, 16) Diese Plage ist auch nicht über eine oder zwei Frauen gesagt, sondern über alle, so dass die

Worte so lauten, als sei Gott gewiss, dass alle Frauen werden schwanger sein und sollen diese Plage tragen, außer denen, die er selbst ausnimmt. Dagegen kann kein Gelübde oder Bund gelten oder halten, denn es ist Gottes Wort und Schöpfung.

Hier tun sie dann zwei Einreden. Die erste: Man solle die Gelübde halten. Das ist wahrlich wahr, wenn du Gott gelobst, was dein ist und in deiner Macht steht. Ich hörte hierzu einen gelehrten Mann einmal sagen: Meine Mutter hat gelobt, ich sollte ein Bischof werden; wie soll ich’s halten? Dein ist’s aber nicht, Jungfrau zu sein wider die eingesetzte Natur, sondern, wie St. Paulus sagt 1. Korinther 7, 7: Es ist eine Gottesgabe. Wie ich nun keine Gottesgabe geloben kann, so kann ich auch Keuschheit nicht geloben. Es muss alles zuvor mein sein, ehe ich’s gelobe. Wie auch Samuels Mutter ihren Sohn Gott gelobte, wenn er ihr denselben zuvor geben werde, 1. Samuel 1, 11. So soll man auch Keuschheit geloben, sofern sie Gott geben würde, wenn aber nicht, dass das Gelübde nichts wäre.

Lesen wir doch auch 1. Samuel 14, 24, dass Saul auch gelobte, zweimal mit einem Eid, dass niemand am Tage essen sollte, und auch seinen Sohn zu töten (v.44). Dennoch musste er’s lassen, und Gott wehrte es ihm durchs Volk und seinen Sohn. Damit hat Gott ja genügend bewiesen, dass unchristliche und schädliche Gelübde nicht zu halten sind, ob sie gleich auch nur dem Leben schaden; viel mehr wird er die Gelübde verdammen, die der Seele Schaden und Verderben sind. Und dies Exempel ist wohl zu merken, dass es nicht genug ist, zu sagen: Ja, ich hab’s gelobt, ich muß es halten. Lieber, sieh zuvor, ob’s möglich und Gott gemäß ist, was du gelobst; sonst, wenn unmögliche Gelübde gälten, könntest du wohl geloben, eine Mutter Gottes zu werden wie Maria.

So sprechen sie abermals: Wenn es gleich unmöglich sei, so kann man’s mit Beten erlangen, wie St. Hieronymus lehrt. Antwort. Aufs erste: Gott gebe mir nur nicht viel von der Keuschheit des St. Hieronymus, der selbst bekennt, dass er seines Fleisches Wüten und Brunst mit keinem Fasten und keiner Mühe zähmen konnte. Wie viel besser wäre es ihm gewesen, nach St. Paulus‘ Rat zu freien, als so zu brennen (1. Korinther 7, 9). Und hierin ist nicht gut, seinem Exempel nachzufolgen. Denn Keuschheit hat wohl Anfechtung; aber solche tägliche Brunst und Wüten ist ein gewisses Zeichen, dass Gott nicht gegeben hat noch geben will die edle Gabe der Keuschheit, die mit Willen ohne Not gehalten werde.

Aufs zweite: Man kann freilich alles von Gott erlangen mit Beten; er will aber auch unversucht sein. Christus hätte sich wohl können von der Zinne des Tempels hernieder lassen, wie der Teufel es vorgab (Matthäus 4, 5 f.). Er wollte es aber nicht tun, weil es nicht nötig war und er wohl auf andere Weise herabkommen konnte. Ich könnte es auch wohl mit Beten erlangen, dass ich nicht äße oder tränke, was auf Erden wächst. Weil das aber nicht nötig ist und Gott mir sonst so viel gegeben hat, was ich essen soll und kann, soll ich ihn nicht versuchen, das liegen lassen, was er gegeben hat, und ein anderes ohne Not erwarten, was er nicht gegeben hat; denn da wäre Gott versucht.

So auch hier. Weil er Mann und Frau geschaffen hat, dass sie zusammen sollen, soll ich mir nicht einen ändern Stand vornehmen und jenen hegen lassen aus eigenem Vorwitz und Mutwillen. Denn damit gebe ich mich ohne Not und Ursache in Gefahr und versuche Gott, zumal wohl ein anderer göttlicher Stand da ist, in dem ich keine Gefahr und Versuchung herausfordere. Denn wer zwingt oder beruft mich, dass ich ohne Ehe bleibe? Was ist mir die Jungfrauschaft vonnöten, wenn ich fühle, dass ich sie nicht habe und Gott mich nicht besonders dazu beruft, und weiß auch, dass er mich zur Ehe geschaffen hat? Darum, willst du etwas bitten von Gott, so bitte, was dir nötig ist und wozu dich die Not dringt. Ist dir’s aber nicht not, so versuchst du ihn gewiss mit deinem Gebet. Denn sein Name heißt Helfer zur rechten Zeit, in Trübsal, Nothelfer, Psalm 10, 14, nämlich dass er nur da allein hilft, wo sonst keine Hilfe und kein Mittel durch ihn zuvor geschaffen ist.

Die andere Einrede ist, dass es ärgerlich sei, gegen den allgemeinen alten Brauch und Lehre, und der Schwachen Gewissen sei zu schonen. Antwort: Ärgernis hin, Ärgernis her. Not bricht Eisen und hat kein Ärgernis. Ich soll der Schwachen Gewissen schonen, sofern es ohne Gefahr meiner Seele geschehen kann. Wenn nicht, so soll ich meiner Seele helfen, es ärgere sich dran die ganze oder halbe Welt. Nun liegt hier der Seele Gefahr in allen Stücken. Darum soll niemand von uns begehren, dass wir ihn nicht ärgern; sondern wir sollen begehren, dass sie unsere Sache billigen und sich nicht ärgern. Das fordert die Liebe.

Das will ich auf dies Mal, mein guter Freund, kurz zur Verantwortung gegeben haben für Euch, für mich und für diese Jungfrauen, auch für alle, die diesem Exempel wollen nachfolgen; bin auch gewiss, dass wir damit vor Gott und der Welt untadelig bestehen werden. Aber den Widersachern und verstockten Köpfen, denen Gott selber nicht Genüge tun kann, wollen auch wir uns nicht vermessen, Genüge zu tun, sondern sie toben und lästern lassen, bis sie es müde werden. Wir haben einen Richter über uns, der wird recht richten.

Ich will aber auch die Jungfrauen hier nennen, auf dass alles ja frei am Tage sei. Und es sind nämlich diese: Magdalene [von] Staupitz, Elisabeth [von] Canitz, Veronika [von] Zeschau, Margarethe [von] Zeschau, ihre Schwester, Laneta von Gohlis, Ave Grosse, Katharina von Bora, Ave von Schönfeld, Margaretha von Schönfeld, ihre Schwester. Der allmächtige Gott wolle gnädig erleuchten alle Verwandten derjenigen, die mit Gefahr und Unlust in Klöstern sind, dass sie ihnen treulich heraushelfen. Welche aber geistverständig sind und die Klosterei nützlich zu brauchen wissen und gerne drin sind, die lasse man bleiben im Namen Gottes.

Hiermit befehle ich Euch Gott, und grüßt mir Eure liebe Audi und alle Freunde in Christus. Gegeben in Wittenberg am Freitag in der Osterwoche. Anno 1523.

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