Spalatin an Friedrich den Weisen, Nov. 1521

Spalatin an Friedrich den Weisen, Nov. 1521

Gnädigster Herr. Der Rector zu Wittenberg schreibt mir itzo unter andern, daß man bei ihnen nicht dürfe weiter um eine einträchtige Antwort der Messen halben suchen, angesehen daß sie der Sachen unter einander nicht einig seind.

Daß auch der mehrere Theil, als der heiligen Schrift unerfahren, sich in diese Sache nicht wollen einlassen, und die Sache den Theologen, und bevor dem Ausschuß, heimstellen.

Und daß E. Chf. Gn. das Capitel ihr Bedenken mit einer sonderlichen Schrift wird anzeigen. Denn sie haben sich mit einander nicht vergleichen mögen, wie vielleicht in langer Zeit nicht beschehen möge.

Aber es sey derer, so dem Ausschuß Zufall (Beifall) geben, Meinung, daß die Mißbräuche nicht eilend, sondern mit der Zeit und ohhne Aufruhr abgethan werden.

Er laß sich auch selbst bedenken, man muß ein zeitlich Einsehung in die Sach haben, damit nicht durch den Namen Gottes Worts mehr unschicklicher Freiheit denn christlicher Gottfurcht eingeführt werde.

Erbeut sich auch Empörung zu verwahren allen Fleiß zu haben. Das hab E. Chf. G. ich länger nicht wollen verhalten.

E. Chf. G.
untertäniger Diener
Spalatinus

Bretschneider, Carolus Gottlieb
Corpus Reformatorum
Volumen 1
Halis Saxonum
C. A. Schwetschke und Sohn
1834
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