Luther, Martin – An Lazarus Spengler, Stadtschreiber zu Nürnberg (1520)

Luther, Martin – An Lazarus Spengler, Stadtschreiber zu Nürnberg (1520)

v. 17. November 1520

Dem fursichtigen und weisen Lazaro Spengler, der Stadt Nürnberg Schreiber rc. rc., meinem besondern Herrn und Freunde.

Jesus

Meinen Dienst rc. Ehrbar und Weiser, mein lieber Herr und Freund. Euer Schreiben und großen Muth in christlicher wahrheit hab ich mit sondern Freuden gelesen: Gott stärk euch und uns allesampt mit seiner Gnaden. Dank euch auch fleißig euer großen freundlichen Sorgen, so ihr von meinen und aller Wittemberger tragt. Ihr sollts aber gewißlich glauben, Daß. D. Carlstadt und Philipps aufs Beste eins sein; wiewohl weilangs einer auf ander Weise in der Schulen etwas sagt, denn der andere, daraus solche Rede vielleicht erwachsen sein. Aber Magister Philippus ist von Gottes Gnaden so geschickt, daß er mit ihm keinen Gang haben wird. So ist mirs nie in meinen Sinn kommen, Verdruß oder Unlust wider Erasmum zu haben. Es hat mir wohl gefallen, daß er von mir will ungenennt sein. Hab ihm auch drauf geschrieben und verheißen, sein nicht mehr also zu gedenken, noch keiner andern guten Freund, dieweil es sie beschweret. Es haben die Leute wohl solchs dings von mir zu richten und zu schreiben: drum wollt euch ihre Red nicht lassen anfechten. Erasmus und ich, wills Gott, wollen wohl eins bleiben. Das ist wohl wahr, daß ich mit Philippo in geheim zuweilen disputire, wie nah oder weit Erasmus von dem Weg sei; das hat er auch und Jedermann von mir zu thun ungefährlich und freundlichen Gewalt. Ich will Niemand am ersten angreifen; mir ist genug, mich, so ich angegriffen werde, beschützen. Ich laß itzt meine Appellation verneuert drucken Lateinisch und Deutsch, wiewohl ichs nicht groß Noth hab geachtet: so gar öffentlich und unverschämt ist die Bulle in ihrem antichristischen Verdammniren. Wir wissen nicht, ob die Bischöfe erequiren werden. Wir haltens dafür, als sein sie uns nit rechtlicher Weis überantwortet. Hiemit befehl ich mich euch für Gott, Amen. Zu Wittenberg, im 1520. Jahr, am Sonnabend nach S. Martini.

D. Martinus Luther, Aug.

Quelle:
Dr. Martin Luther’s sämmtliche Werke. Drei und fünfzigster Band: Vierte abtheilung Vermische deutsche Schriften Erster Band. Frankfurt a.M. und Erlangen, Verlag von Heyder & Zimmer. 1853

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