Luther, Martin – An Johann Lange (18.8.1520)

Luther, Martin – An Johann Lange (18.8.1520)

Heil! Ob mein Büchleins , das ihr, mein Vater, eine Posaune nennt, so heftig und grimmig sei, mögt ihr und alle andern zusehen. Es ist freilich heftig und freimüthig, gefällt aber doch vielen: ist auch unserm Hofe nicht ganz unangenehm. Ich kann über mich in dieser Sache nichts urtheilen: vielleicht bin ich der Vorläufer unsers Philippus, dem ich nach dem Vorbild des Elias den Weg bereite.

Wir glauben hier fest, daß das Papstthum des wahren und leibhaften Antichrists Stuhl sei und meinen, wir dürfen um der Seelen Heil willen Alles wider seine Büberei und Betrug thun. Ich bekenne, daß ich dem Papst keinen Gehorsam schuldig sei, als den, den ich dem wahren Antichrist schuldig bin.

Philippus nimmt die Catharina Crappin zum Weibe und sie schreien, ich habe es angestiftet. Ich thue dem Menschen willig Alles zu gute, was mir möglich ist und kehre mich an all‘ ihr Geschrei nichts. Gott lasse es wohl gerathen! Ich hasse den Menschen der Sünde und das Kind des Verderbens mit seinem ganzen Reich, darin nur Sünde und Heuchelei genährt wird, von Grund des Herzens.

Gehabt euch wohl im Herrn.

Wittenberg, 18. August 1520.

Euer Bruder Mart. Luther.

Quelle:
Hase, Carl Alfred - Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

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