Luther, Martin – An Georg Spalatin (10.7.1520)

Luther, Martin – An Georg Spalatin (10.7.1520)

– Ich schicke hier des Fränkischen Ritters Sylvester von Schauenburg Brief und wollte wohl, daß in des Fürsten Brief an Cardinal St. Georgii davon Erwähnung gethan würde, daß sie wüßten, wenn gleich sie mich mit ihrem Bann von Wittenberg verjagten, sie doch nichts ausrichten würden, als daß ihre schlechte Sache noch schlechter werde. Weil nun nicht in Böhmen, sondern mitten in Deutschland Leute sind, die mich, wenn ich vertrieben werde, schützen können und wollen, jenen zum Trotz und wider alle ihre Donnerstrahlen. Da ist denn Gefahr, daß ich unter solchen Beschützern grimmiger auf die Römischen losziehen werde, als wenn ich unter des Fürsten Herrschaft im öffentlichem Lehramt diente. Wehrt Gott nicht, so wird es wohl geschehen.

Darum sollen sie wissen, was ich ihnen noch nicht angethan habe, ist nicht meiner Bescheidenheit oder ihrer Tyrannei und Verdiensten, sondern der Ehrerbietung vor des Fürsten Namen und Ansehen und der gemeinen Sache der Studenten auf der Universität zuzuschreiben. Für mich ist der Würfel gefallen; ich verachte Römische Ungnade, wie Gnade. Ich mag nimmermehr in Ewigkeit mit ihnen versöhnt werden oder Gemeinschaft haben: sie mögen das meine immer verdammen und verbrennen! Ich aber, wenn ich auch kein Feuer haben kann, so will ich doch das ganze päpstliche Recht verdammen und öffentlich verbrennen, und die vergeblich bisher erwiesene Demuth wird ein Ende haben, durch die nicht länger die Feinde des Evangeliums aufgeblasen werden sollen.

Je mehr ich an den Brief des Cardinals St. Georgii denke, je mehr verachte ich sie, die ich durch lautere Feigheit und böses Gewissen so erschüttert sehe, daß sie nur gleichsam bei dem letzten Hauch noch trotzig thun wollen. Sie suchen ihre Unwissenheit durch Gewaltthat zu schützen; fürchten aber, daß es ihnen wie gestern und ehegestern gelinge. Der Herr aber, der da weiß, daß ich ein gar arger Sünder bin, wird seine Sache durch mich oder einen andern hinausführen, daran zweifle ich nicht. Gehabt euch wohl. Wittenberg, den 10. Juli 1520.

Mart. Luther, August.

Quelle:
Hase, Carl Alfred - Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

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