Herzog Georg von Sachsen an Luther

Herzog Georg von Sachsen an Luther

23.5.1519

Wirdiger, Lieber, Andächtiger! Wir haben eur Schreiben, zo ihr der vorgonnten Disputation halben abermals an uns gethan, alles Inhals vorlesen, und wissen keine Ungenade, die wir zu euch tragen ader gefaßt haben sollten. Wohl ist uns allerleie vorkommen, dovon wir nicht ungerne mit euch wollten reden, wollen aber solchs, bis ihr eins bei uns kommet, beruhen lassen. Zo tragen wir auch darinne nicht klein Vorwundren, nachdem ihr euch vrormals hatt‘ horen lassen, daß nicht gut von diesen Materien zu disputiren, auch die Doctores der Facultät der heiligen Schrift zu Leypzigk gelehrt, daß sie sich solche Disputation nachzulassen gewegert, wie es kommet, daß ihr itzo zo harte darauf dringet, und ist wohl wahr, daß wir von Doctor Karlstadt auch nicht sein angesucht worden. Es hat uns aber Doctor Egke durch sein SChreiben vormeldet, daß er sich angezeigter Disputaion halben mit ihme voreiniget. Wo nuhe solchs auch allhie beschehen, alzo daß ihr es mit einander einig wirdet und uns, wie ihr itzo, als wir aus euern Schreiben vornehmen, in Erbt((Arbeit)) stehet, zugeschrieben, wollten wir uns, unsern jungesten Schreiben nach, mit unvorweislicher Antwort kegen euch erzeigen und vornehmen lassen. Solchs haben wir euch auf eur Schreiben nicht wollen vorhalten. Gegeben zu Dresden, Montagk nach Cantate Anno xix.

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Zweiter Band.
Briefe vom April 1519 bis November 1520
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1887

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