Luther, Martin – An Philipp Melanchthon (11.10.1518)

Luther, Martin – An Philipp Melanchthon (11.10.1518)

Heil! Es wird allhier nichts Neues oder Seltsames vorgenommen, allein, daß Jedermann in der ganzen Stadt von Or. Luther redet und den neuen Herostratum zu sehen begehrt, der ein solch groß Feuer angezündet hat. Beweiset euch als ein Mann, wie ihr ja thut und lehret die Jugend was recht ist: ich aber gehe hin. mich für sie und euch zu opfern, wenn es Gott gefallt. Denn ich will lieber sterben und eurer lieben Gemeinschaft, wie schwer mir’s auch wird, in Ewigkeit entbehren, als daß ich das, so durch euch recht gelehrt ist, widerrufen sollte und daß ich allen guten Künsten und Studien zum Verderben würde.

Welschland ist, wie vor Zeiten Aegypten, in greifliche Finsterniß geworfen: so gar nichts wissen sie von Christus, noch, was Christo angehört; und wir müssen doch leiden, daß sie über uns herrschen und uns lehren nach ihrer Weise, beides Glauben und Sitten. Also wird Gottes Zorn über uns erfüllt, wie der Prophet klagt: „Ich will ihnen Knaben zu Fürsten geben und Kindische sollen über sie herrschen.“ Gehabt euch wohl, lieber Philippe, im Herrn und wendet ab Gottes Zorn durch euer reines und brünstiges Gebet.

Gegeben zu Augsburg, am Montag nach Dionisii (11. October) 1518. ‚

Bruder Martin Luther.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

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