Luther, Martin – An Spalatin

Luther, Martin – An Spalatin

26.12.1515

Alles Gute voran! Gestern erst bin ich zurückgekommen und habe spät abends Euren Brief vorgefunden. Ich bitte Euch, antwortet an meiner Statt dem Verleger Martinus, so daß er nicht auf meine Vorlesung über den Psalter wartet. Obgleich ich gar sehr wünsche, sie nie und nirgends geruckt zu sehen, so bin ich doch mit Gewalt zu einer Zusage veranlaßt worden. Trotzdem habe ich dem Auftrag noch nicht Genüge getan. Jetzt aber werde ich mich nach Beendigung meiner Paulus-Vorlesung allein dieser Aufgabe widmen.

Aber auch wenn der Kommentar vollendet sein wird, ist er nicht in dem Zustand, daß er ohne mein Beisein gedruckt werden könnte. Weiter haben auch die Magister der Artistenfakultät beschlossen, der Druck solle von unsrer eignen Druckerei besorgt werden. Damit kann jedoch vor den Fasten nicht einmal begonnen werden. Wenn er überhaupt herausgegeben werden soll, so ist mir eben das angenehm, daß er zunächst aus einer weniger angesehenen Druckerei hervorgehen soll. Denn er scheint mir nicht wert, mit guten Lettern und von angesehenen Druckern herausgebracht zu werden; es sind Kleinigkeiten, würdig, unterzugehen. Lebt wohl.

In Eile im Kloster am zweiten Weihnachtstage, in der 12. Stunde, 1516.

Bruder Martinus Luder, Augustiner.

Martin Luthers Briefe
In Auswahl herausgegeben von Reinhard Buchwald.
Erster Band.
Leipzig/ im Inselverlag/ mdcccix.

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