Calvin, Jean – An Antoine de Croy, Prinzen de St.-Porcien.

Calvin, Jean – An Antoine de Croy, Prinzen de St.-Porcien.

Nr. 730 (C. R. – 3949)

Antoine de St.-Porcien (vgl. 710) hatte sich aus Eifersucht gegen die Guisen der hugenottischen Partei angeschlossen und war de Conde´s persönlicher Freund; er stand damals im Alter von 22 Jahren.

Lob und Mahnung.

Monseigneur, wiewohl ich Ihnen bisher nie geschrieben, habe ich doch stets geziemende Verehrung für Sie gehegt und war geneigt, Ihnen einmal einen Dienst zu erweisen, wenn Gott mir dazu Gelegenheit böte; denn ich kann sein Diener nicht sein, ohne die hervorragende Tüchtigkeit, die er Ihnen verliehen hat, zu lieben und zu ehren. Da ich aber nicht mehr tun konnte, begnügte ich mich bisher damit, an Sie zu denken und den Vater im Himmel zu bitten, er wolle sie behüten und Sie wachsen lassen an allen Gaben seines Geistes. Umso mehr Vergnügen macht es mir, vom Überbringer dieses Briefes, der in Ihrem Dienste steht, zu vernehmen, dass Sie mir die gnädige Erlaubnis zu dem gaben, was ich nicht zu tun gewagt hatte, so sehr ich dazu Lust hatte. Ich danke Ihnen also ergebenst, Monseigneur, dass Sie geruht haben, Ihr Wohlwollen gegen mich zu äußern, nicht nur weil ich es hochschätze, bei Ihnen in Gunst zu stehen, sondern auch weil Sie mir Gelegenheit geben, Ihnen zu erklären, wie sehr ich Ihr ergebener Diener bin. Da ich das aber nicht anders zeigen kann als durch meine Sorge um Ihr Seelenheil und durch Anwendung dessen, was mir Gott verliehen, so nehme ich dazu meine Zuflucht. Das heißt, ich will Sie bitten, Monsieur, und im Namen Gottes ermahnen, Mut zu fassen und fortzufahren in dem, was Sie so gut und glücklich begonnen haben. Seit einiger Zeit sind sie für einen Mann von Stand und Rang recht sehr geprüft worden, und Gott hat Ihnen unerschütterliche Tapferkeit gegeben, alles zu bestehen. Das war eine gute Bewährung Ihres Glaubens; aber Sie können nicht genug darauf hingewiesen werden, dass das noch nicht alles ist, und dass Sie noch gegen viele Versuchungen zu kämpfen haben. Denn das Christentum zeigt sich nicht nur darin, dass wir Waffen tragen und Leib und Gut wagen im Kampf für die evangelische Sache, sondern auch darin, dass wir uns im Gehorsam ganz dem unterwerfen, der uns so teuer erkauft hat, damit er gepriesen werde in unserm Leben und Sterben. Das ists, Monsieur, worin Sie beharren müssen: Sie dürfen nicht müde werden, nicht nur mit dem Schwerte gegen sichtbare Feinde zu kämpfen, sondern auch gegen alles, was Sie abziehen oder hindern könnte auf dem guten Wege. Ja noch mehr, nicht nur sind wir so gebrechlich und haben stets unzählige Kämpfe in unserem Herzen auszufechten, sondern der Satan legt uns stets Hindernisse in den Weg, um uns abzulenken oder uns kalt werden zu lassen. Soll also von wirklicher Ruhe die Rede sein, so müssen wir zum Himmel aufsehen; eine gewisse Erholung freilich mag uns ja Gott hienieden schon für eine Zeitlang gönnen. Ich sage das nicht aus Misstrauen, denn ich bin sicher, dass Gott, der Sie schon so Gutes hat merken lassen, Sie auch ferner nicht im Stich lassen wird. Aber auch Sie, Monsieur, werden erfahren, dass wir nie genug gewappnet sein können den vielen Versuchungen gegenüber, denen wir stets ausgesetzt sind. Da ich jedoch nicht zweifle, dass Sie fleißig sind, die frommen Mahnungen [der Schrift], die Ihnen als Schwert und Schild dienen können, zu lesen und zu hören, will ich jetzt nicht weiterfahren. Ich weiß nicht, ob Gott uns je die Güte erweisen wird, auf die Sie mich hoffen lassen, nämlich dass wir uns auf dieser Welt einmal sehen; die Hauptsache ist, dass wir zusammenkommen in seinem ewigen Reiche, obwohl ich deswegen nicht aufhöre zu wünschen, das andere möge auch noch eintreten. Indem ich mich Ihrer Gewogenheit, Monseigneur, untertänigst empfehle, bitte ich den Vater im Himmel, er wolle Sie in seiner heiligen Hut halten, Sie mehr und mehr stark werden lassen in seiner Kraft und Sie zunehmen lassen in allem Guten und Glücklichen.

Genf, 8. Mai 1563.

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