Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (617)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (617)

Nr. 617 (C. R. – 3157)

Zwischen Bern und Genf gab es immer neue Streitigkeiten; Zürich bemühte sich um deren Schlichtung und in dieser Sache war der Genfer Prevot dort gewesen; die beiden Städte trauten einander so wenig, dass jede glaubte, die andere wolle sich mit dem gemeinsamen Feind, Savoyen, verbinden, der sich tatsächlich bemühte, Genf auf seine Seite zu ziehen.

Politische Intrigen zwischen Genf und Bern.

Von dem Unrecht, das wir täglich uns antun lassen müssen, wagte ich dir neulich in meinem Brief gar nichts zu sagen, um dir nicht mit unnützen Klagen die Ohren voll zu schwatzen. Es ist aber gut, dass unser lieber Prevot dir alles offen dargelegt hat. Da du nun in deiner Gerechtigkeit und Tüchtigkeit dich herbeilässest, die Sache zu führen, so danken wir dir dafür gar sehr. Unser Rat möchte dir gerne seine Dankbarkeit durch die Tat zeigen; da das aber nicht angeht, so anerkennt er wenigstens herzlich gern, was wir dir schulden. Es ist dir wohl ganz unglaublich, wie schändlich wir das ganze Jahr hindurch behandelt worden sind, und zwar bekämpften sie uns ohne den geringsten Rechtsgrund, aus purem Übermut. Schließlich umgestimmt durch unsere für sie überaus schmeichelhaften Mahnschreiben und auch durch unsere Nachgiebigkeit, zeigten sie sich etwas milder. Sie schrieben nämlich, es sollten Gesandte von ihnen kommen um unsern Wünschen zu willfahren. Sie kamen. Große Freigebigkeit in Versprechungen. Bei der ersten Konferenz aber die Entschuldigung, sie hätten keine bestimmten Aufträge. Zwei Tage vor der Ankunft unseres Prevot erwartete man die Gesandten. Daraus geht deutlich hervor, dass gerade diese Zeit gewählt wurde, um uns zu hintergehen. Denn sie hatten durch die Gesandten sagen lassen, sie wollten sich zu friedlicher Schlichtung aller Händel herbeilassen; dabei waren aber die Bedingungen, die sie stellten, unklar, zweifelhaft und voll Zweideutigkeiten. Sie sagen, sie könnten nichts abschließen, ehe der Spruch des Basler Schiedsrichters aufgehoben sei, was man durchaus nicht zugeben kann. Da sie aber unsern Rat aufforderten, eine Gesandtschaft an die eidgenössischen Stände zu schicken, um ihrer Tagsatzung die Freiheit und Ruhe Genfs zum Schutze zu empfehlen und sie zu bitten, mit Savoyen kein Bündnis zu schließen ohne ausdrückliche Wahrung der Sicherheit Genfs, so gab man ihnen darin gerne nach; ja man hatte das bereits vorher selbst beschlossen. Sie wollten damit, da sie uns im Verdacht hatten, schlauer Weise herausbekommen, was wir im Sinne hätten, um, wenn wir etwa uns bedächten und zögerten, selbst vielleicht mit guter Entschuldigung in Verhandlung mit Savoyen zu treten zu unserm Schaden. So wird also eine Genfer Gesandtschaft nach Baden geschickt; jetzt möchte man vorderhand Euern hoch weisen Rat um günstigen Bescheid bitten. Ein offizielles Schreiben an den Rat war aber unter diesen Umständen nicht passend. Prevot erhielt also nur Aufträge an befreundete Privatleute, die aber für alle gelten sollen, wenns die Sache so mit sich bringt. Ich will dich und unsern lieben Bruder Gwalther nicht mit mehr Worten drängen, auf der mit Glück betretenen Bahn Eurer frommen Freundschaftsdienste fortzufahren; denn aus dem Bericht unseres Bruders und Freundes erkenne ich, wie bereitwillig Ihr von selbst dazu seid. Er selbst wird, geschickt wie er ist, auch mehr zustande bringen, als ich in einem Brief vermöchte. Also lebwohl, trefflicher Mann und bester Bruder, samt Herrn Vermigli, Herrn Gwalther und den übrigen Kollegen. Der Herr behüte Euch alle; er leite Euch mit seinem Geiste und mache Euch reich an Segen aller Art.

Genf, 25. Januar 1560.
Dein
Johannes Calvin.

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