Calvin, Jean – An Kronprinz Erich von Schweden.

Calvin, Jean – An Kronprinz Erich von Schweden.

Nr. 594 (C. R. – 3016)

Kronprinz Erich war seit 1544 durch den schwedischen Reichstag zum Thronfolger bestimmt, weshalb ihm Calvin den Königstitel gibt. Ein Franzose Denis Beurree war Lehrer des Kronprinzen; ein anderer Landsmann Calvins, Philippier, stand ebenfalls in schwedischen Diensten.

Bitte um Fürsprache beim König.

Hält es jemand für allzu kühn, edelster, hochherziger König, dass ich es gewagt habe, deinem Vater eines meiner Werke zu widmen, so wird er es wohl als doppelte Schuld empfinden, dass ich nun auch kein Bedenken trage, mich direkt an deine Majestät in einem Briefe zu wenden, als ob einem unbekannten Menschen ein solch vertrauliches Nahetreten ohne weiteres erlaubt wäre. Aber von deiner außerordentlichen Freundlichkeit, die man so sehr lobte, erwarte ich eine billigere Beurteilung meines Tuns. Ja, ums zu gestehen, wie die Sache liegt, – nur im Vertrauen auf deine Fürsprache habe ich mir eigentlich diese Widmung vorgenommen, die ein Zeugnis meiner Ergebenheit gegen die ganze königliche Familie sein sollte, besonders aber dich jetzt als Genossen der hohen Tugenden deines Vaters und wohl bald als ihren Erben nennen sollte. Denn ich habe von zweien meiner Landsleute, die in Eurem Schutz und Dienste stehen, vernommen, dass du unter den Vertretern der Wissenschaft besonders die begünstigst, die sich treulich mühen, die reine, wahre evangelische Lehre von hässlichem Aberglauben und barbarischer Torheit zu säubern, und dass du auch mich unter diese Männer rechnest. Inwieweit ich dazu geschickt bin, darf ich ja selbst nicht hervorheben, damit, was ich vorhabe, nicht unglücklich ausgeht; aber da ich mir durchaus bewusst bin, kein anderes Ziel meines Strebens zu kennen, als dass der Gottesdienst rein in Kraft trete und die himmlische Lehre ihren wahren Glanz und die Ehrfurcht, die ihr zukommt in der Welt, wiedererhalte, so nehme ich dein Urteil über mich gerne an. So kommt es, dass ich mich gar nicht scheue, deine Majestät in diesem Briefe zu bitten, du wollest nicht nur die dir ehrerbietig dargebrachte Gabe freundlich aufnehmen, sondern auch bei deinem Vater Fürsprache einlegen, damit durch ihn die Nützlichkeit des Buches weit und breit bekannt werde. Denn nicht der Ehrgeiz trieb mich, mein Werk mit so erlauchten Namen zu schmücken, sondern der Wunsch, es möchte denen, die schon von selbst laufen, den Mut noch erhöhen und zugleich den Untertanen Eures Reiches nützen. Lebwohl, allergnädigster König. Der Herr erhalte deine Majestät lange gesund und blühend; er leite dich mit dem Geiste der Klugheit, Stärke und Gerechtigkeit und mache dich mehr und mehr reich an all seinen herrlichen Gaben. Amen.

Genf, 26. Februar 1559.

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