Calvin, Jean – An die evangelische Gemeinde in Paris.

Calvin, Jean – An die evangelische Gemeinde in Paris.

Nr. 540 (C. R. – 2715)

Weggelassen sind Tröstungen und Mahnungen und nur das gegeben, was sich auf des Gallars bezieht; dieser kehrte bald nach Genf zurück.

Über des Gallars Lage.

– – – Da nun diese Verfolgung über Euch gekommen ist, bitten wir Euch wohl zu erwägen, ob seine Gegenwart Euch nicht eher schädlich als nützlich ist. Der heilige Augustin gibt den klugen Rat, wenn eine Gemeinde verfolgt wird, ohne dass man ihren Hirten sucht, so dürfe er, der das Amt hat, die andern zu stärken, sie nicht verlassen. Sei aber die Absicht der Verfolger, die Gemeinde in der Person ihres Hirten zu treffen, so sei es besser, er ziehe sich zurück, um durch seinen Weggang die Wut der Feinde zu stillen. Er redet dabei von solchen, die fest am Orte wohnen und zur Leitung der Gemeinde bestellt sind. Da nun unser Kollege nur zu Euch gekommen ist, um die bestehende Lücke auszufüllen, bis man Euch richtig und für lange versorgen könnte, so seht wohl zu, ob es nicht besser wäre, etwas, was die Wut der Feinde entflammen kann, einfach zu entfernen; denn wir vernehmen, dass das Gerücht von noch schwererer Verfolgung und Drangsal spricht, die man gegen Euch vorhat. Wir wollten Euch nur daran erinnern; denn wir trauen Eurer Klugheit zu, dass Ihr selbst allen diesen Schwierigkeiten zuvorkommt, da die Notlage, die Ihr vor Augen habt, Euch schon Rat geben wird in diesen Dingen. Nur dürfte sein Rückzug Euch nicht ein Anlass werden, Euch zu zerstreuen; denn jetzt mehr als je müsst Ihr Euch um die Fahne scharen, da Ihr Eure Schwachheit kennt und wisst, dass der Satan in seiner Schlauheit nichts will, als Euch auseinander reißen, um Euch so ganz verschwinden zu lassen. Darum haltet fest und eng zusammen und fleht einmütig, gleichsam wie aus einem Munde, zu dem, der verheißen hat: wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen [Matth. 18, 20]. Und nun, sehr liebe Herren und Brüder, empfehle ich mich Eurem Gebet, und auch wir wollen unsrerseits den Vater im Himmel bitten, er möge Euch behüten unter dem Schutz seines Sohnes, Euch stärken in unüberwindlicher Festigkeit, Euch leiten durch seinen heiligen Geist in aller Klugheit, Geradheit und Einfalt, Demut und Festigkeit, und Eure Feinde im Zaum halten, bis er sie einmal gründlich beschämt.

16. September 1557, aus unserer Versammlung.

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