Katharina Zell an Ludwig Rabus

Katharina Zell an Ludwig Rabus

Lieber Herr Ludwig! ich hab euch zu Straßburg vor einem Jahr, einen freundlichen, müterlichen und wahrhaften Brief, aus grossen Ursachen geschrieben und zugeschickt, denselbigen habet ihr mir unfreundlich und zugeschlossen wiederum geschickt, und nit wollen lesen, das hat mir wol wehe gethan, als einer die euch geliebt, auch Ehr und Guts bewiesen, nach meines frommen Manns Abscheid, auch helffen fördern nach meiner Maß, dahin ihr kommen sind. Ich hab es aber auch mit Gedult können aufnehmen und tragen, als einen Mangel und Unerfahrenheit eines jungen Manns, der zu früh, und vor der Zeit auf den Altar gesetzt ist worden, hab gedacht Jahr und Verstand kommen mit der Zeit mit einander, so sind auch zwölf Stund im Tag, und zwölf Monat im Jahr, der HErr Christus könne alle Ding wol ändern, und Verstand geben, hab es demselbigen also befohlen, und kein arges Herz gegen euch tragen, wie wol es euch übel angestanden ist, und ihr trotzlicher gegen mir gehandelt habet, dann der Bischof von Straßburg, dem ich räuchere Briefe geschrieben und zugeschickt hab, und er mir doch derselbigen keinen wiederum geschickt, sonder behalten und gelesen. Ich habs aber euch mit einem milten Herzen lassen hingeben, um eines ehrsamen Raths und gemeiner Burgerschaft willen, die euch sehr geliebet, und vielmehr Hülff, Ehr und Guts bewiesen, dann den Alten, in deren Arbeit und Ackerwerk ihr kommen sind. Ich hätte mir auch fürgesetzt hinfür gegen euch zu schweigen, und den HErrn im Himmel mit euch lassen handeln. Dieweil ich aber in meiner grossen und langwierigen Krankheit gehört und vernommen hab eueren undankbaren, schnellen, unfreundlichen und ärgerlichen Abscheid, den ihr von der Stadt Straßburg, heimlich und ungesegnet einer ganzen Burgerschaft, ja auch euerer Mitprediger und Brüder gethan habet, da ist es mir zu Herzen gangen, von derenwegen, die klaghaftig und betrübt zu mir kommen sind, und hab es nit können lassen, so bald ich die Feder wiederum hab führen mögen, euch noch einmal zu schreiben, und ein klein Gespräch mit euch zu halten, euers thörlichen Abscheids halben, hof, ihr werdet mir es nit ungelesen wiederum schicken, wie vormals, sondern wie ihr euch auch geänderet, in Gemüth und Willen, daß ich also ein gute Stund im Tag, oder guten Monat im Jahr, betroffen habe, daß ihr meinen jetzigen Brief lesen, und mit Demuth bedenken werdet, begehre auch von euch freundlichen Bericht darüber, wo euer Handlung mehr Glimpfs und Recht hätte, dann ich es verstehen kan. Zum ersten, weiß ich wol, daß ihr etliche Zeit, mit einem ehrsamen Rath und Oberkeit gehandelt habet, den Päbstlichen Abgott wieder auszutreiben, aber dasselbige nit mit Verstand und rechter Weiß gethan, und fürwahr schimpflich, daß ihr einer Obrigkeit (die noch zum Theil zwischen Christo, und der Welt schwebt) so schnell aufbieten, und drey Tag setzen, als wann der Teufel so ein kleiner und schlechter Fürst seye, wo er einziehet, daß er sich so bald wiederum lasse ausjagen, so mit kleiner Arbeit, und aber mit grossem Muthwill, Hoffarth, Geitz, Eigengesuch, Danzen, Gumpen und andern Lastern, die noch auf allen Gassen zu Straßburg, Ulm, auch anderen Städten, und bey Fürsten und Herren lauffen, ja ihren vollen Lauf und Gang haben, und habet vergessen, daß Christus sagt, dieß Geschlecht wird nit austrieben, dann mit Beten und Fasten, und so der Teufel wiederum zu seinem ersten Hauß kehre, so nehme er sieben bösere und schalkhaftigere Teufel mit ihm, dann er seye, und werde denn das Letzt ärger dann das Erst, und ihr meinet solche grosse Potentaten der Höllen und Welt sollten euch in dreyen Tagen weichen? Ihr habet auch nicht bedacht, die Red der heiligen Frauen Judith, wie sie die zu Bethulia schlate und strief, die doch fünf Tag setzten, und sie sagte: Wer sind ihr, daß ihr dem HErrn ein Ziel stecket seiner Hülf, und bedenket nicht des HErrn Zorn, den Werth und billiche Straf euerer Sünden, und gab einen andern Rath, wie man sich vor GOtt demüthigen sollte, darum gab ihr GOtt ein herrlich Mittel, daß durch sie des Königs Hauptmann verdarbe, und dem Volk geholfen ward. GOtt, GOtt, muß es thun, es ist fürwahr unweißlich von euch allen gewesen, ihr habet kein Exempel, weder von Christo, noch seinen Apostlen. Das möchte aber euch wol baß seyn angestanden, daß ihr so heftig an der Wehr wäret gestanden, da man ihn eingelassen hat, da möchtet ihr mit bessern Fugen gesagt haben, lieben Herren und Brüder, ihr wisset, wie diese Stadt so mit grosser Arbeit erbauet ist worden, durch die gnädige Heimsuchung  GOttes mit dem ersten Arbeiter, Mattheo Zellio, zugleich auch Wolf Capito, Bucero, Hedione, als zugestelten Mitarbeitern, die haben euch und uns ein Fundament gelegt, das ist Christus, ausser demselbigen kan niemand keins legen, und darauf haben sie gebauet. Dieweil wir dann in ihre Ernd und Arbeit getreten sind, so wollen wir den Feind und Verderber desselbigen Baues und Gewächses nicht neben uns haben, sondern ehe darvon gehen und uns zu andern wenden. Wiewol ich dannoch nit sagen darf, daß ihr auch dazumal recht daran gethan hättet, bey einer solchen Freundlichkeit und treflichen Handlung der geängstigten Oberkeit, auch Ernst, Fleiß und Kümmernuß der Burger, da es allenthalben Zusammenhalten, Vermahnen, Beten, und Tröstens Noth war, nit darvon lauffen, das Hauß lassen brennen , und die Menschen darinn verderben rc. Es wäre aber euch dennoch dazumal bas angestanden, und ehe zu gutem aufgenommen worden, dann jetzt also ein neue Aufruhr und Unruhe zu machen. Was habet ihr doch zu klagen gehabt? Sind nit euere Kirchen alle voll gewesen? Ihr habet doch die Ehre, Liebe und Gunst, und jenne die Schande, Haß, Spott und Verachtung gehabt. Wo sie eine Person haben, da habet ihr vierhundert und mehr. Wer sind sie auch die zu ihnen gehen, eben die, so ohne das einen andern GOtt gesucht, das verlohrne Kind und etliche alte böse Weiber, die auch in der Jugend Pfaffen und Studenten gedienet haben, die haben längst den Haft-Pfennig vom Satan genoommen, müssen wol aus dienen. Lieber was sind euch die angegangen, zu dieser Zeit, da der Schall des Evangeliums in alle Land ist ausgegangen, und niemand mehr verborgen? Sagte nicht der heilig Paulus zu seinen Christen, was gehen uns die da aussen an? Thut von euch selbst hinweg, was Böß ist. So wollet ihr dem feindseligen Pabst seine Kirche reinigen, und habet die euere noch nit gereiniget, und wollet den Staub (wie ihr gesagt habet) von den Schuhen Schütlen, und habet keine Ursach, noch Befelch oder Exempel, sonder einen Eifer mit Unverstand aus einem hitzigen und schnellen Geist der sich doch auch bald kühlen läßt. Der HErr Christus sagt: Wo man euch nit hören will, da gehet von dannen, und schütlet den Staub auch von euch zum Zeugnuß über sie. Und so man euch aus einer Stadt verjagt, so fliehet in eine andere.

Ach lieben Herren! hat man euch zu Straßburg nit hören wollen? Wie sind euch dann so viel hundert Menschen mit so grossem Fleiß nachgeloffen? So hat man euch nit aus der Stadt gejagt, sondern hoch gebeten darinn zu bleiben. Wie konntet ihr dann mit gutem Gewissen in eine andere fliehen? So hat man euch auch nit in Band und Gefängnuß geben, wie etlichen geschehen ist. Wer hat euch dann verjagt oder vertrieben, oder nit wollen hören? Man hat euch doch allenthalben hochgeehrt, oben angesetzt, geschirmt und gehört, mehr dann ihr etwann recht habet gehabt. Ihr sind viel aus der alten Fußstapfen, Lehr und Leben getreten. Es hat euch das gutwillige Straßburg, alle in eurer Armuth und Jugend aufgenommen, und eueren Mangel erstattet, und so ihr (wie GOtt im Propheten klaget) fet- und wolmögend sind worden, so gedenket ihr der vorigen Tagen nimmer. O lieben Herren! Ihr sind noch nit die, die den Staub abschütlen sollen, ihr sollet euch wol stauben und schütlen, wie ein Müller- und Becken-Knecht, je mehr er sich schütlet, je staubiger und mehliger er wird. Es ist nit eines jeden Kunst und Verstand nach des HErrn Sinn und Geist den Staub von den Schuhen schütlen. Es schütlet mancher Staub zum Zeugnuß über andere ab, und henket Gold und Silber an, Zum Zeugnuß über ihn. Den Rath wollt ich euch geben haben, und noch, daß ihr also gedacht hättet, wir, unsere Väter, Könige, Propheten und das ganze Volk, haben alle gesündiget, GOtt und den HErrn Christum beleidiget, ein bürgerlich weich Evangelium gemachet, und wie St. Petrus klaget, unsere Freyheit zum Deckel der Boßheit gebraucht, daß der Namm Christi auch bey den Ungläubigen, um unsertwillen hat müssen gehasset und verspottet werden, deßhalben GOtt über uns erzörnet, und diese Straf über uns erwecket, und sollte uns gehen, wie dem Volk GOttes, da Jesemies gen Jerusalem kam und sagt ihr habet den HErrn erhörnet, darum er euch in Gefängnuß der Heyden und in die Hände euerer Feinde gegeben hat. Und wie ich das hölzin Joch aus des HErrn Befelch an meinem Halß trage, also müsset ihr aus des HErrn Uebergebung unter das Joch des Königs von Babel kommen, und wideret euch nur dessen nicht, oder es wird aus dem hölzernen Joch ein eisernes werden. Das wil ich euch aber sagen, so ihr hinein in das Land kommet, so werdet ihr viel Aergernussen und falschen Gottesdienst finden, da luget und verwahret euere Herzen, daß ihr euch ihre goldenen und silbernen Gözendienst nit lasset verführen, und bleibet steif, und stet an euerm GOtt, der euere Väter errettet hat, der wird euch (so ihr an ihm bleibet) auch wiederum aus eurer Feinden Händ erretten, und zu dem heiligen Tempel bringen. Viel waren, die Jeremia fluchten und ihn gefangen legten, und meinten, er sagte Lügen. GOtt, sprachen sie, wird sein Volk nit also verlassen. Die nahmen ihren Werth daran, die andern mußten die Buß und Schand tragen, es wurde ihnen aber wiederum geholffen, wie man das alles lesen mag, der Länge nach im propheten Jeremia, vom 26. Cap. an bis auf das 40. wie sie sich rungen und wunden, und jeremiam schlugen und schmähten, ehe sie sich wolten unter das Joch geben. Wie hielt sich aber der heilig Daniel, der doch freylich unschuldig ware, noch gabe er sich unter das Joch, nach des HErrn Red, durch Jeremiam, und bettet täglich zu GOtt für sein und des Volks Sünden, dienete dabey dem König treulich, ohne im Gözendienst, da thate er (über das Gebott des Königs und seiner falschen Amptleuth) seine Fenster weit auf, und bettet öffentlich gegen Jerusalem seinen GOtt an. Also lieben Herrn! wie meinet ihr? Hätten wir auch also gethan, und noch, die Schand und Schmach, die wir wol verdienet haben, auf uns genommen, und aber mit Daniel in grossem Ernst und Beklagung unser aller Sünden gedemüthiget, und für unsern GOtt gefallen, ihn um Hülf und Erledigung angeruft, und unser Leben gebessert, er wurde den Abgott Bel wol zerstöhret, dem könig die Fußtrit der Pfaffen Büberey im Tempel durch Daniel gezeiget, und den Trachen zersprengt haben. Aber mit unserm gleichßnerischen, Evangelischen Ruhm, Hoffarth, Pracht, Geitz, Danzen, Gumpen und allen Werken, die der Welt und dem Fleisch zugehören, und wir noch treiben, werden wir es nicht thun, der Abgott muß uns zur Schand vor der Nasen stehen, und täglich einen Scheiß lassen, der unsere Seel betrübt und stinkend macht. Wer hat lieben Herrn! die Schand und die Feinde auf unsern Halß gebracht, dann unsere Sünden, die haben den HErrn gereitzt; Buß in Christo, mit GOtt versühnen in wahrem Glauben und Besserung unsers Lebens, das muß sie wiederum von uns nehmen. Was grosser Angst, Forcht und Kleinmüthigkeit hat GOtt nach grossem Pracht in alle Fürsten, Städt, Adel und alles Volk geben, die mit Petro bey Christo sterben wollten? Haben sie ihn nit endlich verläugnet? Hätten sie noch ein Interim ungeheissen können schmiden, sie hätten es gethan. Wie auch ein Fürst dem Kayser angeboten, wo sein Majestät etwas mehr könnte gedenken, wollte er gehorsam seyn, der doch fürhin für David gehalten ward, der den Goliat wurde umbringen. Ist aber weit gefehlt worden. Auch seinem Sohn ist nit geben, den Tempel zu bauen, wie Salomon. Was haben dann unsere Gelehrten eins theils gethan, die auch ein jung Interim mit Mitteldingen wollen machen? O wie hat sich in denen Dingen allen, Herr Taler und Frau Forcht mit ihren Begierden gehalten? Ach wem ist nit sein Herz in diesen Sachen und schweren Zeiten genommen? Warum sind ihr dazumal nit so keck gewesen? Wer hat aber diese Dinge alls gethan? Dann der GOtt, der jetzt könftig Osteren 32. Jahr, allen Fürsten, Herren, Adel und Städten, auch das Herz nahme, und gab es den Bauren, damit zu zeigen, wie Daniel sagt: Daß der höchste Gewalt hat, über der Menschen Königreiche, und giebt sie, wem er will. Also nahme er es auch den Bauren wiederum, und gab es den Oberherren wieder, und zeigte ihnen aber damit die Ruth, was er wol thun möchte, wann er wollte. Wie sie es aber mit Dank und Demuth, ja Baurenmörden, auch Weib und Kinder tiranisch schetzen und verderben haben angenommen, und GOtt nit die Ehr geben, hat man wol gesehen, wird alles behalten biß zum Gericht. Also wir auch, da wir die gnädige Heimsuchung GOttes nicht erkannt und den HErrn Christum zum Deckel, ja Patronen unserer Mißhandulng gemacht haben, und wo uns GOtt länger zugesehen, unser Evangelium zur lauteren Gleichßnerey gerathen, und schier ärger dann im Pabstum worden wäre, da hat es aber GOtt und sein lieber Sohn, aus Liebe seiner erwehlten nit mehr können leiden, und diese Feind über uns erweckt, in deren Hand, Gewalt und Abgötterey, wir also uns zur Schmach und Schand, mit Forcht und Schrecken haben müssen geben. Wie aber Jeremias das Volk treulich gewarnet, sich in ihrer wol verschulten Schmach und Gefängnuß zu hüten, vor dem falschen Gottesdienst, und der liebe Daniel samt andern gefolget, die Forcht gegen ihrem GOtt behalten und denselbigen öffentlich ohne Scheue und Forcht angebetet und verehret. Also haben uns auch der HErr Christus und seine lieben Apostel, Paulus, Petrus und Johannes, in unserer wol verschuldten Straf auch treulich gewarnet, wann wir den wüsten Greuel sehen werden, wie wir uns halten sollen, und vor aller Abgötterey uns hüten, nit darvon lauffen, sonder unsern GOtt öffentlich bekennen, Ehren und anbeten, bey ihnen bleiben, und solches mit unserm Christlichen Leben bezeugen, daß das Gegentheil falsch und Lugen seye. So wollet aber ihr euch lieben Herren! nit demüthigen unter die gewaltige Hand GOttes, und die Straf mit dem Volk nit annehmen, ehe darvon llauffen, und euer Volk verlassen, als ob ihr nit auch gesündiget, sonder ganz rein wäret, und ihr doch wol mehr, dann das Volk, mit allen vieren in Dreck gefallen sind, mit Lehr und Leben, und der alten Fußstapfen schier verlohren habet, dessen ihr kein Exempel vom HErrn Christo habet, auch nit von den Aposteln. Da man sie schon zu Jerusalem für den Rath stellte, und mit Ruthen schluge, und waren doch der Gläubigen noch wenig, und der mehrer Theil zu Mördern an Christo worden, blieben sie dannoch da, und bezeugten den HErrn JEsum, daß ihn der Vater zum HErrn und Christo gemacht hätte. Ihr habet es auch nit im heiligen Paulo, der in einer höhern Schul gelernet, und mehr geeiferet um Christo und seine Kirch, dann ihr. Da er auch nit ganze Städt gehabt, sonder in einer jeden Stadt und Orth (auch an des Kaysers Hof) nur ein klienes Häuflein, um derenwillen er gesteiniget, mit Ruthen geschlagen, und halb todt ist ligen blieben, doch hat er nit abgelassen, die seinen heimzusuchen und zu trösten, auch in abgöttischen Städten und orthen. O lieber Herr Ludwig! hätte ihn die heidnische Oberkeit bey seinen Glaubens-Genossen lassen bleiben, wie gern hätte er es gethan? So euch jetzt eine Gottsförchtige Oberkeit, nit allein gern bleiben lassen, sondern euch auch viel Ehr und Guts bewiesen, ja für apostel gehalten, und so hoch ermahnet und gebeten, das Volk nit zuverlassen, euere unweise, unbilliche Schändung und Lästerung über fromme Leuth, lassen unverschämt treiben, mehr dann sie sollten und euch gezimet hat, ja auch euerm Amt und Person übel angestanden ist. Wie sollte man euch noch thun? Ist aber euere Conscienz so hoch beladen zu Straßburg gewesen, des Abgotts halben, warum habet ihr dann nit zu den Herren von Ulm gesagt, thut vorhin eueren Abgott hinweg, alsdann will ich kommen; dann ich fliehe zu Straßburg, sollte ich ihn dann zu Ulm finden? Ich glaub aber ganz ernstlich in meinem Herzen, daß GOtt Straßburg zu Gut, und euch zur Straf und Schand, solches in euch hat lassen fürgehen, und euch blind gemacht, daß ihr euch selbst ganz beredt habet, ihr thuet Gott einen grossen Dienst, und wollet viel Ehr erjagen, als wann euch die hohe Andacht und Eyfer der Ehre Christi so gar ängstige, und übel trucke, den Abgott also zufliehen, wo nit auch etwas anders mehr (das zugedenken) mitgeloffen ist rc. Was habet ihr aber einem ehrsamen Rath, der euch so viel Ehr und Guts bewisen, und so viel grosser Wahlen, und mehr dann vonnöthen, ja Recht ist gewesen, fürgeschlagen hat (und einer ganzen Burgerschaft, die euch so lieb gehabt) bezeuget? Sind ihr mehr eyfriger, dann der lieb Moses, der gieng doch nit von seinem Volk, wie oft sie den HErrn erzörneten, und auch ihn versteinigen wolten, noch stund er für sie bey dem HErrn und bat HErr verzeihe deinem Vol, oder tilge mich aus deinem Buch. Darum sagt der heilig Paulus, er sey als ein Knecht treu gewesen im Hauß GOttes, da ihn dannoch die Kinder im Hauß haben wollen töden, wie er GOtt klaget, Ach GOtt wie sind ihr dann so untreu im Hauß GOttes gegen denen, die euch nit gehasset, gescholten noch gesteiniget, sonder geliebt, geehrt, bekleidet, geladen, und oben angesetzt, auch für euch gebeten haben? Da ihr aber je so grossen Eifer, für die Ehr und das Hauß GOttes gehabt habet, warum habet ihr dann nit gethan, wie der HErr Christus, der nit das Volk verlassen, und von ihm geloffen, sondern sie treulich gelehrt, vermahnet, gespeiset, gesund gemacht, und vor dem Saurteig und Gleichßnerey der Pharisäer und Schriftgelehrten gewarnet, aber den Pharisäeren selbst in ihre Ohren das Liedlein vom ewigen Wehe gesungen, uns sie mit Geißlen aus dem Tempel geschlagen, die Wechsel- und Krämer-Bank über einen Hauffen geworfen, wie von ihm geschrieben stehet, der Eyfer deines Hauses hat mich gefressen. Ach GOtt hat euch der Eyfer der Kirchen und Christi auch also gefressen und ist euer Gewissen und Conscienz so hoch vor GOtt angesetzt gewesen, warum habet ihr dann solchen Eyfer nit über den Abgott lassen ausgehen, denselbigen samt seinen pfaffen zur Kirchen hinaus geworfen, wie etliche nit so hoch gerühmte, noch gelehrte, aber hochgläubige, die vergangen Jahre solches gethan haben, und den Glauben in die einige Kraft Christi bezeuget, wie wol ich es weder euch nocht jemand heissen noch rathen wollte: dann O die Alten haben einen höhern Geist dann ihr gehabt, und solches nit gethan, aber ihr Leben treulich zu der Kirchen gestellt, wie auch der heilige Ambrosius, der ein rechter Bischof war, von des Kaysers Gebot wegen nicht weichen wollte, da ihm schon hoch getrohet und die Macht und Gewalt des Kaysers ward fürgehalten, zog er das Exempel des lieben Naboths an, der dem König Achab, seinen Weinberg nit übergeben wollte, und sagte: Das laß der HErr fern von mir seyn, daß ich dir meiner Väter Erbe übergeben sollte, und deßhalben von der bösen Jesabel, des Königs Achabs Weibe, sein Leben verlore.

O HErr GOtt wie ziehet das der heilig Ambrosius so herrlich an, daß ihm auch nit geziemen wolle, den Weinberg und Kirchen GOttes zu verlassen, den er auch ererbet hätte von Christo (der ihn mit seinem Blut erarbeitet) und seinen Apostlen die ihn treulich begossen und gepflanzet hetten, so ernstlich befohlen, ehe wolle er auch darüber sterben. Dieß und dergleichen viel schöner Exemplen stellt euch für! Lasset ihr doch grosse Bücher in Truck ausgehen, daran ihr viel Gulden und Taler verdienet, wie vergesset ihr es dann so gar, daß ihr ihm nit auch also nachkommet? Es ist wol gut andere zu lehren. Der HErr JEsus sagt aber, der es lehret und auch thut, der ist groß im Himmelreich. Wo hat nun euch der Kayser, oder die Oberkeit heissen von euerm Weinberg gehen, daß ihr ihn so schandlich verlassen, ohne Wissen einer guten Burgerschaft, die es nicht um euch verdient hat? Ihr habet eben gethan, wie einer, der hinder die Thür scheisset, und er hinaus lauffet. Ambrosius sagt: hat Naboth seines Vaters zeitlichen Weinberg und Erb dem König nicht wollen geben, ehe sein Leben gelassen, o wie wollte dann uns Bischöfen gezihmen, den geistlichen Weinberg zu verlassen über den wir gesetzt sind, zu weiden die Herd Christi? Das solltet ihr alles in heiliger GOttesforcht bedacht haben. ich sage euch aber noch einmal, daß euch GOtt geblendet, eueren Stolz, Pracht und Frefel (den ihr über die alten Bekenner Christi todte und lebendige geführt habet) nit mehr hat wollen leiden, und euch selbst ein Gewissen lassen machen, da ihr doch keines gehabt habet. Lieber ersuchet euer Gewissen mit Ernst, ob euch nicht der Keib und Hoffart, des obersten Amts unter euch gedruckt habe, daß ihr Superintendent, der oberst Aufseher heisset, damit ihr die andern armen schwachen Helfer und Prediger, im Zwang und Gehorsam führet, wider ihr Gewissen oder Unverstand, nit höher oder niederer zu gucken, glauben, noch predigen, dann was ihr ihnen fürschreibet, darum habet ihr auch diesen Namen und Amt erdacht, daß jedermann in euere Gehorsam gehe, oder zu Stadt und Land aus, und hoch verachtet, bey der Oberkeit und jedermann zu machen.

O HErr GOtt! ist das nicht etwas vom Pabst und seinen Bischöfen gelehrnt? Und wie der heilig Petrus sagt: Herrscher über das Erb Christi seyn, und wie die Bischöf im Pabstum, ihnen die herrlichen Namen zugeeignet, und alle Welt in ihrer Gehorsame haben müssen einher gehen, so doch der HErr JEsus sagt: Ihr aber nicht also, sondern welcher unter euch mehr weißt und kan, der seye euer Diener. Ach GOtt habet ihr nach solcher Herrheit gen Ulm gestellt, daß ihr viel Städt und Dörfer unter euch habet, wie der Ruhm und Sag gehet, was grosser Sorg und Angst werdet ihr dann in euerm Herzen haben, die euch den Schlaf wol brechen sollte, und für GOtt eine grosse Rechnung sammlen? Ach GOtt wo will es zuletzt hinaus! Luget, kommet nicht dahin das Pallium zu Rom auch zu kauffen, daß ihr euch Ruhe schaffet, und andere aus euerm bischöflichen Amt und Gewalt zu senden habet, damit ihr Zeit habet viel Thaler im Druck zu verdienen, GOtt gebe was für Geist und Nutz in der Feder lauffe, muß aber alles im Namen der Kirchen Nutz geschehen. Du arme Kirch! must du dann immer den Namen tragen, den doch du und dein Gespons Christus nie begehrt haben? O Kirch, Kirch, wir suchen (wie wir sagen) alle das Heil und Nutz der Kirchen, wann man aber einen kleinen Buchstaben dannen thut, was wird es dann werden? Ich mein der HErr JEsus ware Superintendent, da er in der Höhe am Creutz hieng, und die seinen zu ihm zog, und seine Apostlen, da man sie mit Ruthen schlug, und zun Städten ausjagte. Was ware auch Christus, da er seinen Jüngern die Füß wusche, und sagte, ihr heisset mich Meister und HErr, und recht, ich bins auch, so hab ich euch hier ein Exempel geben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe? Und strafet sie, da ein Zank unter ihnen war, welcher der Grösser unter ihnen seyn sollte, sagte ihnen vom Kelch des Leidens, nit von zweyen, dreyen seidenen Hüten, Superintendent und Doctor werden, der Höchste seyn und dergleichen Gauckelwerk, damit ihr jetzt umgehet. Ach du frommer Wolf Capito und frommer Matheus Zell, wie ist euere fromme Einfalt so gar mit euch begraben? O selig sind aber ihr, daß ihr ausser diesen hochgelehrten Hauffen kommen sind. Aber wo es eine Gemeind bedächte, sollte sie nimmer aufhören zu weinen für ihre Kinder, da schleichend und heimlich, ehe sie es wahrnehmend, wiederum kommen wird, das unsere Alten kaum ausgewurzlet haben. Wolan ich komm zu weit in die Sach, lieber Herr Ludwig! wiewol wann es Frucht brächte, als es aber nit thut, hätte ich noch viel zu sagen und zu schreiben. Ihr jungen Männer habet Unkraut nit helfen ausreuten, darum kennet ihr es auch noch nit recht, und pflanzet einen Theil selber wiederum ein. Ich weiß wol (wo GOtt nicht wehret) wo unsere Nachkömmlinge hinkommen werden, in kurzen Jahren. Nun wir wollen weiter, wann ihr wolltet sagen, ich lüge, ihr hättet dieß alles nit gesucht, sondern allein die Ehre Christi, den Abgott zu fliehen. O das hab ich euch zuvor verantwortet, erfahret euer Herz im Grund baß, was der Doctor in euch gekocht hat, den ihr in kurzen Tagen an euch gebracht, aber viel höher Sachen betrachtet, wohin ihr dadurch kommen möchtet. Der heilig Paulus und der gekreutzigte Christus haben es euch nit gelehrt. Was hat eine arme Gemeind darzu können thun, die des Pabsts Kuchen-Meister, die Meß eben so übel hasset als ihr, und euch nachgelauffen ist, gehört und geliebt hat, ja zu viel ein Abgott aus euch gemacht, daß sie GOtt hat müssen lassen sehen, was der Mensch ist, und grosse Leuthe (wie David sagt) auch fallen. Und welche Blumen früh aufgehen, die verderben auch gern wieder. Habet irh aber allein den Abgott geflohen, wie ihr viel Leuthe (aber nit all) beredet, warum sind ihr dann erst zu ihm gezogen? Warum habet ihr euch nit anders wohin gethan, zu armen, frommen Leuten, im Dorf und Flecken, da keiner ist, und die armen auch Trost und Ermahnung bedörfen, und baß dann die Reichen, die ihren trost in ihrem vollen Reichthum haben. Oder was Glücks hat der Abgott zu Ulm, weder zu Straßburg, da ihr ihn jetzt auch näher am Hauß und zum Nachbauren habet, dann zu Straßburg: Ja saget ihr, es ist ein alter Münch und dörfe nicht predigen. Ach GOtt ist er darum desto besser? Er prediget mir lieber, dann daß er Meß hält, es ist kein Päbstler so schamlos, er muß dannoch von Christo und seinem Evangelio sagen, und jetzt mehr dann je bekennen, daß Christus allein der Heyland sey; die Meß aber streitet mit all ihrem Wesen wider den hohen Verdienst und Blut vergiessen Christi, stellet sich neben ihn, will auch Sünd verzeihen, und Guts verdienen, hebt ein stücklein Brot auf, darvor fält man nieder und betet es für GOtt an, darum fliehet sie billich, wer verständig ist, mehr dann die Predig, wiewol dieselbig auch nichts von ihnen werth ist. Ja saget man, sie ist in einem Winkel und Kloster, man achtet ihr nicht, und hoffet sie soll auch bald hinweg gehen, hätte man sie zu Straßburg auch in ein Kloster gestossen, und das Münster frey gelassen. O liebe HErrn! ich merke wol, ihr meinet unser HErr GOtt sey alt, sehe nicht mehr wol, es irre ihn nichts, was im Winkel geschicht, die hochen und grossen Tempel sihet er nur, lieber gilt es ihm nicht gleich an welchem Orth man wider ihn thut, zu Ulm im Winkel, oder zu Straßburg im hohen Münster. Er will es allenthalben strafen an denen, so es thun. Trang nit Pineas den zweyen Huren und Buben nach in Winkel, da sie übel thaten vor dem HErrn, und erstache sie beyde, stund also für den Riß in Israel, wandt ab den Zorn GOttes, daß der Plag gewehret ward? Also thut ihr auch, hat euch der gut Geist gen Ulm tragen, GOtt siehet eben so wol, was im Winkel geschicht, als was auf dem hohen Spitz und Münster geschicht. David sagt: Es ist bey ihm nicht finster, und er stellet unsere Feinde für seyn Angesicht an das Liecht rc. Daß ihr aber auch hoffet, sie werden bald abgehen, warum habet ihr euch solcher Hofnung nit auch zu Straßburg gehalten, da ihr von Privat-Personen, viel Trosts und Zusagens genug gehabt habet. Ihr habet aber eine Oberkeit gleich wollen nach euerm unzeitigen stolzen Kopf, in die Faust fassen, und so man es auch, wie etliche euer Mitprediger zu mir gesagt, in ein Kloster und Winkel gestossen hätte, und das Münster behalten. Ach GOtt der Hoffart, daß wir prächtig im Münster stünden, darum müssen viel Leute von euch verlassen seyn, daß sie kein Münster haben, so helffe GOtt vielen Armen auf dem Schwarzwald und Insulen, daß sie ohne eueren Dienst selig werden. Wisset ihr nit, wie es gehet, wann die Straf GOttes angehet. Der Tempel zu Jerusalem, auf den doch GOtt der HErr dem Salomon viel Zusagung gethan, und eine Figur Christi war, mußte dannoch zerbrochen, geplünderet, und aller Gottesdienst gar darnieder liegen, da die Juden fürhin immer schrauen, der Tempel GOttes, der Tempel GOttes, als ob er all ihr Gleichsnerey und Uebelthat beschönen würde, den nahm ihn GOtt durch die Feind aus den Händen und Augen. Darum auch der heilig Stephanus sagt: GOtt wohnet nicht in Tempeln mit Händen gemacht, und der heilig Prophet Esajas sagt: Der Himmel ist sein Stul, und die Erde ein Schemmel seiner Füssen, wo wollet ihr ihm dann eine Wohnung machen? Also hat euch GOtt diesen Tempel, das Münster auch aus den Händen und Augen müssen nehmen, da er euere könftige Hoffart gewußt. So habet ihr doch auch selbst das Volk so freundlich getröstet, in euerer letzten Predigt im Münster gethan (da der Doctor noch zu Tübingen, und die Einfalt und Gottesforcht noch bey euch war), da sagtet ihr, müssen mir schon aus der Kirche weichen, so wollen wir darum Christum nicht verlieihren, ja erst zu Bethlehem im Kühstal, unsern Herzen und zur rechten GOttes finden, dann zu Jerusalem bey den bösen Pfaffen und Gottlosen Pharisäern, sollte er nit geboren werden, und erkanntet selbst dazumal, daß uns GOtt billich gedemüthiget hätte. st es nun ein anders worden, daß wir nur groß und hoch oben an begehren zu seyn, wie ändert sich der Mensch, und bleibt nicht in einem Sinn und Wesen? wie Job sagte. Zum anderen muß ich mich auch wenig mit euch ersprachen, vom weissen Chorhembd, das ihr wie etwann die Münch-Orden Trutenhauser geheissen, und andere über den Roch anthun, dessen ich mich lang nit hab können bereden lassen, daß ihr es thun soltet, dieweil auch ihr, als ein junger Mann, in den vollen Lauf des Evangelii kommen, nie keins angethan, warum sind ihr nicht in solcher Freyheit blieben? Ihr habet euch doch etwann hoch gerühmt, daß ihr kein Caracter oder Zeichen des Pabsts an euch habet, und dessen eine sondere Freud und Hoffart gehabt, wie habet dann ihr jetzt euer selbst vergessen und seyd irr worden? Wisset ihr nit, daß ein klein stücklein Weyrauch in das Rauchfaß gelegt, ist schon dem Götzen gedient, und bekannt? Und der HErr JEsus sagt: Ein klein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Ihr sollet das Exempel des frommen Caspar Hedions, den ihr doch eueren Vater geheissen, wie er es auch gegen euch bewiesen, angesehen, und gehalten habet, da ihm so mit ernstlicher und hoher Red und Bitt war fürgetragen, von den Personen des hohen Stiftes und ihren Verwandten, er sollte das Chorhembd anthun, und das Evangelium nach aller Wahrheit predigen, und im Münster bleiben, sollte bedenken, was grossen Nutz er damit möchte schaffen. Da that aber der gut Mann, wie der alte fromme Machabeus, da ihm seine alten Freunde und Schul-Gesellen auch riethen und baten, er sollte nur thun als ob er Schweinen-Fleisch esse, er aber sagt, da behüt mich GOtt vor, daß der alt neunzig jährige Machabeus Gleichsmerey treiben, und den Jungen ein solch böß Exempel hinter ihm lassen sollte, ehe will ich die Marter leiden und ehrlich sterben, dann mit Schanden leben, daß ich wider GOttes Ehr und Gebot thun sollte rc. Ja also hat der lieb Hedion auch gethan, da ihm die Behaltung des Evangelii im Münster durch das Chorhembd so hoch ward fürgeschlagen, und er aber straks aufrecht bey der Wahrheit blieben, den Spruch des heiligen Pauli bedacht, man solle nicht Böses thun, daß Gutes daraus komme, des Pabsts Zeichen, wie klein es doch scheine, er es aber einmal um des HErrn Christi willen verlassen und abgethan, nimmermehr annehmen wollte, darum auch der böse Mann D. Hans Dischlin zu ihm sagte, er hätte ein Lust ihm selbst den Kopf abzuhauen, er aber beständig bliebe, GOtt sey Lob, daß er auch in heiliger Bekanntnuß der Wahrheit verscheiden ist, und ruhet in Christo, und truge doch jedermann Sorg auf ihn. Auf euch aber hätte man ein Hauß gebauet, wo ihr es gethan hättet in Noth und Trübsal, ich geschweige in fetten guten Tagen, aus der Freyheit in Gefängnuß zu gehen, GOtt behüt euch, daß nit weiter komme, ja abermal sag ich, was ist o HErr der Mensch? O selig die da im HErrn ruhen, und sie GOtt vor dem Unglück hinweg gezuckt hat, dieweil sie aufrecht gewandelt haben. Der heilig Paulus sagt, hütet euch vor allem bösen Schein, daß euer ganzer Mensch, Geist, Seel und Leib behalten werd unsträflich, biß auf die Zukunft unsers HErrn JEsu Christi. Ist nun das Chorhembd nit auch ein Schein und Vorlauf des ganzen Gözendiensts? Es hat es je kein Zimmermann oder Schuhmacher getragen, sondern des Pabsts Angehörigen. Wie wol ihr saget, es sey nichts, sonder ein Landsbrauch, so sage ich unzimlich Fressen, Sauffen, Spielen, Huren, Wucheren, heimlich und öffentlich mit dem Juden-Spieß lauffen, und andere viele Laster, sind auch Landsbräuche, und heissen etwan Kaufmanns-Händel, mit einem ehrlichen Nahmen geschmückt, die Christen aber haben einen andern Brauch nach der Lehr und Regel ihres HErrn, von dem sie den Nahmen mit der That haben, warum habet ihr nit gesehen, daß ihr mit dem geistlichen weissen Hembd und Wath seyd angethan worden, darvon Johannes im Buch der Offenbarung sagt, ihr habet thöricht gethan, ihr sollet nit so fleischlich (und euch überreden geistlich) aus einer Freyheit in eine Gefangenschaft gestellt haben, ihr hättet dann den Weg dem grossen, prächtigen Ernst nach Straßburg erzeiget, baß vorhin gefeget und zubereitet, ihr habet es aber vielleicht länger im Sinn gehabt, dann Straßburg gewußt oder gemeinet hat, dieweil euere Haußfraue, solch Chorhembd (als das Geschrey darvon zu uns ist kommen, und viel Aergernussen geben) gebillichet hat, und zu einer Ehrsamen Frauen gesagt, ihr habet auch lang zu ihr gesagt, es wäre dannoch fein, daß die, so sondere Ameter in der Kirchen hätten, auch sondere Kleidung brauchten. Ey du armer Pabst, was hat man dich geziehen, daß man dir solches abgezogen hat, so ist doch dem Narren Unrecht geschehen, daß man ihm sein Narren-Kappen gescholten hat, wer hätte aber gemeint, daß man noch weise Leute finden sollte, die sie anzögen. O Blindheit, wie gehet es, wann man bey Nacht ohn ein Licht wandelt? Lieber richtet eueren eignen Kindern ein neu Pabstthum auf, oder ein neu Judenthum, von dem diese Ding alle herkommen sind.

Zum dritten muß ich euch fragen, wo bleibt euer Beruf, ihr habet es doch für ein ordentlichen Beruf von GOtt und seinem Geist, wann euch die Oberkeit beruft und erwählt, so hat euch doch die Oberkeit zu Straßburg erwählt, beruft und eingesetzt, zu einem Pfarrherren und Seelsorger, oder Hirten des Volks, und euch nit wiederum geurlaubt, oder heissen dannen gehen. Hat es nun GOtt durch die Oberkeit gethan, und der Heil. Geist euch gesalbet? O wehe, wo bleibt dann jetzt derselbig göttlich Beruf? Warum sind ihr ihm so ungehorsam und trettet aus seinem Beruf und Geding ohne Noth? Wie ist der Geist so wetterwendisch in euch worden, und die Salbung entwichen? Wo bleibt der groß und prächtig Einsatz und Händauflegen, welches ihr jetzt vermeinet den Apostlen nachzuthun? Ich sage aber das nicht, des Pabsts Pfaffen-Weyhe wiederum herzu zu verhelfen. Der Apostel Händeauflegen ist ein anders gewesen, mit anderem Segen, Kraft und Geist gangen. Der Pabst hat auch wollen der Apostel Aff seyn, wohin es gerathen, hat Luther und andere wol erfahren, darum sie solches ausgereutet, bis ihre Leiber darob gebrochen. Da wisset ihr, ihr jungen und neuen Zukömmlinge nit von. Weiter frag ich, wo bleibt die Treu und Liebe des guten Hirten, der sein Leben lasset für seine Schaafe? Habet ihr auch dieselbigen gesegnet, und einem andern treuen Hirten befohlen? Haber ihr auch die Letze gemacht, die der heilige Paulus mit den Seinen von Epheso machte, mit viel Ermahnen, Gebet und Thränen, da er gen Jerusalem wollte, und sagte Band und trübsal warteten seiner allenthalben, und sie würden sein Angesicht nimmer sehen. Wie bildet er ihnen für, sein Arbeit und Lehr, die er drey Jahre, Tag und Nacht bey ihnen gethan hätte, mit Weinen, und ihnen befohlen, die Gemeind GOttes treulich zu weiden, die GOtt mit seinem eigenen Blut erworben hätte, und sie zu Bischöfen unter sie gesetzt? Es haben dannoch die jetzt seligen Marthin Bucer, und Paulus Fagius einen solchen Paulinischen Abscheid und Letze mit unsern vielen in meinem Hause gemacht, die doch nit Muthwill, sondern Noth austriebe, da ich sie aufnahm in ihrer Forcht, wie die Hur Rahab zu Jericho, die Männer von Josua gesandt aufnahme und verbarge, und wir so eine heilige, freundliche und Christliche Letze mit einandern machten, mit Ermahnen, Gebet und viel Thränen, einander dem HErrn Christo, als dem allein recht guten Erzhirten befohlen, das habet ihr alles nit gethan, sondern mit unapostolischer Weiß davon gezogen. Ists nicht also, ihr sind nicht von GOtt berufen mit Gebet der Brüder wie Mathias, weder zu Straßburg noch zu Ulm, oder ihr habet eine grosse Sünd auf euch geladen mit solchem Abweichen? So habet ihr auch nit die Salbung des H. Geists empfangen, noch seyd ihr von ihm zum Bischof unter die Gemeind GOttes gesetzt, ihr müsset sonst dem König Saul zu vergleichen seyn, der die Salbung empfangen, aber aus seiner Schuld und Mißhandlung wiederum von GOtt verworfen ward. So sind ihr auch nit ein guter Hirt; sonder ein Taglöhner und gedingter Knecht, der keine Liebe zu den Schaafen gehabt, und fliehet, ehe der Wolf kommt. O wehe des Hirten-Amts, wie hütet ihr so übel? Wie verbindet, salbet und heilet ihr die Schaafe? Ja weil sie Milch und Wollen geben, wie GOtt im Propheten klaget, ihr machet euch der Sünden theilhaftig, dieweil ihr aber euch für besser und gute Hirten und Diener Christi ausgebet, wird euch fürwahr der Erzhirt Christus, so er erscheinen wird, aus euerem Mund urtheilen, und nach eueren Werken richten.Wie weiß ich so viel betrübter Herzen, die euch lang und viel nachgelaufen sind, und dennoch nichts desto mehr getröstet worden, sondern wund ihn ihren Herzen blieben, warum habet ihr dieselben nit heimgesucht, getröstet, gesalbet und verbunden? Ja ihr habet wol etlich kränker gemacht (ich weiß wol, wovon ich jetzt rede) jetzt laufet ihr davon, wie ein böser Arzt und Schärer, die das Gelt von Leuten nehmen, und schütten ihnen viel wüstes Trank ein, zuletzt müssen sie doch sterben, und weichen sie ab. Ich muß noch ein thöricht Wort euch zuschreiben, wie ihr, lieber Herr Ludwig! ein Zeitlang euere Weisen geführet habet, so mahnet mich euer Hirten-Amt und Hüten der Schaafen eben wie in der Bauren-Schlacht, da kam ich in ein Dorf, die armen Weib und Kinder heimzusuchen, und zu trösten, da giengen zween junge Bauren-Knecht um das Dorf, und hatte jeder einen Stecken in der Hand. Ich fragete sie, was sie da giengen? Sie sagten, wir wollten das Dorf gern verwahren für den Feinden. Da mußte ich mit weinenden Augen lachen, (ach sagte ich) des armen Hütens und Verwahrens, o lieben Gesellen, David sagt im Psalmen: Wo GOtt der HErr die Stadt nicht behütet und verwahret, so wacht der Wächter umsonst. Also muß ich doch fürwahr auch sagen, wann Christus der recht gut Hirt, dessen die Schaaf eigen sind (und sein Stimm hören) nit mehr Sort trüge und die seinen selbst lehrte, und es alles an euch gelegen müßte seyn, wie viel Schaafe würden zu Grund gehen, und verderben? dann das Wort des heiligen Pauli gehet im Schwang: Jedermann suchet das sein, und niemand, was JEsu Christi ist. Wiewol viel ruhmreicher Worte gehen, aber der HErr saget, an ihren Früchten werdet ihr sie kennen, und der heilige Paulus spricht, ich bin nit kommen mit viel gschwolstigen Worten, sonder mit der That und Wahrheit. Bedenket euch nun, wie euer Beruf auch gen Ulm seye, wo er gekocht worden, und ob es nit aus Neid und Haß geschehen sey? Ihr habet gen Straßburg geschrieben, die Oberkeit hab den Abgott und die Secten Schwenkfeldes, Zwinglins und der Täufer nit wollen ausrotten rc. Was ist doch das für ein Geist, der immer mehr Lust hat, die Leute zu plagen, thun sie doch euch noch andere kein Leid, und bitten GOtt täglich für euch, so glauben sie mit uns, daß JEsus der Christus und Sohn des lebendigen GOttes wahrer GOtt und Mensch, von der heiligen Jungfrauen Maria geboren, auf Erdreich unter uns gewohnet, den Willen des Vaters im Himmel verkündiget, Wunderzeichen gethan, zuletzt aus der Juden Neid und Haß (aber aus seinem guten Willen) wahrer GOtt und Mensch, für uns in viel Schmach und Schand, Band und Gefängnuß, Angst und Schmerzen des Todts bis an das Creutz gekommen, gestorben und begraben, wahrer GOtt und Mensch im Geist hinabgestiegen zur Höllen, die untersten Orte der Erden, den ungläubigen Geistern geprediget, die Seinigen, die auf ihn gehoffet, erlediget, allen, so in ihn glauben, hab er wahrer GOtt und Mensch, die Höll, Sünd und ewigen Tod zerstöret und überwunden, dem Teufel seinen Gewalt genommen, und zu ewigen Banden behalten, wahrer GOtt und Mensch aus eigener Kraft und Macht, selbst sein Leben wiederum zu ihm genommen, gewaltiglich auferstanden von den Todten, einen herrlichen, göttlichen und ewigen Sieg für uns alle herauf gebracht, auch wahrer GOtt und Mensch, zur Rechten des allmächtigen Vaters gesetzt, da er auch ewig bleibt, ein HErr aller Dinge worden, ein Name über alle Namen erlangt, Gewalt im Himmel und Erdreich empfangen, über alles Fleisch den Seinen den Heil. Geist herab geschickt, die zu lehren und zu versammlen in die Gemeinschaft der Heiligen in seinem Namen, wahren GOtt und Menschen, Buß und Vergebung der Sünden zu predigen, und durch die Kraft seiner Auferstehung uns für GOtt seinen Vater, ohne allen unsern Verdienst und Hülf oder Mittel aller Creaturen, im Himmel und Erden, gerecht gemacht, und werde am letzten Tag lassen seine Stimm hören, aus den Gräbern heissen herfürgehen und durch seinen Geist lebendig machen, wahrer GOtt und Mensch auch das Gericht halten werde, über Lebendige und Todten, und das ewig Leben geben, allen denen, die er als seine Schaafe zu seiner Rechten stellen wird, und aber denen, so gottloß gewesen, darum er sie als Böcke zur linken Hand gestellt, Grimm, Zorn, Schand, Schmach, unauslöschlich Feuer und unaufhörenden nagenden Wurm geben, und dann in und mit den Seinen ewiglich regieren, und sie ihn, den HErrn JEsum Christum, wahren GOtt und Menschen in der Versammlung aller Heiliger und Engel ewiglich werden niessen und loben, sich in ihm, als der in das göttlich Wesen der Heil. Dreyeinigkeit in GOtt verkläret und eingesetzt, erlustigen, für ihren HErrn und GOtt erkennen, ehren, anbeten, und das ewige Sanctus singen, hierzwischen aber in diesem Leben in aller Christenlicher Zucht, Liebe, Bescheidenheit und Gedult, ihm dankbar seyn, ihn ehren, anrufen, bekennen, und zu ihm beten, sich ihmm vertrauen, als ihrem wahren GOtt und HErrn, den der Vater auf seinen heiligen Berg Zion eingesetzt hat, also der Auflösung nach seinem Willen erwarten, und zum End in einem wahren Glauben (der ein Gab GOttes ist) durch den Fersenbiß der Schlangen, den zeitlichen Tod, hindurch dringen zum Leben, alsdann bey solchem HErrn der Seligen, allzeit seyn und bleiben, da er nit minder jetzt und ewiglich dann der Vater ist, sondern nach Creutz und Tod, mit göttlicher Glori, Gewalt, Majestät und Ehren, in seiner herrlichen Auferstehung und Himmelfahrt gekrönt, und in das göttlich Wesen, wahrer GOtt verklärt und aufgenommen, da ihn auch jetzt alle Könige der Erden, die Heiden und Völker, auch alle Creaturen müssen erkennen, ehren und gehorsamen, wahren GOtt und Menschen, in einer untheilbaren Person ein Christus JEsus in der Heil. Dreyeinigkeit anbeten, da er aller der Seinen fröhlicher Zugang und Gnadenstul ist, mit Freuden hinzutreten.

Wolan, lieber Herr Ludwig! Dieß ist die Summa des Glaubens, der von den jetzt seligen Martin Luther, Ulrich Zwinglin, Johann Ecolompadius, Mattheus Zell, Wolfgang Capito, Martin Bucer, Urbanus Regius, Paulus Frygius und andern viel frommen Männern, die jetzt in Christo ruhen, desgleichen Johann Brenz, Caspar Schwenkfeld, und andern viel lieben Männern, die noch leben, geprediget und in Schriften bekannt ist worden, auch unter den Täufern viel frommer verständiger und gottsförchtiger gelehrter Leut, die Christum von Herzen suchen und begehren, bekannt haben, mit welchen Fugen und ruhigen Gewissen soll euch dann ein Oberigkeit folgen, und euerem Kopf, Neid und Haß nach, Leute vertreiben, die in Christum den Sohn GOttes glauben, und niemand kein Leid thun, sind aber schwache, unweise oder auch böse unter ihnen, ach GOtt! so besehet euch selbst. Wie wollt ich so einen grossen, bösen Hauffen unter uns finden? Lasset uns das Mitleiden mit ihnen haben, das wir mit uns selbst haben. Ach stiesset ihr euch aus euern Kirchen um grosse Ding, wie sie aus der Ihren um kleine Ding, ihr würdet bald ein kleinere Kirchen haben. Ein Oberkeit ist gesetzt von GOtt, dem Bösen zur Straf, Nutz und Schirm dem Guten, dabey lasset es bleiben, sie haben das Hauptstuck mit uns Christum den gekreutzigten, und wiederum herrlich gemachten, im Wesen GOttes. Lauffet sonst viel Dinge darneben, die in die Haußhaltung der Kirchen gehören, und man sich nit mit einander darob vertragen und eins kan werden, wollet ihr darum viel frommer Leute, die tod und noch leben, also verdammen, und dem Teufel geben, mit aller Unzucht? Können doch jetz auch viel lieber Leute sich nit mit euch vertragen, die sich ab euerm päbstlichen Chorhembd und Verlassung des Volks, das euch befohlen gewesen, so hoch ärgeren, und euch gar nimmer für den halten, für den sie euch zuvor gehalten haben. Wem oder welchem sollen sie euch dann geben, so sie euch für einen abgetretenen Apostel halten? So hab ich auch schon gehört, daß sich nicht alle zu Ulm in euere Lehr vom Sacrament könnten richten, sagen Bucer selig und andere, haben sie anders gelehret, als auch noch gut zu sehen ist in seinem Schreiben, über das sechste Cap. Johannis, auch in Brenzen und andern Schriften der alten Gelehrten und ihren alten oder ersten Büchern. Aber ihr jungen Männer und Zukömmlinge der Kirchen, tretet die alten heiligen Männer im Grab, und die noch leben, mit Füssen, und wollet, alle Welt soll euch allein hören und glauben, und, wer das nit glaubt, soll man gleich zur Stadt und Land ausjagen. Die von Ulm müßten jetzt auch wol die halbe Stadt austreiben. Ich glaube aber nit, daß sie es um euertwillen thun werden. Lasset man doch die Juden gehen, die unsern HErrn Christum schmähen, und ist auch nit so unrecht, den Glauben kan man niemand mit Gewalt und Zwang geben, er ist nicht jedermanns Ding, sondern eine Gab GOttes, von dem muß er kommen. Es hat auch der lieb Luther zu Marburg eine Schrift gestellt und lassen ausgehen, daß sie bey einander wären des Sacraments halben; ob sie schon der Verstand auf beyden Seiten nit eben zusammen könne tragen, so solle dennoch die Liebe nit getrennt, sonder das Band des Friedens bleiben, einander dulden und tragen rc.

Also hat auch mein frommer Mann selig Mattheus Zell so oft geredt in seinem Leben, wer Christum für den wahren Sohn GOttes, und den einigen Heyland aller Menschen glaube und bekenne, der soll Theil und Gmein an seinem Tisch und Herberg haben, er wolle auch Theil und Gmein mit ihm in dem Himmel haben. Wie sind dann ihr jungen unerfahrnen Männer so rauch? Ich meine, daß euch wilde Leute im Wald gezeuget haben, wie könnet ihr so frefentlich, den frommen und jetzt seligen Zwinglin, durch den GOtt einer ganzen Eidgnoßschaft so viel Guts gethan hat, also schänden, und begehren ihn, seine Bücher und Glaubensgenossen auszureuten, den ihr nie gesehen, und die Arbeit, Creutz, Schmach, Schand, so er und Ecolampadius samt andern Alten, um der Ehre Christi willen, erlitten haben, nie erfahren? Es müßten neun Evangelia samt Christo zu Grund gehen, ehe ihr das halb littet. Lebten sie noch, ihr dörftet ihnen nicht unter die Augen sehen, an Kunst und Glauben, desgleichen dem heiligen und gelehrten Mann Conrad Pelican, der auch in Christo ehrlich entschlafen, und dem lieben friedsamen Mann Heinrich Bullinger, samt denen, so noch mit ihm vom HErrn Christo zeugen und lehren zu Zürich. Ach sollte man gegen einander stehen, wie würde man so wol hören, wer GOttgelehrt oder stolz gelehrt wäre. Solche habet ihr für Ketzer ausgeschrauen, und begehret ihre Gedächtniß ausreuten, die doch im Buch des Lebens geschrieben stehen. Desgleichen auch den guten und frommen Caspar Schwenkfelden, der den HErrn JEsum Christum baß erkennt, dann ihr, ihm all sein Ehr und Herrlichkeit läßt, die ihm der Vater im Himmel gegeben hat, und nit den Menschen, noch Creaturen, den habet ihr mit Unwahrheit, als einen Ketzer, verfluchten, teuflischen und verdammten Menschen, öffentlich unverschamt vor dem Volk und Oberkeit dargegeben, bey dem ihr euch noch nicht schämen dörftet zu lernen, die Geheimnuß in Christo JEsu. Ich weiß auch, wann ihr ihm unter Augen kämet, daß ihr erschäcket, und euch GOtt schamroth machen würde, dann ihm GOtt viel Gaben und Gnaden vom Himmel gegeben und geschenkt hat, den hat doch weder Capito, Bucer, noch Hedion, auch andere Gelehrten also geschändet, wie ihr, Herr Hans Lenglin, Melchior Specker zu Straßburg, und Illiricus zu Magdeburg so mit schelligen Köpfen und unsinnigen Weisen ohne alle Zuch und Vernunft gethan habet, daß auch alle fromme, einfältige Christen können urtheilen, daß kein Witz noch menschliche Zucht bey solchen Predigern ist, des zeug ich mich auf Illirici Bücher, die euch allen wol gefallen. So hat ihn mein frommer Mann, der so viel für Christo geeiferet, als ihr alle, und wären schon euer noch ein Mätt oder Wiesen voll, für einen Ehren Mann, und Christen gehalten, ihn geliebt bis in sein End, und was er mir an demselbigen befohlen hat euch zu sagen, wisset ihr wol, daß ich es gethan hab. Ihr ziehet ein, daß er die Heil. Schrift, Kirch, Predig und Sacrament verachte und verwerffe, und ist nit wahr, das ist auf deutsch, ihr lüget auf ihn. Für Neid und Haß wisset ihr nicht, was ihr reden und schreiben sollet. Es stehet aber im Psalmen, Recht muß dennoch recht bleiben, und dem werden alle fromme Herzen zufallen. O stund euere Kirch Predig und Sacrament, wie er und viel alter Lehrer davon schreiben, wie lieblich und so selig wäret ihr und die Kirche? GOtt geben seinen Geist herab uns armen Amen.

Nun die armen Täufer, da ihr so grimmig, zornig über sie seyd, und die Obrigkeit allenthalben über sie hetzet, wie ein Jäger die Hund auf ein wild Schwein, und Hasen, die doch Christum den HErrn auch mit uns bekennen, im Hauptstuck, darinnen wir uns vom Pabstthum getheilt haben, über die Erlösung Christi, aber sich in andern Dingen nit vergleichen können, soll man sie gleich darum verfolgen, und Christum in ihnen, den sie mit Eifer bekennen, und viel unter ihnen bis in das Elend, Gefängnuß, Feuer und Wasser bekannt haben? Lieber gebet euch die Schuld, daß wir in Lehr und Leben Ursach sind, daß sie sich von uns trennen. Der aber böß thut, den soll eine Obrigkeit strafen, den Glauben aber nit zwingen und regieren, wie ihr meinet, er gehört dem Herzen und Gewissen zu, nit dem äusserlichen Menschen. Leset alle alten Lehrer, und die, so auch das Evangelium bey uns wiederum erneueret haben ,zuvor unsern lieben Luther, und Brenzen, der noch lebet, was er geschrieben hat von ihnen, und sie so hoch beschirmet, daß eine Obrigkeit nit mit ihnen zu thun hab, dann in burgerlichen Sachen. Leset es in dem Büchlein, das der gut Mann Martinus Bellius an den Fürsten, Herzog Christofel zu Wirtenberg geschrieben hat, noch des armen Serveti Todbrand zu Genf, da er für, und zu dieser Zeit aller Frommen, Verständigen, Gelehrten, Rede und Meynung, als unsers lieben Doctor Luthers, Brenzen, Eraßmi, Caspar Hedions, Johann Agricola, Lactantii, Johann Calvins (der es aber zu Genf wenig bedacht hat) Otto Brunfelsen, Conrad Pelicans, Urbani Regii, auch Augustini, Chrisostomi, Hieronimi, Zellii, Secundi Curii, Sebstiani Castallionis, und noch anderer mehr, fleißig zusammen gezogen hat, wie man mit irrigen Menschen die man Ketzer nennt, soll handlen, welches ein sehr herrlich Büchlein ist, euch Predigern und allen Obrigkeiten hoch vonnöthen zu lesen und zu wissen, und sonderlich, was der lieb Brenz so viel und der Länge nach der Täufer halb geschrieben hat, darum seyd ihr nit so streng, es sind noch mehr gelehrte Leute gewesen, und noch. Gelten sie acht noch etwas in euern Köpfen? Wann euch ein Obrigkeit folget, sie wurde bald eine Tyraney anfangen, daß Städt und dörfer leer würden. Ihr selbst thatet einmal auf einem Sonntag eine rauhe, böse, unapostolische Red, auf der Canzel, über den armen Mann, der in seiner Krankheit und blödem Haupt, einen Handel (der für sich selbst nicht recht war) mit Marpachen in der Kirche anfieng. Ihr solltet aber seine Blöde und Mangel vor erfahren haben, und nit da er in grossen Nöthen, die ich gesehen, an zweyen Ketten lag, ihn einen Lecker gescholten, und so freflich mit ungestümem Zorn gesagt haben; du Obrigkeit hast solche Lecker mehr hier, und strafest sie nit, das mus du und deine Stadt noch zum Spott, Schand und Exempel dem ganzen Teutschen Land sehen und noch erleben. Hätte eine Obrigkeit da euern hitzigen unbeschedenen Kopf gehabt, sie hätte freylich den armen, kranken Mann in seinem Wüten, mit den Ketten in das Wasser geworfen, und ertränkt in seiner Unwissenheit. Lieber! welches Geistes Kinder seyd ihr, der euch zu solchen Sachen treibt? Meinet ihr nit, daß GOtt diese Ding alle höre und sehe, und nit vergesse. Straßburg stehet noch nicht zum Exempel, Schand und Spott dem Teutschen Land, sondern mehr zum Exempel der Barmherzigkeit, Mitleidens und Aufnehmung der Elenden, ist auch noch nicht müd worden, GOtt sey Lob, und seyd ihr dennoch mit kleinen Ehren für dem Thor, und ist mancher armer Christ noch darinnen, den ihr gern hättet gesehen hinaus treiben. Das hat der alte Mattheus Zell nit gethan, sondern die Schaafe gesammlet, nicht zerstreuet, hat auch in solches nie gewilliget, sondern mit traurigem Herzen und grossem Ernst, da es die Gelehrten auch einmal also bey der Obrigkeit anrichteten, öffentlich auf der Canzel und im Convent der Prediger gesagt, ich nimm GOtt, Himmel und Erdreich zum Zeugen an jenem Tag, daß ich unschuldig will seyn an dem Creutz und Verjagen dieser armen Leute, hat auch nach seinem Vermögen abgewandt, was ihm möglich gewesen, GOtt behüt Straßburg für baß und Ulm auch, daß nit euer groß Geschrey den Zorn GOttes über sie bewege. Ihr solltet die Briefe, die ich dem Bischoffe von Straßburg einmal geschrieben habe, gelesen haben, und die heiligen Propheten aus denen ich es bezeugt, so sähet ihr, was einem Hirten zustund zu thun, wie einem freundlichen Artzet und guten Hirten, die viel milter Salben in ihren büchsen und Säcken haben, wo ein Schaaf krank wird, demselbigen zu helffen, und nit wie einem Tyrannen, der seinen Köcher voller giftiger pfeile hat immer die Leute zu verderben. Ich glaub, wäret ihr zu dem Verwundten, da der HErr im Evangelio darvon sagt, auf der Strassen kommen, ihr hättet ihn auch lassen liegen, und für ein Vie geachtet, wie derselbe Priester und Levit auch thaten, ihn nicht aufgehoben, wie der Samariter und Guts bewiesen, der ihn nit fragte, was Glaubens er wär, sondern bald auf seinen Esel legte, und zur Herberg führte, darum es Christus auch anzog gegen dem, der ihn fraget, wer sein Nächster wär? Wolan ich will jetzt aufhören, ich weiß doch wol, daß dieß zu lang ist, ich habe es aber nit können unterlassen, und zu euerm unbillichen Abscheid schweigen, sondern ein wenig meine Gedanken müssen anzeigen, GOtt wolle, daß ihr nun grossen Nutz bey der Stadt Ulm schaffet, zu euerer und vieler Seelen Heil, und ein sanftmüthig Herz überkommet, gegen denen, die Christum ehren, und dasselbe auch aus wahrer Erkanntnuß Christi hergang, die wünsche ich euch von ganzem Herzen, nehmet also für gut, ich bin noch krank und unvermöglich, kan nit viel, noch recht schreiben, ich ich gern gethan hätte. Der HErr JEsus Christus rühre euer Herz mit seinem Finger in Gnaden Amen. Datum den 24. Martii nach dem Sonntag Oculi Anno 1557. Catharina Zellin, des seligen Matthei Zellen nachgelasne Haußfrau.

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