Calvin, Jean – An Viret und Beza in Lausanne (461).

Calvin, Jean – An Viret und Beza in Lausanne (461).

Wer der genannte Etienne ist, wird nicht klar. Die Gefangenen von Chambery (vgl. 455) hatten berichtet, sie seien zum Feuertod verurteilt. Die Genfer Verbannten, Perrin und seine Genossen, stellten in Bern und Lausanne Calvin als ihren Hauptgegner dar, der sie vertrieben habe.

Vom Hass der Feinde.

Ich schicke Euch hier den Brief unseres lieben Etienne, aus dem Ihr seht, dass Christus auch unter dem Kreuze herrscht, mag Satan auch noch so sehr wüten. Was er wegen eines Schulmeisters verlangt, müssen wir uns angelegen sein lassen. Ist jemand bei Euch, der fähig ist, diese Aufgabe fröhlich zu übernehmen, so sendet ihn. Hier wollte ich noch nichts unternehmen.

Von Chambery kam kein Bericht seit dem Brief von den Brüdern, den ich Euch zum Lesen sende. Lasst ihn mir gleich wieder zukommen, wenn Ihr ihn gelesen habt; denn ich habe ihn bisher für mich behalten und zwar im Einverständnis mit meinen Amtsbrüdern. Wie furchtbar mich die ganze gegnerische Partei herunterreißt, weiß ich wohl, und ich mache täglich an mir die Erfahrung, wie fremd doch einem gut gearteten Menschen der grausame Tyrannensinn ist, den der antike Dichter in die Worte kleidet: Mag man mich hassen, wenn man mich nur fürchtet! Hätte ich die Wahl, ich möchte lieber der Allerverachtetste sein. Doch da es Gott anders gefällt, muss ichs tragen; er wird schließlich den Seinen doch beistehen; unterdessen ist das Beste das gute Gewissen, das mich stützt. Berthelier hat heute wieder wie die andern versucht, seine Partei von aller Schuld rein zu waschen; sich selbst hat er des Todesurteils wert bekannt. Über all das mündlich mehr; nur das noch, er schien eine gewisse Reue zu fühlen. Lebtwohl, beste Brüder. Der Herr sei mit Euch; er leite und behüte Euch.

Genf, 9. September 1555.
Dein
Johannes Calvin.

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