Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (374)

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (374)

Nr. 374 (C. R. – 1772)

Der spanische Theologe und Arzt Michel Servet (vgl. 155, 156, 242), der in seinem Werk, „Wiederherstellung des Christentums“, den Trinitätsglauben bekämpfte, war auf Denunziation von Genf aus in Vienne als Ketzer verhaftet worden. Er entzog sich der Verurteilung durch Flucht und kam nach Genf. Am 17. Juni 1553 wurde er in effigie in Vienne als Ketzer verbrannt. Nicolas de la Fontaine, der in Genf die Anklage gegen ihn einreichte, war Calvins Sekretär. Auf Ketzerei stand der Feuertod; diese Grausamkeit, wünscht Calvin, möge Servet erlassen werden.

Vom Prozess gegen Servet.

Es ist, wie du sagst, mein lieber Farel; obgleich wir in vielen Stürmen seltsam und hart herumgeworfen werden, brauchen wir uns doch nicht von Furcht oder Überdruss überwältigen zu lassen, weil das Schiff, in dem wir fahren, ein Steuermann regiert, der uns selbst im Schiffbruch nicht untergehen lässt. Wir haben schon wieder neue Arbeit mit Servet. Er dachte vielleicht, bloß hier durchzureisen. Denn man weiß noch nicht, zu welchem Zweck er hierher gekommen ist. Als er aber erkannt wurde, glaubte ich, ihn festhalten zu müssen. Mein Nicolas reichte Klagantrag auf Todesstrafe ein gegen ihn und bot sich zur gleichen Strafe an [bei falscher Klage]. Vierzig Klagepunkte legte er am folgenden Tag schriftlich vor. Servet suchte anfänglich auszuweichen. Deshalb wurden wir gerufen. Er schalt mich frech, nicht anders wie wenn ihm untertan wäre. Ich erwiderte ihm, wie ers verdiente. Schließlich verkündete der Rat, es seien alle Klagepunkte gebilligt. Nicolas wurde am dritten Tage aus dem Gefängnis entlassen, da er meinen Bruder als Bürgen stellte. Am vierten Tag wurde er ganz freigesprochen. Von der Unverschämtheit Servets will ich nicht reden. Aber so weit ging sein Wahnwitz, dass er nicht zögerte, zu sagen, in den Teufeln sogar wohne die Gottheit. Ja, in jedem seien mehrere Götter, weil die Gottheit substantiell sowohl ihnen, wie Holz und Stein, zuteil geworden sei. Ich hoffe, dass das Urteil auf Todesstrafe ausfällt; aber mein Wunsch ist, dass die Grausamkeit des Strafvollzugs gemildert wird. Lebwohl. Meine Kollegen lassen deinen Gruß erwidern. Ebenso Budè und der bereits wieder genesene de Normandie. Auch deinem Bruder Claude richte einen Gruß von mir aus.

Genf, 20. August 1553.

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