Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (244).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (244).

Weggelassen ist eine Bemerkung über eine Professorenwahl in Lausanne.

Neue böse Folgen des Briefdiebstahls.

Als ich hörte, ein gestohlener Brief sei von Trolliet ins Französische übersetzt worden und werde von ihm herum geboten und dadurch werde Öl ins Feuer geschüttet, ging ich aufs Rathaus und wies nach, wie ungerecht solche Ränke seien, und welche Gefahr für die Kirche und welch ein böses Beispiel ein solches Vorgehen sei. Trolliet wurde vorgeladen und wies den Brief vor. Ich erkannte an, dass es meine Handschrift sei, und entschuldigte mich, wie es der Sachverhalt erforderte. Dann wurden wir entlassen. Es war beschlossen, ich sollte auf verwichenen Montag nochmals vorgeladen werden. Es ist aber nicht geschehen. Weshalb, weiß ich nicht, aber ich vermute, es sei eine List der Übelgesinnten, damit sie diese Waffe in der Hand behalten können, um mir damit zu schaden, so oft es ihnen passt. Denn der Rat neigte eher dazu, die ganze Sache zu begraben. Du siehst, wenn ich je deiner Hilfe bedurfte, so ist sie mir jetzt am nötigsten. Denn ich kann nicht auf weitere Verhandlung dringen, ohne zu gestehen, was ich fürchte. Wenn du aber hierher kommst und dich beschwerst über das Unrecht, das dir geschehen, und dann beifügst, das habest du um das Genfer Gemeinwesen nicht verdient, dass man dir einen Brief vorenthalte, der dir durch Diebstahl abhanden gekommen sei, und du forderest ihn deshalb zurück, ja du brauchest ihn zur Überführung des Diebes, so, meine ich, die Sache wird nicht schwer zu erreichen sein. Überlege nun du, was dir das Beste scheint. In dem Brief wird der ganze Rat hergenommen, denn er schildert die Verhältnisse zurzeit von Cornes Abdankung als Seckelmeister. Dann schrieb ich davon, welche Syndics das Volk gewählt habe und wer neu in den Rat gekommen sei und fuhr fort: „Sie selbst wollen, dass man von ihnen das Beste hoffe. Ich weiß aber nicht, was ich hoffen soll. Denn unter dem Schein des Christentums wollen sie doch ohne Christum regieren.“ Da unter ihnen genannt sind Amadee Curtet und Dominique d´ Arlot, die gegenwärtig im Gefängnis sind, bis sie der Staatskasse ihre Schulden gezahlt haben, so hat Perrin mit seinem Anhang sie aufgesucht, sich mit ihnen ausgesöhnt und reizt sie nun gegen mich auf. Auch die andern werden verhetzt, denn die Bösen unterlassen nichts, um mich zu stürzen. Bald schweige ich dazu, bald sage ich offen, dass alle ihre Versuche mir ein Spaß sind. Denn sie glaubten, schon Sieger zu sein, wenn sie bei mir nur eine Spur von Angst wahrnähmen, und sicher ist nichts besser zur Abwehr ihrer Angriffe und stärkt nichts die Guten mehr zum Aushalten als meine Zuversicht. Kannst du nicht bald kommen, so überlege, ob es nicht gut wäre, zu schreiben, aber nur durch einen sichern Boten mit dem Auftrag, eine Antwort zu verlangen. Lebwohl, bester Bruder und Freund, samt Frau und Töchterlein. Grüße die Brüder angelegentlich. Meine Frau lässt Euch grüßen.

20. September 1548.
Dein
Johannes Calvin.

Wenn du einmal einen treuen Freund findest, so möchte ich, er ginge einmal durch, was ich dir bisher geschrieben habe.

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