Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Balsel.

Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Balsel.

Weggelassen sind einige Mitteilungen über den Refugianten Francois Perrucel, früher Novizenmeister der Barfüßer in Paris, und über den Druck der Schutzschrift für de Falais.

Vom Evangelium unter dem Kreuz. Von den Genfer Kämpfen.

– – Wir haben keine Nachrichten aus Deutschland seit der Gefangennahme des Landgrafen, der so den verdienten Lohn für seine Feigheit empfangen hat. Da die Sachen so stehen, so erkenne ich daraus, dass unser Herr uns das triumphierende Evangelium ganz nehmen und uns zwingen will, zu streiten unter dem Kreuz unseres Herrn Jesu. Aber wir wollen damit zufrieden sein, dass er tut, was ihm in erster Linie zukommt, nämlich, seine Kirche wunderbar beschützt durch seine Kraft ohne Hilfe durch Menschenhand. Die Prüfung ist hart, das muss ich gestehen, aber unsere Väter haben ebenso harte Prüfungen erduldet und sind trotzdem standhaft geblieben, und ihre Festigkeit war nicht umsonst für sie. Da heißts eben das Sprichwort anwenden: Hoffen wir, so werden wir sehen! Ja noch mehr, wir dürfen uns nicht einmal wundern, dass Gott uns so schwer heimgesucht hat, angesichts unseres Lebens. Aber, wie Sie sagen, die, die noch nicht betroffen sind, sollen sich das Beispiel zu Herzen nehmen und sich demütigen, damit sie dadurch der Hand des Richters zuvorkommen. Es war eine Unachtsamkeit der hiesigen Kaufleute, dass sie mich ihre Abreise nicht wissen ließen. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf, durch Sie Nachricht von Ihnen zu erhalten. Ich weiß nicht, ob das Gerücht von unsern Unruhen schon bis Basel gedrungen ist, denn in der Umgegend redet man so laut davon, als ob wir verloren wären. Besonders sagt man mich immer wieder tot oder eigentlich ersäuft. Aber bis jetzt spüre ich nichts davon. Hier in der Stadt sehen wir nicht den hundertsten Teil von dem, was draußen geschwatzt wird. Es gab wohl einiges Murren und Drohen von ausschweifenden Leuten, die die Züchtigung nicht ertragen. Sogar die Frau des Mannes, der Sie hätte besuchen sollen und der Ihnen dann von Bern aus schrieb, hat sich recht übermütig aufgelehnt. Aber sie hat sich aufs Land davonmachen müssen, da es in der Stadt für sie nicht mehr gut sein war. Die andern senken nun den Kopf, statt die Hörner zu heben. Einer ist in Gefahr, eine teure Zeche zahlen zu müssen. Ich weiß nicht, ob er mit dem Leben davonkommt. Es scheint den jungen Leuten, ich unterdrücke sie zu sehr. Aber wenn man ihnen den Zügel nicht straff hielte, wärs zum Erbarmen. So muss man für ihr eignes Wohl sorgen, so ungern sie es haben. Ich empfehle mich, Monsieur, ergebenst Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Gewogenheit und bitte den lieben Gott, Sie stets in seiner Hut zu behalten, Sie zu stärken durch seinen heiligen Geist zum Widerstand gegen alle Versuchungen und Sie in allem wachsen zu lassen zu seiner Ehre. Und da für Ihre Frau Gemahlin die schwere Stunde naht, so wollen wir dran denken, für ihre glückliche Entbindung zu beten. Meine Frau lässt sich Ihnen beiden auch ergebenst empfehlen.

Den 14. Juli.
Ihr Diener und ergebener Bruder
Johann Calvin.

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