Calvin, Jean – An den Genfer Rat.

Calvin, Jean – An den Genfer Rat.

Caroli, der wieder katholisch geworden, forderte von Metz aus Farel und Calvin in den hochtrabendsten Worten zu einer Disputation auf – zu Rom, Trient oder einer spanischen oder französischen Universität. Calvin reiste nun nach Straßburg, wo Farel schon war, um Caroli zu einer Disputation in Metz zu bringen. Über diese Verhandlungen schreibt Calvin. Der Herzog von Cleve im Bund mit dem König von Frankreich lag seit 1542 im Krieg mit Karl V. Der Teton ist eine französische Münze von etwa 4 1/2 Franken Wert.

Entschuldigung wegen verlängerten Ausbleibens in der Caroli-Angelegenheit.

Hohe, sehr geehrte Herren. Ich hoffe, M. Pierre Viret wird mich bei Ihnen entschuldigt haben, dass ich Ihnen nicht schon von Bern aus schrieb, da ich damals gerade unwohl war. Gleich nach meiner Ankunft in Basel übergab ich Ihren Brief den Herren vom Rat. Diese gaben ihrerseits mir ein Empfehlungsschreiben an die gnädigen Herren von Straßburg mit, mit der Bitte, mir Rat und Hilfe zu meiner Reise zukommen zu lassen.

Hier habe ich nun, dank Ihrem Brief sowie dem der gnädigen Herren von Basel, wie auch wegen des großen Wohlwollens, das man hier für mich hat, besonders aber der Sache selbst wegen, so gute Hilfe gefunden, als ich mir überhaupt wünschen konnte. Die gnädigen Herren haben sich sehr bereitwillig erboten, zu tun, was in ihrer Macht stünde. Nur möchten M. Guillaume [Farel] und dich die Mittel erwägen, die gut anzuwenden seien. Darauf schlugen wir ihnen drei Wege vor. Erstens uns ganz direkt nach Metz geleiten zu lassen, obwohl das nicht ungefährlich wäre; oder zweitens nochmals den Rat von Metz zu ersuchen, uns Gehör zu schenken; oder drittens eine Botschaft nach der Stadt Schmalkalden zu senden, in der gegenwärtig der Bund der Protestanten versammelt ist, und die Fürsten und Städteboten dringend zu ersuchen, die Sache in die Hand zu nehmen.

Auf den ersten Vorschlag antwortete man, dass man uns gerne eine Gesandtschaft mitgäbe zu sicherem Geleit und mit der Forderung an die Metzer, uns anzuhören, und sich darin gar nicht zurückhaltend zeigen würde, wenn man nicht sähe, dass es doch nicht ohne Gefahr für uns geschehen könne und wenig Hoffnung auf Erfolg böte. Ebenso wäre es aber auch vergebliche Mühe, wenn man von Straßburg aus ein Schreiben nach Metz sendete. Denn die Papisten seien äußerst zuversichtlich geworden, weil der Kaiser komme und versprochen habe, auf dieser Reise alle Religionshändel zu schlichten, als ob er zurzeit nichts anderes zu tun hätte. So wird, wenn man ihnen von Straßburg aus schreibt, das die einzige Antwort und der einzige Bescheid sein, dass man das Schreiben wieder zurücksendet. So wurde denn der dritte Vorschlag als der beste erfunden, nämlich Botschaft nach Schmalkalden zu senden. Das hätten sie auch schon getan, hätten sie nicht gerne noch unsere schriftlichen Forderungen gehabt, um darlegen zu können, was uns gut scheine. Morgen aber, so Gott will, wird der Bote abgehen. Sie versprachen uns, die Sache so rasch und mit so gutem Willen zu besorgen, dass wir dabei ihren Eifer und Mut wohl anerkennen müssten. Wie ich sie kenne, zweifle ich sogar nicht, dass sie noch mehr tun werden, als sie versprechen. Es sind sechs Tagereisen bis nach Schmalkalden, bei der Schnelligkeit, mit der ihr Herold reisen wird. Denn gewöhnlich rechnet man gut acht Tage. Weil ich nun aber hier warten muss, solange diese Botenreise dauert, habe ich mich entschlossen, großmächtige, sehr geehrte Herren, Ihren Herold, den Überbringer dieses Briefes, an Sie zurückzusenden, um Ihnen zu melden, wie die Sache geht. Denn ich scheute mich, so lange auf bloße Hoffnung hin hier zu sein, ohne Ihnen Nachricht von mir zu geben. Es konnte ja auch geschehen ohne viel größere Auslagen, als wenn ich den Boten bei mir behalten hätte. Im Übrigen entscheiden Sie, ganz wie es Ihnen gut scheint, ob Sie ihn mir wieder schicken wollen. Ich habe ihm auf alle Fälle sechs Taler gegeben für die Kosten auf der Hin- und Herreise, dazu drei Tetons, die ich schon früher gegeben. Handeln Sie aber ganz nach Ihrem Gutdünken. Ich sage es nur, weil, falls Sie ihn wieder zurückschicken wollten, er in etwa vierzehn Tagen wieder hier sein müsste, um rechtzeitig zu kommen. Denn dann werden wir wohl nach Metz aufbrechen müssen, wenn es Gott gefällt, uns dort Einlass zu schaffen.

Ich weiß persönlich wohl, dass ich nicht solange abwesend sein dürfte, ohne Vernachlässigung Ihrer Kirche. Da ich nun aber soweit gereist bin, wäre es doch zu lächerlich gewesen, unverrichteter Dinge umzukehren, besonders da ja gute Hoffnung ist, wenn man noch ein wenig wartet, und so wollte ich doch, bevor ich wieder heimreiste, versuchen, ob Gott nicht etwas tun will. Deshalb bitte ich Sie, noch Geduld zu haben, bis die erwähnte, ja recht kurze Zeit verstrichen ist. Dann werde ich mich beeilen, so bald als möglich zu Ihnen zurückzukommen.

Unterdessen, hohe Herren, ersuche ich Sie, die Ehre Gottes wie bisher sich angelegen sein zu lassen und die Kirche in gutem Stand und guter Ordnung zu halten.

Damit Sie sehen, wie notwendig es ist, nach Metz zu gehen und Caroli Stillschweigen zu gebieten, schicke ich Ihnen eine Kopie seiner letzten Antwort, in der er sich hochmütiger und frecher als je zeigt, umso mehr, als er sich darauf verlässt, dass man in Gegenwart des Kaisers ihn nicht zwingen wird, zur Vernunft zu kommen. Denn vorher hatte er fliehen wollen.

Es gehen hier allerlei verschiedene Gerüchte um über die Ereignisse in Niederland; bald, er sei geschlagen worden. Da alles noch ganz ungewiss ist, unterlasse ich es, Ihnen davon mehr zu schreiben. Immerhin ist die Erhebung so bedeutend, dass selbst zwei Meilen von hier vorletzte Nacht ein Auflauf stattfand und fünfzig Kaufmannsrosse geraubt worden sind.

Unterdessen, hohe, sehr geachtete Herren, bitte ich, M. Guillaume und mich Ihnen untertänig empfehlend, den Herrn Jesus, er möge Sie behüten und bewahren, und Ihnen die Gnade geben, Ihr Volk stets in gutem Frieden recht zu leiten zur Ehre seines Namens.

Straßburg, 1. Juli [1543].
Ihr gehorsamer Diener im Herrn
Johann Calvin.

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