Farel, Wilhelm – An Zwingli.

Farel, Wilhelm – An Zwingli.

Grandisson, d. 1. Oktbr, 1531

Heil Gnade und Friede von Gott unsrem Vater. Durch dein so überaus angenehmes Schreiben gemahnt wünschte ich durch den frommen Reynard dir einen Brief zu senden; es ist mir aber noch nicht gelungen ihn kennen zu lernen, ungeachtet ich ihn wegen deiner Empfehlung und deines zuverlässigen Zeugnisses kennen zu lernen suchte.

Nun bot sich uns dieser für Maynhard an, von dem du leicht erfahren wirst, was bei den Franzosen für das Wort geschieht. Man strebt nach Frömmigkeit, aber mit welchem Eifer, weiß der Herr. Ich höre, daß man bei den Gebenneusern viel über Christus nachdenckt, und, wenn die Freiburger es gestatten, heißt es, würde das Evangelium bereitwillig angenommen werden. Die Berner wirken nicht mit dem Fleiß für die Ehre Christi, wie die Freiburger für die päpstlichen Lehren. Ich möchte nicht glauben, daß der Berner Rath einmal so ein leichtes Unrecht gegen einen Boten dulden wird, wie er ein schweres gegen das Evangelium erträgt. Den Freiburgern ist gegen die Gläubigen beinahe Alles erlaubt, unverhörter Sache werden sie in die Gefängnisse geschleppt, Andere ungestraft beleidigt. Das Recht liegt in den Waffen. Christus ordne Alles nach seinem gnädigen Willen, und vertreibe Alle Trägheit und Schläfrigkeit von den Herzen derer, durch welche seine Ehre gefördert werden soll. Derselbe wird Einiges bei dir ausdenken, was durch die Gnade Gottes, die dir der Vater ertheilte, zur Verherrlichung des göttlichen Namens wird beitragen können. Ich wünsche, daß du sowohl an der Arbeit als an deren Frucht Antheil habest. Du wirst dich bemühen, nach der dir vergönnten Klugheit deine helfenden Hände zu reichen. Es ist keine unbedeutende und zu verachtende Sache. Wir hofften, Petrus werde zur Ernte des Herrn kommen, nachdem die Kutten zerbrochen und Anderes abgethan, was das Wort längst vollends ganz entfernt hätte, wenn die Freiburger es nicht so eifrig zurückgehalten hätten. Ich hoffe, wenn Alles ruhig ist, endlich das Werk in Angriff zu nehmen. Doch, um dich nicht länger aufzuhalten, lebe recht glücklich und mit dir alle Gläubigen, die ich zu grüßen wünsche.

Ganz dein Farel.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’S Verlag.) 1862

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