Martin Luther – An Käthe, 15. August 1530

Martin Luther – An Käthe, 15. August 1530

Aus Koburg vom 15. August 1530.

Meinem lieben Herrn Frau Katharin Lutherin zu Wittenberg zu Handen. Gnad und Friede in Christo. Mein liebe Kethe! Als ich den Brief hatte zugemacht, kamen mir diese Briefe von Augsburg: da ließ ich den Boten aufhalten, daß er sie mit sich nähme. Daraus werdet ihr wohl vernehmen, wie es zu Augsburg mit unser Sachen stehe, fast, wie ich im andern Briefe geschrieben habe. Laß dir sie Peter Weller[i] lesen, oder Er Johann Pommer. Gott helfe weiter, wie er gnädiglich angefangen hat, Amen, Ich kann ich nicht mehr schreiben, weil der Bote so wegfertig da sitzt und harret kaum. Grüße unsern lieben Sack. Ich hab deinen Brief an die Castnerin gelesen, und sie dankt dir sehr, Hans Polner hab ich Peter Weilern befohlen, siehe zu, daß er sich gehorsamlich halte. Grüße Hansen Luthern und seinen Schulmeister, dem will ich bald auch schreiben. Grüße M. Lehnen und allesampt. Wir essen hier reife Weintrauben, wiewohl es diesen Mond heraussen sehr naß gewest ist. Gott sey mit euch allen, Amen. Ex Eremo dic Assumtionis Mariae, MDXXX.

Mart. Luther

Wie verdreußt michs, daß unser Drucker so schändlich verziehen mit den Exemplaren. Ich schicke solch Exemplar darumb hinein, daß sie bald sollten fertig werden, da machen sie mir ein Lagerobs draus. Wollt ich sie so liegen haben, ich hätte sie wohl hie bey mir auch wissen zu halten. Ich hab dir geschrieben, daß du den Sermon (wo er nicht angefangen) von Schirlenz nehmen und Georgen Rau geben solltest[ii]. Ich kann doch wohl denken, daß Schirlenz sein groß Exemplar kaum zu verlegen hat mit Papier. Ist das nicht geschehen, so schaffe, daß noch bald geschehe, und der Sermon aufs forderlichst gefertigt werde.

 

[i] Die beiden Brüder Petrus und Hieronymus Weiler waren während Luthers Abwesenheit in sein Haus gezogen. Der letztere sollte sich des kleinen Hans annehmen und wird deshalb weiter unten auch dessen Schulmeister genannt, was er auch später Jahrelang blieb.

[ii] Es ist der „Sermon, daß man die Kinder zur Schul halten soll“ gemeint, der Luthern unter der Feder schier zu einem Buch angewachsen war. … Die meisten Schriften Luthers sind früher in der Lotther’schen, später in der Lufft’schen Druckerei gedruckt, mehrere jedoch auch bei dem oben genannten Nicolaus Schirlenz und Georg Rhau, der früher Cantor zu St. Thomas in Leipzig war und sich besonders durch den Druck der Schriften Melanchthons bekannt gemacht hat.

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