Brenz, Johannes – An Markgraf Georg zu Brandenburg. (27 November 1529.)

Brenz, Johannes – An Markgraf Georg zu Brandenburg. (27 November 1529.)

Durchleuchtiger hochgeborner fürst. Unsers HERRN gottis gnad und barmhertzigkeit sampt meinem underthenigen allzeit bereiten schuldigen dienst zuvor. Gnediger herr. Ich hab die verzeichnuss von E. F. G. mir zugeschickt mit fleissiger underthenigkeit verlesen und nach meinem geringen verstandt bewegen, kan mich demnach selbs auss der heiligen gschrifft nit anderst berichten, dann das solliche verzeichnuss mit begriffung jrer puncten gantz göttlich und Christenlich gestellt seye. Es ist je das Römisch reich warhafftiglich nach der Zeugnuss Pauli ein ordnung gotts, und als etlich der frummen heiligen leerer wollen, von dem propheten Daniel zuvor, ehe dann es auffkame, verkündiget und durch gottis wort bestetigt. Nun hatt dasselb Reich ein sollche gestallt wie vor augen, das darin fürnemlich der Oberst, der mittelst und der uriderst. Im Obersten ist allein der keyser, im understen seyen allein die gmeinen underthonen, aber im mittelsten seyen die Churfürsten, fürsten, graven und der Stet Ratt, welche dise gstallt haben, das sie nach Irem ansehen yetz für Oberkeit yetz für underthon gerechnet mögen werden. Dann gegen Iren underthonen zu rechnen seyen sie Oberkeit , und demnach, was für spruch in der heiligen gschrifft auff die Oberkeit lauten, nemlich Sie tregt das schwert nit vergeblich, Item Sie ist gottis dienerin, Item Sie ist ein recherin zur straff über den, der boses thut, seyen Inen billich in disem fall gegen Iren underthonen zugehörig. Aber gegen dem keyser zurechnen, seyen sie recht naturlich underthon, nach dem der keyser von Inen allen fur Ir naturlich Oberkeit erkent wurdt. Darumb wasserley spruch in der heiligen gschrifft auff die underthon lauten, nemlich Rechnet euch selber nit, dann es steet gschriben: Die Rach ist mein, Ich wils vergellten, spricht der HERR. Item Ir sollt dem übell nit widerstreben, Item Wer das schwert nimpt, der soll durchs Schwert umbkommen, und andere mehr derselben werden auch billich den Churfursten, fürsten, Stett Ratt und anderen in dem mitteln Stand begriffen, In disem fall gegen dem keyser zurechnen, zugezeelet. Hierauff, als wenig die bauren in der vergangenen auffrur mit gutem gwissen sich wider Ire Oberkait gweltiglich mit dem schwert haben widersetzen künden, ob Inen woll zu zeiten maniche unbilligkeit von Irer Oberkeit begegnet war, als wenig möchtein fürst oder Stett Radt des Römischen reichs wider keyserlich Mt. in gutem gwissen und frolicher anruffung gottlicher hilff mit gweltigem schwert widerstreben, ob schon k. Mt. ein unbillichs es sey in zeittlichen oder ewigen guttern furnemen hett. So dann gottis hilff im gweltigen widerstreben nit tröstlich verhofft noch frolich gesucht mocht werden, wie kunt man sich further einer hilff und beystand bey den menschen versehen. Dann es geht mit dem Christlichen glauben also zu, das in einem land oder Statt allweg der wenigst und geringst teill recht Christen seyen. Die andern und der gross hauff glauben der gwonheit nach, und so lang kein gfar darauff steet. So es dann an ein treffen gieng, wurden dieselben des evangelii halb, welches sie nie recht geglaubt haben, kein nodt erleiden und dorfften woll, wo Inen der raum wurde, die ersten under den verfolgern sein, wie Christus sagt: Es wurt ein bruder den andern nun todt überantworten und der vatter den Son etc. So aber in einer sollchen nodt der Vatter den Son zum todt verradt, wie sollt dann ein unglaubiger nachbaur für den glaubigen des glaubens halb streiten und sein leben wagen wollen. Zu dem, so ein wieder kriegender fürst oder Stadt von dem keyser mit dem schwert uberwunden, würde er oder sie nit als ein Christ sonder als ein auffrürer überwunden. Hierzu schreibet Petrus: Niemandt under euch leyde als ein ubeltheter, leidet er aber als ein Christ, so scheine er lich nit, sonder preyse gott in der sach. Nun leidet man dazumall als ein Christ, wan man* im recht thun leidet, darinn man dann •roch unsern HERRN gott umb hilff anruffen kan. Aber recht thun ist Christum unsern HERRN nit verlaugnen, sonder In offenlich bekennen. Unrecht thun ist der naturlichen Oberkeit mit dem schwert widerstreben. Welcher nun in disem thun leidet, der leydet als ein übeltheter und kann im selber thun gottis hilff warhafftiglich nit anruffen noch begeren.

Man findt woll im buch der Richter, das die Israeliten wurden in gwallt des konigs zu Mesopotamia acht Jar, des konigs der Moabiter achtzehen Jar, des konigs der Cananiter zwentzig Jar und anderen mehr konigen von gott ergeben, und sie (die Israeliter) sich darnach mit gwallt Inen widersetzten, auch von Inen mit dem schwert sich erredten: Das hatt aber kein vergleichniss gegen den unterthonen des Römischen reichs. Dann das volck Israel ware von gott den eegenannten konigen nit als einer ordenlichen Oberkeit Sonder als einem züchtiger eins sündigen volcks zur straff ein zeitlang ergeben. Es waren ye nach göttlicher ordnung und zusagung die israeliter recht verordnet Oberkeit (ob sie es woll noch nit in der hand betten) über dieselben könig der Cananiter, Moabiter, Philistiner und anderer, und möchten sie, wo Inen durch ir eigne Sünd ir hand nit verkürtzt worden wer, nach göttlichem rechten» und urteill erwürgen und todten. Das aber das spill sich mit den Israeliten wendet, und musten deren könig, so Irer Oberkeit von gott zugeteült waren, diener und underthon sein, ist für ein straff der Sünde und nit für ein ordenlich regiment zu zeelen, wie dann der HERR zum offter mall verhengt hatt, das die Oberkeit von Iren eigen underthonen undertruckt seyen worden. Demnach wan die Israeliter von den Sünden abstunden, mochten sie mit gutem gwissen und frolicher anruffung gottlicher hilff den selben königen, deren gfangen sie waren, mit gwallt widerstreben und sich erredten.

Aber unser HERR gott hatt die glider und die Stend des Romischen reichs dem keyser nit als einem unordenlichen zuchtiger der Sünd und als einem gwalltigen strassreuber, sonder als einer ordenlichen Oberkeit underworffen. Darumb mag man sich hierin der exempeln in dem buch Judicum beschriben nit behelffen. Und kan Ich meins bedunckens auch nit anderst erfinden, dann das alle Stend des Reichs gegen k. M. underthon seyen, und hierauff in den sprüchen der heiligen gschrifft den underthonen zugehörig begriffen. Das wollt Ich nach der lenge E. F. G. undertheniger meinung nit verhallten , dan E. F. G. underthenigen schuldigen gehorsam zu beweysen will Ich allweg mit der hilff gottis ungesparts fleiss erfunden werden. Hiemit E. F. G. unserm HERRN gott bevolhen, der wolle sie in rechtem glauben" und bestendiger bekantnuss unsers HERRN Jesu Christi und seines evangeliums erhallten. Datum zu schwebischen hall Sambstag nach katerinae Anno XXIX.

E. F. G. undertheniger und gehorsamer

Iohan brentz, prediger zu hall.

Quelle:
Anecdota Brentiana Ungedruckte Briefe und Bedenken von Johannes Brenz. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Th. Pressel, Archidiaconus in Tübingen. Tübingen, 1868. Verlag von J.J. Heckenhauer.

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