Ulrich von Hutten an Willibald Pirkheimer

Ulrich von Hutten an Willibald Pirkheimer

über den Reichstag in Worms. 1521.

Daß Luther nicht widerrufen, das ist genug gewesen, den Mann Gottes aufs höchste zu verdammen. Liebster Gott, wo will das noch hinaus? ich glaube gänzlich, daß man zu diesen Zeiten sehen werde, ob Deutschland Fürsten habe, oder ob es von schön gekleideten Bildsäulen regiert werde. Denn die geistlichen darunter beschließen über Luther nichts, als was alle Gottlosigkeit und Bubenstücke übertrifft. Ich habe über einen letzten Brief an mich das Weinen nicht lassen können, weil er mir geschrieben, wie unbillig und übel man mit ihm verfahren. Darunter auch dieses war, daß er endlich seinen Abschied bekommen, mit dem Verbot, unterwegs das Wort Gottes nicht zu predigen. O gräuliche Büberei! o Bosheit, die einen unversöhnlichen Zorn Gottes verdient! das Wort Gottes zu fesseln, einem evangelischen Lehrer den Mund zu verstopfen! Sehet die christlichen Fürsten! Was werden die Auswärtigen dazu sagen? Ich schäme mich meines Vaterlandes.

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