Luther, Martin – An Georg Spalatinus

Luther, Martin – An Georg Spalatinus

(1521, vor dem Reichstag zu Worms)

ICh hab die Artickel, lieber Spalatine, so ich widerruffen sol, und anders mehr, so mir fürgeschrieben ist, darnach ich mich zu richten und halten, empfangen.

ABer gedencke nur nicht, das ich jchtes widerruffen werde, Weil ich sehe und mercke, das die Papisten kein andern Grund und behelff wider mich haben, darauff sie fussen, denn das ich wider der Kirchen, die sie jnen ertichten und trewmen, misbreuche und ceremonien geschrieben hab. Will derhalb Keiser Carol antworten, so ich allein des Widerrufs halben erscheinen sol, wolle ich nicht kommen, Sintemal es eben das ansehen hette, als were ich bereit draussen gewest, und nu wider herein kommen, Denn ich könde auch hie widerruffen, wenns allein darumb zu thun were.

WIll aber sein Kei. Mai. mich uber das foddern, das ich sol umbbracht werden, und von wegen dieser meiner Antwort mich für des Reichs Feind halten, wil ich mich erbieten zu komen. Denn ich gedencke nicht zu flihen, noch das Wort in fahr stehen zu lassen, sondern es bekennen bis in tod, so ferne mir Christus gnedig ist, und beystehet.

ICh bin aber gewis, das die Bluthunde, die Papisten, nicht ehe rugen werden, bis sie mich hingericht haben. Gern wolt ich, wenns bey mir stünde, das niemand sich an mein Blut vergriffe, denn allein die Papisten.

ACh wir sind ganz und gar zu Heiden worden, wie wir vor Christus Zeit gewesen, so gewaltig hat der listig Antichrist die Reich der Welt nu so viel hundert jar in seiner gewalt gefangen. Des HERRN Wille geschehe. Indes rate, wem zu raten ist, das er sich nicht teilhafftig mache des schenlichen Rats der Boßhaftigen. Grüsse die zu grüssen sind.

Geben Dienstags nach Judica 15.21.

Quelle:
Handbuch deutscher Prosa von Dr. K.E.Ph. Wackernagel, Oberlehrer an der städtischen Gewerbschule zu Berlin. Berlin, gedruckt und verlegt bei G. Reimer 1837

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