Calvin, Jean – An Louis de Bourbon, Prinzen de Conde, in Paris.

Calvin, Jean – An Louis de Bourbon, Prinzen de Conde, in Paris.

Nr. 746 (C. R. – 4027)

Vgl. 728, 744.

Erneute Anfrage wegen des Bekenntnisses; ernste Mahnung zu strengerem Lebenswandel.

Monseigneur, es ist schon ziemlich lange her, dass wir Sie baten, Sie möchten uns gütigst Ihren Willen kundtun bezüglich des Bekenntnisses, das während des Krieges aufgestellt worden war, um Ihren Feinden den Mund zu stopfen, die für jede beliebige Verleumdung Glauben zu finden hofften. Der das Bekenntnis verfasst hat, hat dies auch nicht aus eigner Willkür getan, sondern aufgefordert und gemahnt von Herrn d´ Andelot, der von seinem Aufenthalt in Deutschland wusste, wie notwendig und nützlich ein solches Vorgehen wäre. Das Bekenntnis wurde damals an Sie gesandt; da aber die Wege gesperrt waren, konnten wir keine Antwort erhalten, ob Sie die Veröffentlichung durch Druck gut fänden, und ohne Ihre Erlaubnis wollten wir nichts tun. Seither haben uns gute Gründe dazu gebracht und bewogen, die Zeit dafür jetzt für so günstig als je zuvor zu halten. Wir wissen nun nicht, woran es liegt, dass wir Ihren Willen nie erfuhren; wir können uns nur denken, es sei unter so vielen Geschäften vergessen worden. So sehen wir uns jetzt genötigt, Monseigneur, Ihr Gedächtnis wieder aufzufrischen, ja, wenn nötig, Sie damit zu behelligen. Denn wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Herzog von Württemberg einen Katechismus ins Französische übersetzen ließ, ausdrücklich zu dem Zweck, unsere Abendmahlslehre zu verdrängen. Davon sehen wir nun manche Schwierigkeiten voraus, denen man entgegentreten sollte. Er wird ihnen jedenfalls diesen Katechismus überreichen lassen, wenn es nicht bereits geschehen ist, um Sie von der reinen, einfachen Lehre, in der Sie erzogen sind, abzubringen. Erreicht er damit nichts, – wie wir hoffen, er täusche sich darin in Ihnen, – so wird er den oder jenen sonst damit versuchen wollen, um Ihren Glauben verdächtig erscheinen zu lassen; er wird auch wohl suchen, einige dafür zu gewinnen und dadurch Streit zu erregen und die einen gegen die anderen aufzustiften. Dagegen scheint es uns nun das beste Mittel, dass Sie Ihr Bekenntnis veröffentlichen, sowohl um seinem Vorgehen die Spitze abzubrechen, als auch um durch Ihre Festigkeit die abzuschrecken, die glauben, Sie mit diesem Schreckgespenst einschüchtern zu können; weiter um die Unwissenden aufzuklären und den Lästerreden zuvor zu kommen, die Sie treffen müssen, wenn man Ihre Sache nicht kennt. Sie glauben nicht, Monseigneur, wie günstig das in Deutschland wirken würde; möglicherweise müsste sogar der, der Sie jetzt zu gewinnen trachtet, sich überwunden und vernichtet erklären. Jetzt ist die beste Gelegenheit der Welt, ihm mit Gleichen zu vergelten, da er als erster [mit seinem Bekenntnis] Sie eingeladen hat. Deshalb bitten wir Sie, Sie möchten geruhen, uns Anweisung zu geben, was wir tun sollen; denn sobald wir Ihr Jawort haben, wollen wir uns mit allem Eifer daran machen. Sie können die Antwort sicher an Herrn Aubrec in Lyon gelangen lassen, der Ihr treuer Diener ist. Abgesehen davon, dass Ihnen schon zweimal eine Kopie des Bekenntnisses gesandt worden ist und Sie es jedenfalls gelesen und gebilligt haben, können Sie ja auch darüber noch die Meinung des Herrn Kardinals de Chatillon hören, um in Ihrem Urteil noch mehr bestärkt zu werden. Im Übrigen, Monseigneur, können wir auch nicht umhin, Sie zu bitten, nicht nur im Allgemeinen sich die Sache unseres Herrn Jesu Christi angelegen sein zu lassen zur Förderung des Evangeliums und zur Sicherung und Beruhigung der armen Gläubigen, sondern auch in Ihrer ganzen Lebenshaltung zu zeigen, dass Sie etwas gelernt haben in der Lehre zur Seligkeit, damit Ihr Beispiel alle Guten erbaue und allen Lästerern den Mund stopfe. Denn von je weiter her man auf Sie, der Sie so hoch stehen, sieht, desto mehr müssen Sie sich in acht nehmen, dass man an Ihnen nichts zu tadeln finde. Sie zweifeln gewiss nicht daran, Monseigneur, dass wir Ihre Ehre im Auge haben, wie wir Ihnen die Seligkeit wünschen. Nun müssten wir Verräter sein an Ihnen, wollten wir Ihnen die umlaufenden Gerüchte verschweigen. Wir meinen nicht, dass Sie etwas täten, was Gott direkt beleidigte; aber wenn man immer nur von Ihren Liebschaften mit allerlei Damen hört, so schadet das Ihrem Ansehen und Ihrem guten Rufe sehr. Die Guten ärgern sich darüber; die Bösen haben ihren Spaß daran. Das ist eine Zerstreuung, die Sie hindert und abhält, Ihre Pflicht zu tun. Ja, es kann gar nicht ohne weltliche Eitelkeit abgehen, und Sie müssen doch vor allem darauf acht geben, dass das helle Licht, das Gott Ihnen verliehen hat, nicht erlischt und erstirbt. Wir hoffen, Monseigneur, diese Ermahnung werde Ihnen genehm sein, wenn Sie erwägen, wie nützlich sie ist.

Indem wir, Monseigneur, usw.

Genf, 13. September.
Ihre ganz ergebenen Brüder
Johannes Calvin.
Theodor Beza.

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