Calvin, Jean – An Geronimo Zanchi in Straßburg.

Calvin, Jean – An Geronimo Zanchi in Straßburg.

Nr. 732 (C. R. – 3954)

Geronimo Zanchi (vgl. 458), Professor der Theologie in Straßburg, wurde von den Pfarrern seines reformierten Glaubens wegen angefochten und sollte den Straßburger Consensus, ein lutherisches Bekenntnis, unterschreiben. Die Sache wurde vor ein Schiedsgericht auswärtiger Theologen gebracht; auch Houbraque (vgl. 499, 502, 591), jetzt Pfarrer der französischen Gemeinde in Straßburg, weigerte sich, zu unterschreiben.

Über den Straßburger Consensus.

Als ich hörte, Sulzer und Jakob Andreä seien berufen, Eure Zwistigkeiten durch ihren Schiedsspruch beizulegen, machte ich mir eines Punktes wegen einige Hoffnung, da ich wusste, dass beide über die verborgene Prädestination Gottes recht denken, obschon freilich beide nachgiebigen Charakters sind, wenn es gilt, Gunst zu erwerben. In der Lehre vom heiligen Abendmahl sah ich aber den schlimmen Ausgang stets voraus. Denn Sulzer will den Lutheranern zu Gefallen für neutral gelten. Vom andern aber ist gar nichts zu hoffen, denn er ist Brenz ganz sklavisch ergeben und rühmt sich noch damit. So ists ja auch gekommen. Die Prädestinationslehre, die sie nicht anzutasten wagten, wickelten sie in vieldeutige Worte und ließen sie wie einen verborgenen Schatz liegen. Die Abendmahlslehre nach dem Augsburgischen Bekenntnis ist in Marbachs Händen eine Schlinge, mit der er Euch erdrosseln kann, wie er will, wenns Gott zulässt. Doch es ist geschehen, und ich will nicht unnütz klagen. Ich will dich auch nicht veranlassen, durch eine zweideutige Unterschrift Ausflucht zu suchen; denn es wäre doch recht wenig ehrlich, mit einer kleinen Haarspalterei sich aus der Sache zu ziehen, und es röche nach übler Schlauheit. So bleibt dir nur eins übrig: bei nächster Gelegenheit vor dem Rat zu bezeugen, aus aufrichtiger Friedensliebe habest du dich dazu bringen lassen, zu unterschreiben, aber mit ganz bestimmten Ausnahmen, damit man dir nicht später aus deiner Nachgiebigkeit einen Strick drehen könne; das wollest du jetzt noch einmal offen bekennen, damit niemand dir vorwerfen könne, schlau verschwiegen zu haben, was frei herauszusagen war. Nichts ist zu solchem Vorgehen ein günstigerer Anlass, als wenn die Gegner unsern Houbraque angreifen. Hört man Euch an und nimmt Eure Erklärung an, so seid Ihr Sieger; wenn nicht, so nehmt Euch in acht. Lebwohl, trefflicher Mann und von Herzen verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite und behüte dich.

Genf, 13. Mai 1563.

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