Calvin, Jean – An die Gemeinden in Languedoc.

Calvin, Jean – An die Gemeinden in Languedoc.

Nr. 712 (C. R. – 3860)

Außer Beza und de St. Porcien (vgl. 710) war auch Colignys Bruder, d´Andelot, in Deutschland gewesen, um Geld und Truppen für die Hugenotten aufzutreiben. Der Brief ist nur bruchstückweise erhalten.

Geld für die Sache Gottes.

Sehr liebe, verehrte Herren und Brüder, ich wollte, ich könnte zu Euch kommen, um Euch persönlich zu sagen, in welchem Interesse ich Euch nun diesen Brief schreibe. Da es aber nicht in meiner Macht steht, dies zu tun, so hoffe ich, dass die Sache selbst, von Euch recht verstanden, genügen wird, Euch zu einer Anstrengung bis aufs äußerste zu veranlassen, jeden nach seinem Vermögen. Es handelt sich darum, Geld aufzubringen zum Unterhalt der von Herrn d´ Andelot geworbenen Truppen. Es ist jetzt nicht die Zeit, darauf einzutreten und darüber zu reden, ob Fehler begangen worden sind. Wie dem auch sei, jetzt hat uns Gott in eine solche Not kommen lassen, dass ohne Hilfe von dieser Seite nach menschlichem Ermessen nichts vorauszusehen ist als eine klägliche, entsetzliche Verwüstung. Ich weiß wohl: auch wenn alles zerstört und verloren ist, hat Gott noch unbegreifliche Wege, seine Kirche wieder obenauf zu bringen, gleichsam durch eine Auferweckung von den Toten; und darauf wollen wir harren und uns verlassen, dass, wenn wir ganz vernichtet sind, ja, alles zum schlimmsten gekommen zu sein scheint, er noch aus unserer Asche ein neues Volk ins Leben rufen kann. Indessen müssen wir aber doch auch bedenken, dass auch wir unsere Pflicht nicht versäumen dürfen, wenn wir nicht wissentlich der Gnade Gottes die Tür verschließen wollen. Sicher hat die Trägheit und Sorglosigkeit, oder eher die Gleichgültigkeit einzelner Gemeinden schon mehr Schaden gestiftet, als man sagen kann. Manche wollten einen Teil ihrer Güter schonen und sind dann ohne Schonung ums Ganze gekommen; ja, was noch schlimmer ist, eine unzählige Schar armer Leute hat es mit ihrem Leben büßen müssen, obwohl sie nichts dafür konnten. Wenn dieser Übelstand nicht aufhört, ist zu fürchten, Gott schlage uns mit noch schärferen Ruten. Tatsächlich, es ist eine große Schande, dass die Feinde Gottes Leib und Gut opfern für ihre böse Sache zu ihrem Verderben, die dagegen, die die Wahrheit verteidigen sollten, so sparsam und zurückhaltend sind. Doppelte Schande aber ists, dass die Not – – –

[Sept. 1562.]

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