Calvin, Jean – An Nicolas des Gallars in London.

Calvin, Jean – An Nicolas des Gallars in London.

Nr. 630 (C. R. – 3216)

Des Gallars war als Pfarrer an die französische Gemeinde in London gesandt worden; seine Frau und sein Söhnlein Amos hatte er in Genf zurückgelassen. Die Superintendentur über die Londoner Refugiantengemeinden, die zu Eduards VI. Zeit von Laski innegehabt hatte, war von Elisabeth dem Bischof von London, Edmund Grindall, übertragen worden.

Warnung vor Auflehnung gegen den Bischof von London.

Wir haben vernommen, einige aus Eurer Gemeinde arbeiten daraufhin, das Amt eines Superintendenten, das von der Königin und ihrem Rat unserm verehrten Bruder, dem Bischof von London, gegeben worden ist, möchte einem andern übertragen werden. Ist dem so, so wirst du dafür sorgen müssen, diese unzeitgemäßen Bestrebungen im Zaum zu halten, die keinen andern Grund haben als persönlichen Ehrgeiz. Denn wenn man einwendet, es sei nicht sicher, wie der zukünftige Nachfolger dieses Bischofs sein werde, so hat das unsres Erachtens nicht viel zu bedeuten; denn die Aufsicht über Eure Gemeinden ist nicht dem Londoner Bischof als solchem, sei er, wie er wolle, übertragen, sondern dem jetzigen persönlich als dem bewährten, treuen und aufrichtigen Beschützer Eurer Freiheit. Selbst wenn eine andere, gleich passende Persönlichkeit zur Hand wäre, so wäre es unsres Erachtens doch besser, nichts zu ändern; denn es böte keinen Nutzen, wenn Euch ein Mann entfremdet würde, der Euch mit größter Liebe behandelt, die Ruhe Eurer Gemeinde beschützen will, dessen Eifer und Tüchtigkeit, wenn es dies gilt, Ihr erfahren habt, dessen großer Einfluss schließlich Euch mehr als notwendig ist. Da aber wahrscheinlich die Sache schon von vielen erörtert worden ist, so ist wohl auch schon das Gerücht davon zu ihm gedrungen; fühlt er sich nun verletzt, so übernimm du das Amt eines Fürbitters und ersuche ihn, den törichten Leuten zu verzeihen, die ihr unbedachter Eifer zu Fall gebracht hat. Er lässt sich sicher versöhnen und hört nicht auf, Eurer Gemeinde wie bisher seine Gunst zu erweisen. Sind aber einige in der Gemeinde verstockt, so erkläre ihnen zu rechter Zeit, man habe dich nicht geschickt, damit du dich durch ihre Unruhe stiftenden Pläne verleiten und hinreißen lassest, das Wohl der ganzen Gemeinde außer acht zu lassen.

Dein Amos ist neulich vier Tage lang so von den furchtbarsten Kolikanfällen gequält worden, dass man kaum mehr hoffen durfte, er bliebe am Leben. Er ist noch nicht genesen, doch haben sich die Schmerzen gelegt und er ist außer Gefahr. Deine Frau kommt allmählich wieder zu Kräften; sie geht wieder aus und hofft, bald wieder ganz rüstig zu sein. Lebwohl, bester Bruder und treuer Knecht Christi, Gott sei stets mit dir und leite dich mit dem Geiste des Rates und der Kraft; er erhalte dich gesund.

Grüße alle Freunde.
[16. Juni 1560].

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