Calvin, Jean – An Madame de Rentigny in Paris.

Calvin, Jean – An Madame de Rentigny in Paris.

Nr. 558 (C. R. – 2848)

Madame de Rentigny war eine der vornehmsten unter den Pariser Gefangenen; Macard hatte von ihr berichtet, sie beginne Schwäche zu zeigen, da sie sich bereit erklärt habe, zu ihrem katholischen Gatten zurückzukehren.

Mahnung zur Festigkeit, auch gegenüber dem Gatten.

Mademoiselle und verehrte Schwester, wiewohl Sie nicht die Tapferkeit und Standhaftigkeit bewiesen haben, die wir von Ihnen erhofften und wünschen durften und die auch Gott von Ihnen fordert, so darf doch Ihr Missvergnügen über Ihre bisherige Schwachheit nicht so groß werden, dass Sie nun den Mut ganz verlieren und alles aufgeben. Freilich, wir dürfen keine Entschuldigungen suchen, die unsere Fehler kleiner erscheinen lassen; aber da der Satan nichts lieber tut, als uns in Verzweiflung stürzen und uns dadurch Gott ganz entfremden, so erkennen Sie seine Ränke, treten Sie ihnen entgegen und halten Sie ein, damit Sie nicht zu zwei oder drei Fehlern noch die höchste Sünde fügen. Sie haben vor den Richtern nicht widerstanden, wie Sie hätten tun sollen; Sie haben Ihrem Gatten zuviel zugestanden, um ihm einen Gefallen zu tun. Fahren Sie so fort, sich zu beugen und nachzugeben, so ist Gefahr, dass all der Eifer und die edle Leidenschaft, die Gott in Sie gelegt hat, absterbe. Es ist keine kleine Sünde, wenn Sie einem Ungläubigen erklären, Sie seien bereit, ihn Gott vorzuziehen. Sehen Sie also, dass Sie, statt Gott fest entschlossen zu folgen in aller Einfalt und Geradheit, gefallen sind, so seufzen Sie über Ihren Fall und stärken Sie sich wieder in dem, der Ihnen den Sieg geben kann über alle Versuchungen. Ihren Gatten mit allen erlaubten Mitteln zu gewinnen, ist gewiss etwas Wünschenswertes, und selbst wenn er sich noch nicht in den Gehorsam gegen Jesum Christum finden will, so hätten Sie keinen Grund, ihm ganz fremd zu werden; aber ihm sich unterwerfen und dabei wider Gott handeln, sich mit ihm aussöhnen und dabei sich von Gott scheiden, um des verdammten Friedens mit ihm willen den Zorn des himmlischen Richters gegen sich wachrufen, wegen dieser irdischen, vergänglichen Ehe das ewige heilige Band lösen, das uns mit dem Sohn Gottes, unserm Heiland, verbindet, – urteilen Sie selbst, wäre es nicht hundertmal besser zu sterben? Denn wenn Sie Gott soweit versuchen wollten, so hat der Satan fürchterliche Netze, die zu fangen, die so unbesonnen ihm entgegenstürzen. Hüten Sie sich also, dass nicht Gott, der Sie bisher gehalten hat und Sie noch hält, Sie nicht fallen lasse. Wenn ich das sage, so geschieht es nur aus Sorge um Sie, obschon ich das Vertrauen nicht aufgebe, dass der Vater der Barmherzigkeit an Ihnen vollende, was er begonnen hat. Denn er hat an Ihnen so schöne Zeichen seiner Gnadenwahl sehen lassen, dass wir mit gutem Recht hoffen dürfen, er werde den guten Samen, den er in Ihrem Herzen Wurzel fassen ließ, auch Frucht bringen lassen. Ihnen im Einzelnen auseinanderzusetzen, wie und unter welchen Bedingungen Sie in die Rückkehr zu Ihrem Gatten willigen können, das wage ich nicht, da ich zu weit weg bin, um alle Umstände zu kennen. Auch haben Sie ja einen guten, treuen Berater bei sich, der Sie führen kann. Nur im Allgemeinen will ich Sie bitten, sich nicht mit Wissen in ein Labyrinth zu begeben, aus dem Sie den Ausweg nie mehr finden werden, sondern fest zu bleiben in dem Entschluss, Gott zu gehorchen. Vor allem rufen Sie, da Sie jedenfalls schwere Anfechtungen zu erdulden haben werden, den an, dessen Hilfe genügt, Ihnen über alles wegzuhelfen, und bitten Sie ihn auch, dass er Ihnen Klugheit und Rat gebe in allen Ihren Nöten. Ich will ihn meinerseits mit Ihnen bitten, Ihnen in allem und überall zu zeigen, dass er Sie führt durch seinen heiligen Geist und in seiner Hut hält. Und damit, Mademoiselle und liebe Schwester, will ich mich Ihnen herzlich empfehlen und schließen.

Den 10. April 1558.
Ihr ergebener Bruder
Charles d´ Espeville.

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